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status: final
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:::{index} single: Blutdruck; systolischer; Messung
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:::{index} single: Blutdruck; diastolischer; Messung
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(blutdruckmessung)=
(NIBP)=
(NIBD)=

# Nicht-invasive Messung des Blutdrucks

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:::{margin} Nicht-invasive Blutdruckmessung
- Druck in den Arterien

  - Systolischer Wert (Auswurfphase des Herzens)
  - Diastolischer Wert (Entspannungsphase des Herzens)

- Einheit: Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg)
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Der Blutdruck ist jener Druck, welcher in unseren Blutgefäßen herrscht.
Wenn wir vom *"Blutdruck"* sprechen beziehen wir uns auf den Blutdruck in den {ref}`Arterien <Arterie>`.
Er gehört, in Kombination mit der Herzfrequenz, zu den grundlegenden Vitalwerten.

*Der Druck in der Arterie schwankt in Abhängigkeit zum Herzauswurf*:
Wenn das Herz Blut auswirft (*Auswurfphase* {index}` <Auswurfphase; Blutdruckmessung>`, *Systole)*
{index}` <Systole; Blutdruckmessung>` erreicht er sein Maximum, und sinkt danach in der *Füllungsphase*
{index}` <Füllungsphase; Blutdruckmessung>` des Herzens (*Diastole)*
{index}` <Diastole; Blutdruckmessung>`
wieder ab, bis das Herz neuerlich Blut auswirft.
Dementsprechend können zwei Werte erhoben werden:
Der

- **Systolische** Blutdruck (Spitzendruck), und der
- **Diastolische** Blutdruck (Minimaldruck).

Im Normalfall werden beide Werte ermittelt.
Die *Einheit*, in der der Blutdruck angegeben wird, ist *Millimeter Quecksilbersäule* (*mm Hg*, Hg ist das chemische Symbol für Quecksilber).

Siehe auch {ref}`Systole, Diastole, mechanische Herzfunktion <mechanische-herzfunktion>`, und {ref}`Blutdruck <blutdruck>`.

Der "Nicht-invasive Blutdruck" wird auf manchen Überwachungsmonitoren mit *NIBD* oder *NIBP* (*engl.* Non-Invasive Blood Pressure) abgekürzt.

## Arten der Blutdruckmessung

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:::{margin} Blutdruck, Messarten
- Unblutige, indirekte Messung

  - Mechanische Messung
  - Elektronische Messung

- Invasive Messung
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Der Blutdruck kann auf verschiedene Arten gemessen werden.
Üblich ist die unblutige, *indirekte Methode*, mittels einer an der Extremität angelegten Druckmanschette [^footnote-1]. Dazu gibt es unterschiedliche Messgeräte, grundsätzlich unterscheidet man zwischen elektronischen und rein mechanischen Messgeräten.

[^footnote-1]: Mittels einer Druckmanschette wird gemessen, bei welchem Druck ein mit einem Stethoskop hörbarer, durch Pulstasten fühlbarer oder durch sonstige technische Hilfsmittel messbarer Blutfluss stattfindet. Dies erlaubt Rückschlüsse auf den Druck im Blutgefäß.

*Elektronische Messgeräte* werden oft von Patienten zur Selbstkontrolle des Blutdrucks verwendet.
Diese Geräte sind jedoch vergleichsweise fehleranfällig und sind für einen professionellen Einsatz nicht geeignet.

Für den professionellen Einsatz gibt es spezielle elektronische Blutdruckmessgeräte, welche zum Beispiel in Überwachungsmonitoren zum Einsatz kommen.
Allerdings sind auch diese Geräte mitunter fehleranfällig, wenn die Messbedingungen nicht optimal (z. B. bei Erschütterungen) sind.

In der Praxis wird die Blutdruckmessung mit *mechanischen Messgeräten* durchgeführt.
Dabei wird eine aufblasbare Manschette mit angeschlossenem Dosenmanometer und Pumpballen mit einem Ablassventil benötigt.
Im Idealfall wird auch noch ein Stethoskop verwendet.

## Manuelle Blutdruckmessgeräte

Ein manuelles Blutdruckmessgerät besteht aus einer Manschette, einem Schlauch, einem Auslassventil, einem Pumpballen und einer Druckanzeige.
Es gibt Manschetten in unterschiedlichen Größen.

:::{figure} ../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/Pallinger-Christoph/Blutdruck_32768_cropped.001024.jpg

Blutdruckmanschetten mit Hak- und Klettverschluss, sowie einem Doppel- und einem Einzelkopfstethoskop

© Ch. Pallinger  {term}`ℓ MfG`
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(stethoskop)=

## Exkurs: Stethoskop

Ein Stethoskop ist eine Hörvorrichtung.
Es besteht patientenseitig aus einem Kopf mit einer Membran oder einem Trichter, einem Schlauch und untersucherseitig aus einem Bügel mit zwei Oliven ("Ohrenstöpsel").
Die Oliven sollen *nach vorne* gerichtet sein, da auch der äußere Gehörgang nach vorne verläuft.

Manche Typen verfügen über einen zweiseitigen Kopf.
Meistens haben sie sowohl eine Membran, als auch einen Schalltrichter.  [^footnote-2]
Durch Drehen am Kopf kann man die gewünschte Seite einstellen.

[^footnote-2]: Der Unterschied besteht in einer unterschiedlichen Verstärkung von hohen oder tiefen Frequenzen, was für den fortgeschrittenen Anwender  beim Abhören von Herz oder Lunge eine Rolle spielt. Teurere Modelle verfügen mitunter über eine Dual-Frequency-Membran, mit welcher man durch den Auflegedruck wahlweise hohe oder tiefe Frequenzen verstärken kann.

```{rubric} Funktionsprüfung
```

Vor der Verwendung muss mittels Beklopfen der Membran oder des Schalltrichters geprüft werden, ob der Kopf des Stethoskops auf die gewünschte Seite eingestellt ist und ob die Schallleitung funktioniert.

```{rubric} Hygienische Wiederaufbereitung,
```

Das Stethoskop ist ein häufiges Vehikel zur Keimübertragung.
Nach jedem Patienten soll eine Wischdesinfektion mit Flächendesinfektionsmittel vorgenommen werden.

(rr-messung)=

## Blutdruckmessung nach Riva-Rocci

Die {dfn}`Blutdruckmessung nach Riva-Rocci`[^footnote-3] ist eine indirekte, unblutige, mechanische Messung mittels einer Druckmanschette.\*\* Umgangssprachlich wird die Blutdruckmessung nach Riva-Rocci als *"RR-Messung"*, bzw. der ermittelte Wert als *"RR"* abgekürzt.

[^footnote-3]: Benannt nach dem Erfinder Scipione Riva-Rocci.

Bei der RR-Messung gibt es zwei Möglichkeiten zu einem Wert zu kommen.
Die genauere ist die *auskultatorische Methode* (durch Hören von Strömungsgeräuschen).
Die zweite Möglichkeit ist die *palpatorische Methode* (durch Tasten des Pulses).

:::{attention}
Der *diastolische* Blutdruckwert kann nur bei der *auskultatorischen* Methode ermittelt werden!
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### Auskultatorische Methode


:::{margin} Auskultatorische Methode
1. Manschette faltenfrei auf Herzhöhe anlegen
2. Luftkissen mittig über Oberarmarterie (Markierungspfeil!)
3. Radialispuls tasten
4. Manschette aufpumpen bis Radialispuls nicht mehr
   tastbar ist + 20-30 mm Hg
5. Stethoskop über Oberarmarterie anlegen
6. Druck langsam ablassen
7. Erstes Pochen: systolischer Wert
8. Letztes Pochen: diastolischer Wert
9. Werte auf nächste 5er-Stelle abrunden
:::

Die Manschette sollte faltenfrei und nicht über Kleidung, in der Mitte des Oberarms angelegt werden und sich, wenn möglich, auf *Herzhöhe* befinden.[^footnote-4]
Die Mitte der Luftkammer soll über der Oberarmarterie zu liegen kommen.
Manche Manschetten haben einen Markierungspfeil für die Oberarmarterie, der Pfeil soll dann oberhalb dieser zu liegen kommen.
Man achte auf die Lage der Innen- bzw. Außenseite!

[^footnote-4]: Wenn die Manschette nicht auf Herzhöhe liegt, wird ein zu hoher oder
    zu niedriger Druck gemessen.

Nun wird der Puls an der Radialarterie (A. radialis) getastet.
Die Manschette wird solange aufgepumpt, bis der Puls nicht mehr getastet werden kann.
Dann werden noch 20-30 mm Hg weiter aufgepumpt.
Das Stethoskop wird in der Ellenbeuge auf die Oberarmarterie (A. brachialis, Verlauf an der Innenseite der Ellenbeuge) angelegt.
Die Luft wird langsam aus der Manschette abgelassen.

Der Wert, bei dem man erstmalig ein Pochen (Korotkowsche Geräusche) hört, gilt als *systolischer Wert*.
Die Luft wird weiter abgelassen.
Der Wert, bei dem das Pochen verschwindet, ist der *diastolische Wert*.
Es kann vorkommen, dass das Pochen nicht verschwindet, sondern nur plötzlich leiser wird, dann gilt der Druck, bei dem das Pochen *deutlich* leiser wird, als diastolischer Wert.

Dokumentiert wird der Blutdruck mit dem Zusatz *RR* (z. B.: `RR 120/80 mm Hg`).
Der Normalwert beim Erwachsenen liegt in etwa bei RR 130/80 (vgl. {ref}`blutdruck`).

:::{figure} ../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/Hirtler-Lena/Riva-Rocci_edited.\*

Prinzip der auskultatorischen RR-Messung

In Abhängigkeit vom außen anliegenden Manschettendruck kommt es zu einem unterschiedlich starken Blutfluss und dadurch entstehenden, hörbaren, Strömungsgeräuschen.

© Lena Hirtler, {term}`ℓ MfG`
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### Palpatorische Methode


:::{margin} Palpatorische Methode
1. Manschette faltenfrei auf Herzhöhe anlegen
2. Luftkissen mittig über Oberarmarterie (Markierungspfeil!) beachten
3. Radialispuls tasten
4. Manschette aufpumpen bis Radialispuls
   nicht mehr tastbar ist + 20—30 mm Hg
5. Druck langsam ablassen
6. Radialispuls wieder fühlbar: systolischer Wert
7. *Kein* *diastolischer* Wert!
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Die Manschette sollte faltenfrei und nicht über Kleidung, in der Mitte des Oberarms angelegt werden und sich, wenn möglich, auf *Herzhöhe* befinden [^footnote-5]. Nun wird der Puls an der Radialarterie (A. radialis) ertastet.
Die Manschette wird solange aufgepumpt, bis der Puls nicht mehr getastet werden kann, dann wird der Druck um weitere 20 mm Hg erhöht.
Die Finger bleiben auf der Radialarterie (A. radialis).
Die Luft wird langsam aus der Manschette abgelassen.
Der Druck, bei dem der Puls wieder fühlbar ist, ist der *systolische* Wert. *Der diastolische Wert kann mit dieser Methode \*nicht* ermittelt werden!\*

[^footnote-5]: Wenn die Manschette nicht auf Herzhöhe liegt wird ein zu hoher oder
    zu niedriger Druck gemessen.

## Was ist besonders zu beachten?

::::{only} not nosidebar

:::{margin} Beachte:
*Nicht* auf Seite eines/r …

> 1. *Shuntarmes*
> 2. Armödems
> 3. Halbseitenschwäche/-lähmung
> 4. einer Verletzung
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::::

Die Blutdruckmanschette soll nach Möglichkeit *nicht* auf der Seite …

1. eines *Shuntarmes* [^footnote-6] bei Dialysepatienten
2. eines Armödems, z. B. nach einer Brustamputation, oder
3. einer Halbseitenschwäche oder -lähmung
4. einer Verletzung

angelegt werden.
Idealerweise sollte die Manschette auch nicht an einer Extremität mit einem venösen Zugang angelegt werden.

[^footnote-6]: Ein (Dialyse-)\*Shunt\* ist ein künstlicher Kurzschluss zwischen einer Armarterie und einer Armvene. Dadurch wird die Vene erweitert und sie pulsiert. Man kann viel mehr Durchfluss für die Dialyse erreichen. Die Nahtstelle zwischen Vene und Arterie ist jedoch sehr sensibel. Wenn gestaut wird, kann sie aufplatzen → Gefahr einer massiven Shuntblutung.

:::{attention}
Shunt-Arme sind tabu für die Blutdruckmessung!
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