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status: final
changelog:
    erstellt:
        -   2026-07-07
        -   GaSe
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:::{index} single: Auflichtmikroskopie
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:::{index} single: Mikrozirkulation; Auflichtmikroskopie
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(auflichtmikroskopie)=

# Auflichtmikroskopie

Die *Auflichtmikroskopie* ermöglicht die direkte Darstellung der {emph}`Mikrozirkulation` und erlaubt damit eine Beurteilung der tatsächlichen Gewebeperfusion auf Kapillarebene ({term}`🗎 Ince 2005`, {term}`🗎 Vincent 2009`, {term}`🗎 Taccone 2010`).
Im Gegensatz zu hämodynamischen Parametern wie Blutdruck oder Herzzeitvolumen, welche die *Makrozirkulation* beschreiben, können mit der Auflichtmikroskopie Perfusionsstörungen der *Mikrozirkulation* sichtbar gemacht werden, die trotz scheinbar stabiler Makrohämodynamik bestehen.
Insbesondere bei *septischem Schock* kann trotz normalisiertem Blutdruck und ausreichendem Herzzeitvolumen eine ausgeprägte mikrovaskuläre Perfusionsstörung bestehen (*Verlust der hämodynamischen Kohärenz*).
Die Auflichtmikroskopie verdeutlicht somit eindrucksvoll, dass eine Normalisierung makrohämodynamischer Parameter nicht zwangsläufig mit einer ausreichenden Organperfusion einhergeht.

Zum Einsatz kommen heute vor allem Verfahren des *Sidestream Dark Field Imaging* (SDF, {term}`🗎 Petersen 2014`) sowie des *Incident Dark Field Imaging* (IDF).
Hierbei wird grünes Licht verwendet, welches vom Hämoglobin der Erythrozyten absorbiert wird.
Dadurch erscheinen die Blutkörperchen als dunkle Strukturen innerhalb der kleinen Gefäße und können in Echtzeit beobachtet werden.


:::{figure} ../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/CC-BY-2.0/Sidestream_dark_field_image.jpg

 Blutgefäße, dargestellt mit sidestream dark field imaging

[© Fabio Silvio Taccone et al. in: {term}`🗎 Taccone 2010`, {term}`ℓ CC BY 2.0`]
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Die Untersuchung erfolgt meist {emph}`sublingual` da die Schleimhaut unter der Zunge leicht zugänglich ist und die dortige Mikrozirkulation häufig repräsentativ für die systemische Mikrozirkulation ist (Cave: Surrogatmarker!).

Die Interpretation erfolgt stets gemeinsam mit den klinischen Befunden sowie Parametern der Makrozirkulation.

Mit der Auflichtmikroskopie können unter anderem beurteilt werden:

-   Kapillardichte
-   Anteil perfundierter Gefäße
-   Flussgeschwindigkeit
-   Flussqualität (kontinuierlich, intermittierend oder fehlend)
-   Heterogenität der Gewebeperfusion


Die Auflichtmikroskopie besitzt derzeit vor allem {emph}`theoretisch-wissenschaftliche Bedeutung`.
Obwohl sie wertvolle Informationen über die Mikrozirkulation liefert, ist ihr routinemäßiger Einsatz im klinischen Alltag bislang aufgrund begrenzter Verfügbarkeit, *fehlender Standardisierung* und des hohen Untersucheraufwandes nur in spezialisierten Zentren etabliert.

