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# Die Sauerstoffausschöpfung V̇O₂ und der Sauerstoffbedarf

Betrachtet man den Körperkreislauf, so kann man das arterielle Blut ($\rm{\color{purple}a}$) als Startpunkt und das zentralvenöse Blut ($\rm{\color{violet}cv}$, Blut in den Hohlvenen) als Endpunkt sehen.
Dazwischen liegt das Kapillargebiet, aus welchem Sauerstoff abgegeben wird.

Vergleicht man nun den Sauerstoffgehalt des Blutes am Startpunkt ($\color{blue}\rm{C{\color{purple}a}O}_2$)[^cao2] mit dem des Blutes am Endpunkt ($\color{blue}\rm{C{\color{violet}v}O}_2$)[^cvo2], so ist die Differenz der Verlust" an Sauerstoff, also welcher an das Gewebe abgegeben wurde.
Da sowohl $\color{blue}\rm{Hb}$ als auch die Hüfner'sche Zahl am Start- und Endpunkt ident sind, ist die Differenz der Sättigungswerte interessant.
Verbunden mit dem $\color{red}\rm{CO}$ ergibt sich die Sauerstoffausschöpfung ${\dot{\rm V}\rm O}_2$:

$$
{\dot{\rm V}\rm O}_2 \approx {\rm\color{red}CO} \times {\color{blue}{\rm Hb}\times 1,34 \times } ( {\color{teal}{\rm S{\color{purple}a}O_2} - {\rm S{\color{violet}cv}O_2}})
$$

[^cao2]: ${\color{blue}\rm{C{\color{purple}a}O}_2} \approx {\color{blue}\rm{Hb} \times 1,34 \times \rm{S{\color{purple}a}O}_2}$

[^cvo2]: ${\color{blue}\rm{C{\color{violet}cv}O}_2} \approx {\color{blue}\rm{Hb} \times 1,34 \times \rm{S{\color{violet}cv}O}_2}$

Es ist dabei festzuhalten, dass die Sauerstoffausschöpfung nicht mit dem eigentlichen Sauerstoffbedarf des Körpers gleichzusetzen ist:
Nur Bereiche, welche *perfundiert* werden, haben überhaupt die Möglichkeit, Sauerstoff auszuschöpfen.
Dies ist hinsichtlich dem Phänomen der *Zentralisation* ein wesentlicher Faktor.

% Die V̇O₂ hat jedoch einen Haken:
% Der Cardiac Output muss ermittelt werden um sie berechnen zu können.
% Hat man dazu nicht die Möglichkeit, kann man auch die die Sättigungswerte isoliert betrachten.
% Dies ist in der klinischen Routine bei Intensivpatienten mit den ohnehin vorhandenen Invasivitäten (ZVK, arterieller Zugang) oft problemlos und ohne großen Aufwand möglich
% Da man hierbei nur die *relative* Sauerstoffausschöpfung beurteit, kann man die *kardiale Komponente* als mögliche Ursache einer pathologischen Sauerstoffausschöpfung *nicht beurteilen*.
%
% Der Normalbereich der ScvO₂ liegt bei 70-75 %
%
% Es stellt sich nun die Frage:
% *"Ist eine höhere zentralvenöse Sauerstoffausschöpfung gut oder schlecht?"*
%
%
% Somit ergibt sich folgende Dynamik:
%
% -   Eine hohe ScvO₂ kann für ein sehr hohes O₂-Angebot (guter Cardiac Output, viele O₂-Träger (Hb), gute Oxygenierung), wenig Bedarf oder wenig Perfusion sprechen.
% -   Eine niedrige ScvO₂ kann ein Zeichen für erhöhte Nachfrage und/oder ein schlechtes Angebot (wenig Cardiac Output, wenig O₂-Träger, schlechte Oxygenierung) sein.
% -   Alles was eine Abgabe von O₂ an das Gewebe erschwert (Zentralisation, Anasarka, Hypothermie, Alkalose\ [#AlkaloseO2Abgabe]_)
%
% .. [#AlkaloseO2Abgabe]
%     Hypothermie und Alkalose sorgen für eine höhere Affinität von O₂ zum Hämoglobin und erschweren daher die Abgabe (*Linksverschiebung* der **Sauerstoffbindungskurve**, vgl. {term}`Bohr-Effekt`)
%
% .. note::
%
%     -   Wenn die Sauerstoffversorgung nicht ausreicht, um den Stoffwechselbedarf des Gewebes zu decken, ergibt sich ein erniedrigter ScvO₂-Wert. Verminderte Perfusion (Zentralisation!) kann dies verschleiern.
%     -   Die ScvO₂ ist abhängig von Oxygenierung, Sauerstoffzufuhr und Sauerstoffextraktion, differenziert aber nicht.
%     -   Der tatsächliche Bedarf wird durch die Sauerstoffextraktion nur indirekt und mitunter falsch angezeigt.
%
% Als orientierende Untersuchung ist daher die isolierte Betrachtung der ScvO₂ einfach und nützlich, zur weiteren Differenzierung bedarf es aber oft der Ermittlung des Cardiac Outputs mittels anderer Methoden, um die relative und absolute Sauerstoffausschöpfung zu ermitteln.



Die ausreichende Oxygenierung der Zellen ist immer ein Balanceakt:
Einerseits spielt natürlich das Sauerstoffangebot eine wichtige Rolle.
Andererseits ist jedoch auch der Sauerstoff*bedarf* ein wichtiger Faktor.
Hier sind insbesonders **Stresssituationen** zu nennen, aber auch der **Grundumsatz** und durch die *Ernährung* induzierten Stoffwechselvorgänge.


Die Optimierung des Bedarfs, z.B durch *Anxiolyse*, *Analgesie* und *Sedierung* stellt somit einen wesentlichen Part in der Optimerung der Oxygenation dar.





:::{figure} ../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/Gabriel-Sebastian/Input/Maschine-Mensch-Konsole-1.png

Oxygenation: Therapeutische Interventionsmöglichkeiten
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