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status:         final
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                -   "2026-11-01: Aust-Skriptum im Rahmen von #54 integriert; allgemeine anästhesiologische Besonderheiten der HNO- und MKG-Chirurgie sowie perioperative Sicherheitsaspekte überarbeitet (GABRIEL Sebastian)"
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{index} single: HNO; perioperative Versorgung
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:::{index} single: Anästhesie; Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
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(HNO-Anaesthesie)=

# Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Eingriffe im HNO- und Mund-Kiefer-Gesichtsbereich sind durch den gemeinsam von Anästhesie und Chirurgie genutzten Atemweg gekennzeichnet.
Anatomische Veränderungen, Blut und Sekret im Pharynx, eingeschränkter Zugang zum Kopf sowie postoperative Schwellungen oder Tamponaden können die Atemwegssicherung erschweren.
Eine sichere Tubusfixierung, Blutungs- und Aspirationsprophylaxe sowie eine gemeinsam geplante Strategie zur Extubation und postoperativen Überwachung sind besonders wichtig.





## Präoperative Beurteilung und allgemeine Maßnahmen

-   Atemweg einschließlich möglicher Tumorobstruktion, eingeschränkter Mundöffnung, vorangegangener Bestrahlung und anatomischer Veränderungen beurteilen
-   Aspirationsrisiko, Blutungsneigung, postoperative Atemwegsobstruktion und verfügbare Notfallzugänge berücksichtigen
-   Bei Kindern mit akutem Atemwegsinfekt das Risiko für Laryngospasmus, Bronchospasmus und Desaturation individuell bewerten.
    Fieber, produktiver Husten, eitrige Sekretion, reduzierter Allgemeinzustand oder Zeichen einer unteren Atemwegsinfektion sprechen bei elektiven Eingriffen für eine Verschiebung.
    Ein leichter isolierter Schnupfen ist keine automatische Kontraindikation.
-   Erhöhtes PONV-Risiko unter anderem bei Tonsillektomie, Innenohreingriffen, verschlucktem Blut und entsprechender individueller Risikokonstellation berücksichtigen; multimodale Prophylaxe risikoadaptiert planen
-   Bei Tumoren, früherer Radiotherapie, Abszessen oder Weichteilschwellung vorhandene HNO-Endoskopiebefunde einsehen und das Vorgehen zur erschwerten Atemwegssicherung im Team festlegen
-   Nach Umlagerung oder Einbringen eines Mundsperrers Atemwegssicherung, Beatmung und Tubuslage erneut kontrollieren
-   Bei lokal injizierten Vasokonstriktoren die kumulative Dosis, mögliche Blutdruckanstiege und Rhythmusstörungen berücksichtigen







:::{index} single: Larynxmikroskopie; Anästhesie
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:::{index} single: Jet-Ventilation; HNO
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## Larynxmikroskopie und Jet-Ventilation

Die Larynxmikroskopie erfordert einen gemeinsam genutzten und während der Operation häufig schwer zugänglichen Atemweg.
Je nach Befund sind ein kleinlumiger Endotrachealtubus, spezielle Beatmungssysteme oder Jet-Ventilation möglich.
Eine totalintravenöse Anästhesie (TIVA) ist insbesondere bei tubusfreien Verfahren gebräuchlich, jedoch keine universelle Pflicht.

Bei der Jet-Ventilation erfolgt die Gasapplikation über kurze Hochdruckimpulse; die Exspiration ist überwiegend passiv.
Die Einstellungen und die Frequenz hängen vom System und dem gewählten Verfahren ab; eine fixe Frequenz von 600 / min oder ein fixer Betriebsdruck sind keine allgemeingültige Empfehlung.

Risiken
:   -   Ungenügende Oxygenierung oder CO₂-Elimination
    -   Barotrauma insbesondere bei behindertem exspiratorischem Gasabfluss
    -   Atemwegsbrand bei gleichzeitigem Lasereinsatz
    -   Erschwerte Atemwegssicherung bei plötzlicher Blutung oder Obstruktion





:::{index} single: Laserchirurgie; Atemwegsbrand
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:::{index} single: Atemwegsbrand; Prävention
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## Laserchirurgie im Atemwegsbereich

Bei Laserchirurgie im Bereich von Mundhöhle, Pharynx und Larynx besteht durch die Nähe von Zündquelle, Sauerstoff und brennbaren Materialien ein besonderes Brandrisiko.
Die Maßnahmen zur Brandvermeidung müssen vor dem Eingriff zwischen Anästhesie und Chirurgie abgestimmt werden.

Prävention
:   -   Für den eingesetzten Laser geeignetes, laserresistentes Atemwegsmaterial nach Herstellervorgaben verwenden; konventionelle Tuben bieten keinen verlässlichen Schutz
    -   Inspiratorische Sauerstoffkonzentration auf den niedrigsten klinisch vertretbaren Wert senken und Lachgas vermeiden
    -   Entflammbare Materialien aus dem Operationsfeld entfernen oder mit feuchten Abdeckungen schützen
    -   Geeignete Löschflüssigkeit unmittelbar verfügbar halten und Aktivierung des Lasers mit der Beatmung koordinieren


Vorgehen bei Atemwegsbrand
:   1.  Laseranwendung und Zufuhr von Atemgasen sofort beenden
    2.  Brennenden Tubus beziehungsweise brennendes Atemwegsmaterial unverzüglich entfernen
    3.  Restliche Flammen mit Wasser oder Kochsalzlösung löschen
    4.  Ventilation und Oxygenierung wiederherstellen sowie Atemweg endoskopisch auf Verletzungen oder Fremdkörperreste untersuchen








:::{index} single: Kopf-Hals-Tumoren; perioperative Versorgung
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## Kopf-Hals-Tumoren

Komplexe Gesichtsschädelfrakturen, Raumforderungen im Mundboden und an der Zunge sowie vorausgegangene Operationen oder Bestrahlungen können die Atemwegssicherung deutlich erschweren.
Bei kritischem Atemwegsbefund ist eine geplante wache Intubation oder eine chirurgische Atemwegssicherung zu erwägen.
Eine mögliche Tracheotomie und das Vorgehen bei fehlgeschlagener Intubation müssen vor Einleitung abgestimmt sein.

-   Sichere Tubuslage und Fixierung bei eingeschränktem Zugang zum Kopf während des Eingriffs gewährleisten
-   Blut und Sekret im Atemweg, Weichteilschwellung und postoperative Obstruktion antizipieren
-   Bei ausgedehnter Tumorchirurgie Begleiterkrankungen durch Tabak- und Alkoholkonsum sowie mögliche Mangelernährung berücksichtigen
-   Bei Tumorresektion mit freiem Lappentransfer Monitoring, Volumen- und Kreislauftherapie sowie postoperative Überwachung auf die Perfusion der mikrovaskulären Anastomose abstimmen
-   Postoperatives Atemwegsmanagement, Tracheostoma, Analgesie, Ernährung und gegebenenfalls intensivmedizinische Betreuung interdisziplinär planen
