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status: final
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# Einsatztaktische Überlegungen bei verunfallten Patienten

{{ StandSanHilfe }}

## Unfallort

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:::{margin} Unfallort
- Absichern
- Evt. Nachalarmierung
- Triage
- Stabilisierung bei eingeklemmten Personen
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Bevor die Patientenversorgung beginnen kann, müssen am Unfallort einige Vorkehrungen für den weiteren Einsatzablauf getroffen werden.
Die wichtigsten Aufgaben sind:

- *Absichern* der Unfallstelle und Selbstschutz (Blaulicht, Warnblinkanlage, Uniformjacke anziehen, evtl. Helm aufsetzen)
- Evtl. Nachalarmierung weiterer Einsatzkräfte: weitere Rettungsmittel bei mehreren Verletzten, Feuerwehr, Polizei (Alarmierung ausschließlich über das Journal, Meldung der Anzahl an Verletzten)
- Bei mehreren Verletzten Triage ({ref}`triage`)
- Eingeklemmte Personen werden im Fahrzeug stabilisiert bis die Feuerwehr die Verunfallten rettet; Helme tragen!
- Crash-Rettung nur bei Fremdgefährdung, HWS stabilisieren!

## Unfallmechanismus

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:::{margin} Unfallmechanismus
- Was?
- Wie?
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Eine rasche, überblicksmäßige Beurteilung des Unfallgeschehens erfolgt bereits im Szenenüberblick bzw. indirekt in der Ersteinschätzung des Patienten.
Der Unfallmechanismus kann dabei wichtige Hinweise auf mögliche bzw. wahrscheinliche Verletzungen des Patienten geben.
Eine detaillierte Analyse des Unfallhergangs kann durch die Anamnese erfolgen.
Zusätzlich kann das Unfallszenario fotografiert werden.
Primär müssen folgende Fragen geklärt werden:

- *Was ist passiert?*
- *Wie wurde der Patient verletzt?*

Es ist sinnvoll, nach Möglichkeit den Unfallmechanismus mittels Fotos zu dokumentieren, um die Bilder der weiterbetreuenden Stelle zeigen zu können.
Dies kann helfen, um bei der klinischen Versorgung des Patienten Prioritäten besser setzen zu können.

### Besondere Unfallmechanismen

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:::{margin} Besondere Unfallmechanismen
- Verkehrsunfälle
- Unfälle mit Fahrzeugen
- Frontalzusammenstöße
- Seitenaufprall
- Fußgänger vs. Fahrzeug
- Sturz aus großer Höhe
- Stich- und Schussverletzungen
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Im Folgenden werden einige Kennzeichen der wichtigsten Unfallmechanismen vorgestellt.

- Verkehrsunfälle
- Unfälle mit Fahrzeugen
- Frontalzusammenstöße
- Seitenaufprall
- Fußgänger vs. Fahrzeug
- Sturz aus großer Höhe
- Stich- und Schussverletzungen

### Verkehrsunfälle

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:::{margin} Verkehrsunfälle
- Fahrzeug
- Teile im Fahrzeug
- Patient
- Verletzungsmuster
- Patient angegurtet?
- Airbags ausgelöst?
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Zur Beurteilung von Verletzungen durch Verkehrsunfälle werden in der Literatur drei Faktoren genannt:

- Ausmaß der Verformung des Fahrzeugs (Hinweis auf die beteiligten
  Kräfte)
- Beschädigung von Teilen in der Fahrzeugkabine (Hinweis für
  Aufschlagpunkt des Körpers im Fahrzeug)
- Verletzungsmuster des Patienten (Hinweis darauf, welche Körperteile
  direkt aufgeprallt sind)

Es gilt weiters heraus zu finden, ob der Patient angegurtet war und ob es Airbags gibt, die beim Aufprall ordnungsgemäß ausgelöst wurden.

### Unfälle mit Fahrzeugen

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:::{margin} Unfälle mit Fahrzeugen
- Geschwindigkeit: Je schneller das Fahrzeug unterwegs war, desto
  schwerer die Verletzungen.
- Aus dem Fahrzeug geschleudert: Risiko schwerer Verletzungen ↑↑↑
- Kraftübertragung:
- Aufprall des Fahrzeugs
- Aufprall des Körpers
- Aufprall der Organe
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Für Unfälle mit Fahrzeugen gilt allgemein, dass die Geschwindigkeit des Fahrzeugs vor dem Unfall eine große Auswirkung auf den Schweregrad des Unfalls und das Ausmaß der entstandenen Verletzungen hat.
Je schneller das Fahrzeug unterwegs war, desto schwerer kann die Verletzung sein.
Dabei steigt die Bewegungsenergie des Fahrzeugs mit dem Quadrat der Geschwindigkeit an.
Eine Verdoppelung der Geschwindigkeit hat daher eine Vervierfachung der Energie zur Folge, welche im Falle eines Unfalls frei wird und die Verformung verursacht.
Im Falle eines Unfalls (Aufprall auf ein Hindernis) überträgt sich die Richtung der Gewalteinwirkung direkt auf den Patienten.
Ein Frontalzusammenstoß führt somit dazu, dass der Patient von vorne verletzt wird, ein Seitenaufprall führt zu Verletzungen auf der jeweiligen Körperseite des Patienten.
Von besonders schweren Verletzungen (SHT, Wirbelsäulentrauma, Thoraxtrauma, Bauchtrauma, …) ist auszugehen, wenn der Patient aus dem Fahrzeug geschleudert wird.
Das Riskio für derart schwere Verletzungen ist um 300 % erhöht.

Gibt es bei einem Unfall mehrere Verletzte und ist ein Patient schwer verletzt, eingeklemmt oder sogar getötet, muss man davon ausgehen, dass auch die anderen Unfallopfer schwer verletzt sind.
Diese Annahme gilt, bis bei weiteren Untersuchungen (im Spital) das Gegenteil bewiesen wurde! Stellt sich also bei der Behandlung eines Patienten eine schwere Verletzung heraus, muss es zu einer neuen Lageeinschätzung kommen.

Bei der Beurteilung des Verletzungsmusters muss bedacht werden, dass es durch einen Zusammenstoß aufgrund der Kraftübertragung zu einer ganzen Kette an Stößen kommt:

- Kraftübertragung beim Aufprall des Fahrzeugs

- Kraftübertragung beim Aufprall des Körpers

- Kraftübertragung beim Aufprall der Organe innerhalb des Körpers.

  Beispiel für die Kraftübertragung innerhalb des Körpers: Prallt der
  Patient mit dem Knie gegen das Lenkrad oder das Amaturenbrett, so
  wird die Kraft (in Richtung der Gewalteinwirkung) über den
  Oberschenkel auch auf die Hüfte übertragen.
  Bei Knieverletzungen durch den Aufprall in einem Fahrzeug muss daher auch an mögliche
  Oberschenkel- und Beckenfrakturen gedacht werden.

Weiters kann es zu Stößen durch im Fahrzeug herumfliegende Teile kommen.

### Frontal- und Heckzusammenstöße

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:::{margin} Frontal- und Heckzusammenstöße
- Kraft von vorne bei

  - Frontalzusammenstoß und
  - Heckaufprall

- Beachte:

  - Knieanstoß
  - Windschutzscheibe
  - Radstand
  - Fahrzeugverformung
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Bei Frontalzusammenstößen wird die Kraft von vorne auf das Unfallopfer übertragen.
Der Insasse wird aufgrund der Trägheit nach vorne geschleudert und schlägt daher u. U. auf das Lenkrad oder die Frontscheibe auf.
Im Allgemeinen gilt: War der Patient nicht angegurtet, ist mit schweren Verletzungen zu rechnen!
Aufgrund der Kraftrichtung von vorne sind folgende schwere Verletzungen typisch:
Thoraxtrauma mit Herzkontusion und Pneumothorax, HWS-Trauma, Leber- und Milzruptur, Beckenfraktur.

Ein Heckaufprall hat für den Patienten meistens die gleichen Folgen wie ein Frontalzusammenstoß.
In diesem Fall wird der Patient nicht aufgrund der Trägheit nach vorne geschleudert, sondern aufgrund der von hinten wirkenden Kraft.
Beim Heckaufprall kann es daher ebenso zu HWS-Trauma (Schleudertrauma) oder Thoraxtrauma (Brust wird gegen Lenkrad gedrückt) kommen.
Die von hinten auf den Patient einwirkende Kraft wird zu einem Großteil vom Sitz abgefedert.

Es gilt in beiden Fällen besonders zu beachten:

- Ein Knieanstoß am Lenkrad oder Armaturenbrett kann in der Folge zu
  Oberschenkel- und Beckenfrakturen führen.
- Eine eingedrückte, leicht nach außen gewölbte Windschutzscheibe
  (evtl. Spinnennetzmuster) deutet auf einen Aufprall des Kopfes gegen die Scheibe hin. SHT und HWS-Trauma sind zu befürchten.
- Sichtbare Veränderungen des Radstandes
  (z. B. Rad zur Seite geknickt, Achsenverschiebung um mehr als 30 cm am Unfallfahrzeug) spiegeln ein hohes Ausmaß an Verformung wieder.
  Es ist daher generell mit schweren Verletzungen zu rechnen.
- Faustregel: Fahrzeugverformung um mehr als 50 cm sind als starke
  Deformierung zu werten.

### Seitenaufprall

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:::{margin} Seitenaufprall
- Kraft von der Seite
- Beachte Kopf- und Seitenairbags
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Beim Seitenaufprall wirken die Kräfte seitlich auf den Patienten ein.
Es kommt daher häufig zu HWS-Verrenkungen, Thoraxtrauma, Verletzungen der Aorta, seitenabhängig Leber- oder Milzrupturen und/oder Frakturen des Beckens .
Wurden im Fahrzeug Seiten-
und Kopfairbags ausgelöst, ist zu beachten ob der Patient in diese (oder in die entgegengesetzte) Richtung geschleudert wurde.

### Fußgänger vs. Fahrzeug

Stellt man im Szeneüberblick fest, dass ein *Fußgänger von einem Fahrzeug (frontal) erfasst* wurde, ist zunächst immer von schweren Verletzungen (insbesondere SHT und Wirbelsäulentrauma) auszugehen.
In sind folgende Faustregeln angegeben:

- Bis 30 km / h: Lebensbedrohliche Verletzungen möglich
  (Eine Fahrzeuggeschwindigkeit von mehr als 30 km / h
  kann bei trockener Fahrbahn an Bremsspuren, die länger als
  10—20 m sind, erkannt werden.)
- Bis 50 km / h: Aufprall des Kopfes auf die Kühlerhaube
- Bis 70 km / h: Aufprall des Kopfes auf die
  Windschutzscheibe
- Mehr als 70 km / h: Fußgänger wird über das
  Fahrzeugdach geworfen (gilt für PKW)



## Sturz aus großer Höhe

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:::{margin} Sturz aus großer Höhe
- Fallhöhe
- zuerst aufprallender Körperteil
- Oberflächenbeschaffenheit des Bodens
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Bei Stürzen aus großen Höhen (z. B. Leiter, Gerüst, Balkon) ist im Szeneüberblick an folgende Fragestellungen zu denken:

- Aus welcher Höhe ist der Patient gestürzt?

  Ab einer Fallhöhe von 3 m ist mit schweren Verletzungen zu rechnen, ab
  einer Fallhöhe von *6 m* ist von einem *Polytrauma*
  ({ref}`polytrauma`) auszugehen .

- Mit welchem Körperteil ist er auf dem Boden aufgeprallt?

  Generell ist wieder mit SHT und Wirbelsäulentrauma zu rechnen. Bei
  einem Aufprall auf die gestreckten Beine ist zusätzlich an Frakturen
  der unteren Extremitäten (z. B. Fraktur der Fersenbeine) sowie an
  Stauchungen der Wirbelsäule zu denken. Kinder schlagen oft mit dem
  Kopf auf, weshalb hier SHT häufig anzutreffen sind.

- Wie ist der Boden beschaffen (Beton, Wiese etc.)?
  Ist der Patient auf
  herumliegende Gegenstände gefallen?

:::{attention}
- Rechne mit HWS-Trauma, Wirbelsäulentrauma, SHT, Beckenfraktur
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## Stich- und Schussverletzungen

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:::{margin} Stichverletzungen, Fremdkörper
- Können harmlos aussehen, aber trotzdem lebensbedrohlich sein!
- Fremdkörper nicht entfernen!
- Fremdkörper mittels Verband sichern!
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::::

Stich- bzw. Pfählungsverletzungen und Schussverletzungen werden zu *penetrierende Verletzungen* zusammen gefasst. [^footnote-1]

[^footnote-1]: lat. penetrare: eindringen, durchdringen.

Besonderheiten von Stichverletzungen sind, dass sie meistens unspektakulär aussehen.
Sie sind oft klein und nur schwach blutend.
Dennoch können sie im Körperinneren großen Schaden anrichten.
Um das Verletzungsausmaß von Stichwunden richtig beurteilen zu können, müssen folgende Aspekte beachtet werden:

- Welche Körperteile sind betroffen?
  (Welche Organe liegen direkt unter
  der Einstichstelle?)
- Gibt es mehrere Einstichstellen? Wie viele?
- Wie lang war die Klinge?
- Wie war der Einstichwinkel? (Welche Organe könnten noch betroffen
  sein?)
  Beispiel: Ein schräg in den Oberbauch eindringender Gegenstand kann
  auch Organe im Thorax verletzen!
- Wurde nach dem Einstich die Lage des Gegenstands im Körper verändert?

Die Besonderheit von Schussverletzungen ist, dass das Geschoss mit sehr großer Geschwindigkeit in den Körper eindringt.
Die dadurch entstehende Druckwelle verursacht schwere sekundäre Verletzungen.
Schussverletzungen sind in Österreich verhältnismäßig selten.

Im Körper steckende Messer, Stichwaffen und andere *Fremdkörper dürfen niemals präklinisch entfernt werden*! Eventuell verhindert ein noch steckender Fremdkörper gerade noch eine unkontrollierte Blutung.
Eine Entfernung darf daher erst unter kontrollierten Bedingungen *in einem Operationssaal* erfolgen.
Für den Transport muss man den *Fremdkörper mittels eines Verbandes sichern*, um ein Verrutschen und Folgeverletzungen zu verhindern.

:::{subfigure} AB|CC
:subcaptions: below
:name: Figure-BilderserieFremdkoerper
:class-grid: outline
:gap: 20px

Bilderserie: Fremdkörper

![Fixierung eines penetrierenden Fremdkörpers. \[© David Hauer, {term}`ℓ MfG`\]](../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/Hauer-David/fremdkoerper-stich-fixierung.\*)

![Stich mit einem Küchenmesser. Das Messer verbleibt im Körper …](../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/Gabriel-Sebastian/Wounds/fremdkoerper-stich-messer-01.\*)

![… bis in den Operationssaal.](../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/Gabriel-Sebastian/Wounds/fremdkoerper-stich-messer-02.\*)
:::


## Zusammenfassung

Aus allen einsatztaktischen Überlegungen ergibt sich ein Bündel an Erstmaßnahmen, welche bei Unfällen durchgeführt werden müssen.

(ty14101c)=
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## Maßnahmen: Unfälle

- Unfallstelle absichern!

- Szeneüberblick: Wie viele Verletzte? Unfallszenario?

- Ggf. weitere Einsatzkräfte nachfordern!

- Beurteilung des Unfallmechanismus:

  - Aus welcher Richtung hat die Kraft
    auf den Patienten eingewirkt?
  - Wie schnell war das Fahrzeug unterwegs?
    bzw. Aus welcher Höhe ist der Patient gefallen?
  - War der Patient angegurtet? Haben Airbags
    ausgelöst?
  - Welche besondere Verformungen sind am Fahrzeug
    sichtbar?
  - Wurde der Patient aus dem Fahrzeug geschleudert?
    bzw. Wurde ein Fußgänger erfasst?

- Bei Hospitalisation: Patient **nüchtern** lassen!
