---
status: final
---



:::{index} single: Gerinnung
:::
:::{index} single: Hämostase
:::


(APHA-VO-Gerinnung)=
(Gerinnung)=
(Haemostase)=

# Gerinnung

Unser Organismus verfügt über eine körpereigene Blutstillung, welche aktiviert wird, sobald es im Körper zu einer Verletzung kommt.
Die Blutgerinnung ist ein äußerst komplexer Vorgang uns baut auf Komponenten der zellulären Bestandteile (Thrombozyten) und der gelösten Stoffe (Gerinnungsfaktoren, Co-Faktoren u. v. a. m.) auf.
Die einzelnen Komponenten sind netz- und kaskadenartig miteinander verbunden, wobei sie fördernde als auch hemmende Einflüsse auf die Gerinnung haben können.


:::{margin} Hämostase

- Gerinnungssystem
- Thrombozyten
- Fibrinolytisches System
- Endothel der Gefäßwand
:::

Die **Hämostase** umfasst alle Mechanismen, die nach einer Gefäßverletzung zur Blutstillung beitragen und gleichzeitig die Durchgängigkeit der Gefäße bewahren.
Sie beruht auf dem Zusammenspiel verschiedener Systeme:
- dem plasmatischen *Gerinnungssystem*,
- den *Thrombozyten*,
- dem *fibrinolytischen System* sowie dem
- *Endothel der Gefäßwand*.


:::{admonition} Hä?
> Was hat das fibrinolytische System mit der Gerinnung zu tun? Das macht ja das Gegenteil??

Das Gerinnungssystem ist ein Balanceakt zwischen pro-koagulatorischen und antikoagulatorischen Mechanismen.
Für ein funktionierendes Gerinnungssystem bedarf es beider Mechanismen, die sich gegenseitig in Schach halten.
:::


:::{margin}  3 Phasen der Hämostase

- Bildung des Plättchenpfropfs
- Stabilisierung des primären Plättchenpfropfs
- Fibrinolyse
:::

Die Blutgerinnung kann man in drei verschiedene Phasen unterteilen:

01. **Bildung des Plättchenpfropfs**: **Primäre Blutstillung** (= Hämostase):
    passiert innerhalb von Sekunden:
    Nach der Gefäßverletzung lagern sich Thrombozyten an die geschädigte Endotheloberfläche an und aggregieren.
    Es entsteht ein primärer *Plättchenthrombus* und es kommt zur *Vasodilatation*.

    Für diese Wirkung ist *Thromboxan A2* verantwortlich, dass aus den Thrombozyten ausgeschüttet wird.
    *Prostacyclin* (aus den Endothelzellen) bewirkt das genaue Gegenteil:
    eine Aggregationshemmung und Vasodilatation.
02. **Stabilisierung des primären Plättchenpfropfs**: **Sekundäre Blutstillung** (plasmatische Gerinnung):
    Durch die Aktivierung des *plasmatischen Gerinnungssystems* wird übner die *Gerinnungskaskade* *Fibrin* gebildet, das den Thrombozytenpfropf verstärkt und stabilisiert.

    In dieser Kaskade laufen 3 verschiedene Phasen ab:
    - Bildung eines *Prothrombinaktivators*: Aktivierung der *Thrombokinase*
    - *Thrombinbildung*: *Prothrombin* wird hierdurch in *Thrombin* umgewandelt
    - *Fibrinbildung*: Das Thrombin bewirkt die Umwandlung von Fibrinogen zu Fibrin

      Fibrin und Thrombozyten bilden gemeinsam den *Thrombus* - es kommt zu einer *Verfestigung des Thrombus* (*Retraktion*)
03. **Fibrinolyse**:
    In der letzten Phase sorgt das fibrinolytische System für den *kontrollierten Abbau* des Fibrins, sodass das Gefäß wieder durchgängig wird, sobald die Heilung fortgeschritten ist.

Damit stellt die Hämostase ein fein abgestimmtes Gleichgewicht zwischen **Blutstillung** und **Erhalt der Gefäßdurchgängigkeit** dar.
Alle Hämostasephasen sind eng miteinander verbunden und stimulieren sich gegenseitig.
Global gesehen beträgt die  *Blutungszeit* durchschnittlich ca. 2 bis 4 Minuten, bei kleineren Verletzungen u. U. auch länger.
Nach der plasmatischen Hämostase beginnt die **Wundheilung**.
Fibroblasten wachsen in den Thrombus ein und bauen ihn bindegewebig um.



:::{toctree}
:maxdepth: 1
:glob:

*/index
:::







<!-- Man unterscheidet die **primäre Hämostase** (Plättchenthrombus, arterieller Thrombus  bei z.B.
MCI), und plasmatische Gerinnung (venöser Thrombus bei VHF, TVT, PE).

Arterielle Thromben bilden sich an Rupturstellen von arteriosklerotischen Plaques, wo thrombogenes Material aus dem Plaque-Kern mit dem Blut in Berührung kommt, und eine Thrombozytenaggregation zur Folge hat.
Die hohen Scherkräfte in den Arterien induzieren den Adhäsionsmechanismus und verstärken damit die Plättchenanheftung.
Venöse Thromben entstehen  üblicherweise durch Stase in den Venenklappen oder im VH bei VHF mit Freisetzung des tissue factors.
Durch den verminderten Abfluss werden Gerinnungsfaktoren nur unzureichend entfernt und abgebaut, sodass der Thrombus immer weiter wächst. -->



<!--
## Therapien der wichtigsten hämatologischen Erkrankungen

### Phlebothrombose (= Venenthrombose)

Darunter versteht man eine teilweise oder vollständige Verstopfung der tiefen Beinvenen mit insbesondere der Gefahr einer Lungenembolie.

Die Ursachen einer Thrombose kann man in drei Unterkategorien einteilen:

- Schäden der Gefäßwand – z.B. durch Verletzungen, degenerative
  Veränderungen, Diabetes mellitus
- Herabsetzung der Strömungsgeschwindigkeit – z.B. durch
  Immobilisation, Krampfadern
- Änderung der Blutzusammensetzung – z.B. durch Gerinnungsstörungen,
  Schwangerschaft

Weiters gibt es einige Risikofaktoren wie orale Kontrazeptiva („Pille“),
Übergewicht und Austrocknung (Exsikkose).

Bei den Symptomen kann man meist eine Kombination aus drei unterschiedlichen Merkmalen erkennen (Virchow’sche Trias):

- Schwellung und Wärme
- gerötete und gespannte Haut, eventuell bläulich
- Spannungsgefühl und Schmerzen der Extremität, die sich bei
  Hochlagerung bessern.

Therapie:

- sofortige Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin
- Sekundärprophylaxe mit Vitamin-K-Antagonisten
- Kompressionstherapie, Mobilisation

Wichtg ist die Prophylaxe bevor es überhaupt zu dieser Erkrankung kommen kann. Deswegen wird bei Operationen, Bettlägrigkeit, sonstiger Immobilisation ein niedermolekulares Heparin s.c. verabreicht.

### Lungenembolie

Wenn nicht-ortständiges Material in die Lunge eingeschwemmt wird spricht man von einer Lungenembolie. Das eingeschwemmte Material kann ein Thrombus, Fett, Luft oder Fruchtwasser sein. Thrombembolien sind die häufigsten.

Die Schwere dieser Erkrankung darf nicht unterschätzt werden -
unbehandelt kann sie bis zum Tod führen.

Therapie:

- Immobilisation mit Sauerstoff-Gabe
- Antikoagulation mit Heparin
- je nach Schwere der Lungenembolie kommt auch eine Fibrinolyse in
  Frage.

### Durchblutungsstörungen - periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

Hier kommt es zu einer Durchblutungsbehinderung der Extremitäten durch Arteriosklerose. Diese Patienten haben meist zusätzlich auch eine KHK.
Leitsyndrom ist der Extremitäten-Schmerz.

Die PAVK wird nach Fontane in folgende Stadien eingeteilt:

Tab. 3 Stadien nach Fontane

```{eval-rst}
+-----+------------------------------+---------------------------+
| I   | beschwerdefrei               |                           |
+-----+------------------------------+---------------------------+
| II  |                              | Claudication intermittens |
+-----+------------------------------+---------------------------+
| IIa | > 200m Gehstrecke            |                           |
+-----+------------------------------+---------------------------+
| IIb | < 200m Gehstrecke            |                           |
+-----+------------------------------+---------------------------+
| III | Ruheschmerz                  |                           |
+-----+------------------------------+---------------------------+
| IV  | Gewebedefekt: Nekrosen,      |                           |
|     | Ulzerationen, Gangrän        |                           |
+-----+------------------------------+---------------------------+
```

Je nach Stadium wird eine andere Therapieeingesetzt:

Tab. 4 Therapie

```{eval-rst}
+-----+---------------------------------------------------------------+
| I   | Thrombozytenaggregationshemmer                                |
+-----+---------------------------------------------------------------+
| II  | Thrombozytenaggregationshemmer, Naftidrofuryl, Thrombolyse,   |
|     | PTA, operative Revaskularisation, Bewegungstherapie           |
+-----+---------------------------------------------------------------+
| III | Thrombozytenaggregationshemmer, Alpostradil, Thrombolyse,     |
|     | PTA, operative Revaskularisation                              |
+-----+---------------------------------------------------------------+
| IV  | Thrombozytenaggregationshemmer, Alpostradil, Thrombolyse,     |
|     | PTA, operative Revaskularisation                              |
+-----+---------------------------------------------------------------+
```

Wichtig für alle Stadien ist außerdem die Therapie der Risikofaktoren wie z.B. Rauchen.

## Anämien

Unter einer Anämie versteht man eine Verminderung des Hämoglobins, des Hämatokrits und der Erythrozytenzahl im Blut. Dies geht mit einer verminderten Sauerstofftransportkapazität des Blutes einher.

### Eisenmangelanämie:

Wird meist verursacht durch Blutungen, erhöhten Eisenbedarf, verminderte Eisen-Zufuhr oder einer Resorptionsstörung. Therapiert wird diese Anämieform durch Eisengabe.

⚠Zur Diagnose von Blutverlust im Gastrointestinal-Trakt wir der Haemocult®-Test verwendet. Eine Schwarzfärbung des Stuhles (ohne Zusammenhang mit einer Eisengabe bzw. mit dem Verzehr von z.B. roten Rüben) ist ein sicherer Hinweis für Blut im Stuhl.

⚠Die Eisengabe sollte äußerst langsam erfolgen, so kann man die unerwünschten Begleiterscheinungen mildern.

### megaloblastäre Anämie:

Hier kann man zwei Ursachen unterscheiden - einen Vitamin B12-Mangel
(verursacht durch Gastrektomie (Magenentfernung), perniziösen Anämie, Malassimilation) und einen Folsäuremangel (verursacht durch Mangelernährung bzw. erhöhten Bedarf).

Die Therapie besteht bei Vitamin B12-Mangel in der Gabe von Hydroxycobalamin (Vitamin B12) und bei Folsäuremangel in der Gabe von Folsäure.

### renale Anämie:

Wird hauptsächlich durch den Erythropoeitinmangel bei chronischer Niereninsuffizienz verursacht.

Daher wird diese Erkrankung auch durch Erythropoeitin-Gabe behandelt.
 -->
