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:::{index} single: Infusionslösungen; balancierte
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:::{index} single: Kristalloide
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:::{index} single: Azetat
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:::{index} single: Malat
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:::{index} single: Laktat
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:::{index} single: Glukonat
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:::{index} single: Zitrat
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:::{index} single: Bikarbonat
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:::{index} single: Elektrolytlösung
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(Q-APHA23004)=
(Q-APHA23005-2)=

# Kristalloide Infusionslösungen

:::{sidebar} Kristalloide

- Vollelektrolytlösungen
  - Balancierte Lösungen
  - metabolisierbare Anionen
    - Azetat
    - Malat
    - Laktat: Cave Leber, Laktatazidose
    - Glukonat
    - Zitrat
  - Kohlehydrate
- 2/3-, 1/2-, 1/3-Elektrolytlösungen
- Kalium-freie Elektrolytlösungen
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Kristalloide Infusionslösungen enthalten **Elektrolyte** und optional Zucker.
Sie diffundieren rasch aus den Gefäßen ins Gewebe, es bleiben ca. rund 20 % intravasal.

Grundsätzlich steht man bei kristalloiden Infusionslösungen vor mehreren Herausforderungen:

1. Die Lösung sollte im Regelfall **isoton** sein
2. Der **Anteil der jeweiligen Elektrolyte** sollte möglichst **physiologisch** sein.
3. Die **Ladungen** (Anionen und Kationen) müssen **ausgeglichen** sein:
   - Im Plasma liegen *negative Ladungen* jedoch auch in Form von *Aminosäuren* bzw. *Bikarbonat* vor, Kristalloide sind jedoch proteinfrei und Bikarbonat galenisch nicht stabil.
   - *Chlorid* bietet sich als Ersatz an, kann jedoch zu einer *hyperchlorämischen Azidose* führen.

{index}` <Vollelektrolytlösung>`
{index}` <Anionen; metabolisierbare>`
**Vollelektrolytlösungen** enthalten eine *Natrium-Konzentration über 120 mmol / L* und können sich in der genauen Zusammensetzung der Elektrolyte unterscheiden, nähern sich aber den Konzentrationen im Plasma an und sind somit annähernd isoton.
**Isotone Vollelektrolytlösungen *ohne* metabolisierbare Anionen** enthalten zum *Ladungsausgleich* in der Regel eine  hohe *Chloridkonzentration* und können zu einer *hyperchlorämen Azidose* führen. {term}`🗎 Hulde 2017`

**Isotone Vollelektrolytlösungen *mit* metabolisierbaren Anionen** (*Azetat*, *Malat*, *Laktat*, *Glukonat*, *Zitrat*) enthalten ebenjene metabolisierbare Anionen zum Ladungsausgleich.
Diese **balancierten Lösungen** weisen damit möglichst *physiologische Natrium-* und *Chloridkonzentration* auf, auch bei großen Infusionsmengen tritt damit keine metabolische Azidose auf.
Sie eignen sie gut zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs und Substitution eines Flüssigkeitsdefizits.

Die metabolisierbaren Anionen werden in der **Leber** oder, im Falle von Azetat und Malat,  im **Muskel** zu **Bikarbonat** metabolisiert.
{index}` <Leberinsuffizienz; Flüssigkeitstherapie>`
Im Rahmen einer **Leberinsuffizienz** sollten daher **keine Laktat-hältigen Lösungen** eingesetzt werden, da die Verstoffwechslung beeinträchtigt sein und eine *Laktatazidose* drohen kann.
Darüber hinaus verbraucht die Verstoffwechselung von Laktat deutlich mehr Sauerstoff als die von Azetat (*Azetat rund ein Drittel weniger*). {term}`🗎 Hulde 2017`

Man kann unterscheiden:

- **Isotone Vollelektrolytlösungen ohne metabolisierbare Anionen**, z. B.:
  - Isotone „physiologische“ Kochsalzlösung (*"NaCl 0,9 %"*; die absolut *un*physiologischte Infusionslösung nach destillierten Wasser)
- **Isotone Vollelektrolytlösungen mit metabolisierbaren Anionen** (balancierte Lösungen), z.B.:
  - Ringerlaktat
    {index}` <Ringerlaktat>`
  - ELO-MEL™ isoton, Sterofundin™ ISO: Azetat-haltig
    {index}` <ELO-MEL™; isoton>`
    {index}` <Sterofundin™ ISO>`
- **Vollelektrolytlösungen mit Kohlehydraten** sind infolge der *Glukose anfänglich hyperton*, bis ebendiese *verstoffwechselt* wurde.
  Im Gegensatz zu reinen Glukoselösungen verbleibt nach der Verstoffwechslung nicht "freies Wasser", sondern eine annähernd balancierte Eletrolytlösung im Gefäß.
  - Z.B.: ELO-MEL™ OP (postoperativ) G
    {index}` <ELO-MEL™; OP (postoperativ) G>`

Neben den Vollelektrolytlösungen gibt es auch für spezielle Anwendungsfälle (hypertone Dehydratation, Hypernatriämie, Kaliummangel, Infusionszusätze etc.) auch Lösungen mit **reduziertem Elektrolytgehalt** (*Drittel-*, *Halb-*, *Zweidrittel-Elektrolytlösungen*).
**Kalium-freie Elektrolytlösungen** sind ... Kalium-frei.
Klassisches Beispiel ist die isotone Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %).
Reine **Glukoselösungen** enthalten Glukose (z.B. 5 % Glukoselösung) und sonst ... Wasser.
Durch die Aufnahme der osmotisch wirksamen Glukose in die Zellen entsteht in Folge *freies Wasser*!
Kann dieses nicht renal in ausreichendem Maß ausgeschieden werden, kommt es zu einem Abfall der Plasmaosmolarität und zu Ödemen und Hämolyse.

:::{important}
- Isotone Vollelektrolytlösungen *ohne metabolisierbare Anionen* enthalten eine *hohe Cl⁻-Konzentration* und können zu einer hyperchlorämischen Azidose führen.
- Die besten Infusionslösungen für den Flüssigkeitsersatz und auch für die Deckung des *Basisbedarfs* sind in der Regel  **isotone Vollelektrolytlösungen mit metabolisierbaren Anionen** (balancierte Lösungen) mit **Azetat**, sofern keine anderen speziellen Anforderungen (z.B. Glukose-Bedarf, vorbestehende Elektrolytstörungen etc.) vorliegen.
:::

:::{danger}
Die Infusion größerer Mengen von isotoner Kochsalzlösung darf nur unter Überwachung des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts erfolgen.
Eine (hyperchloräme) **Azidose** ***verstärkt*** eine **Hyperkaliämie** durch Hemmung des Natrium/Protonen-Antiporters und konsekutiver Hemmung der Na/K-ATPase, wodurch *weniger Kalium in die Zellen* aufgenommen wird.
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```{eval-rst}

.. table:: Zusammensetzung von Infusionslösungen
  :name: tab-infusionsloesungen

  +---------------------+-------------------------------------------------------+-------+------------+-------------------+
  |                     | Elektrolyte                                           | Gluk  | Osmo       | Sonstige          |
  +=====================+=======================================================+=======+============+===================+
  |                     | mmol / L                                              | g / L | mosmol / L |                   |
  |                     +-----------------------------+-------------------------+       |            |                   |
  |                     | Kationen                    | Anionen                 |       |            |                   |
  |                     +--------+------+------+------+-----------+------+------+       |            |                   |
  |                     | Na⁺    | K⁺   | Ca⁺⁺ | Mg⁺⁺ | Cl⁻       | Azet | Lakt |       |            |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | ELO-MEL™ isoton     | 140    | 5    | 2,5  | 1,5  | 108       | 45   |      |       | 302        |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | ELO-MEL™ post-OP G  | 100    | 18   | 2    | 3    | 94        | 38   |      | 50    | **528**    |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | Sterofundin™ ISO    | 145    | 4    | 2,5  | 1,5  | 127       | 24   |      |       | 309        |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | Glukose 5%          |        |      |      |      |           |      |      | 50    | 277—0      |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | Ringer-Lactat       | 131    | 5,36 | 1,84 |      | 112       |      | 28,3 |       | 278        |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | Ringer-Lösung       | 147,20 | 4    |      |      | **155,7** |      |      |       | 309        |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | Natriumchlorid 0,9% | 154    |      |      |      | **154**   |      |      |       | 308        |                   |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | Gelofusin™ ISO      | 154    |      |      |      | 120       |      |      |       | 274        | Gelatine 40 g / L |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+
  | Humanalbumin 20%    | ~ 150  | ≤ 2  |      |      |           |      |      |       | ~ 1100     | Albumin 200 g / L |
  +---------------------+--------+------+------+------+-----------+------+------+-------+------------+-------------------+

```
