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:::{index} single: Delir
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(thema-delir)=

# Delir auf der Intensivstion

Synonyme: Durchgangssyndrom, Hirnorganisches Psychosyndrom

- „De lira ire": "aus der Spur geraten“
- „delirare": "wahnsinnig sein“

Das Delir ist häufig: Bis 2/3 der nicht beatmeten IntensivpatientInnen zeigen Formen eines Delir, bei beatmete PatientInnen trit dies noch noch häufiger auf (ca 80 %).
Es verlängert den Intensivaufenthalt, verschlechtert die Prognose und vermindert die Lebensqualität nach Entlassung. {term}`🗎 Davydow 2009a` {term}`🗎 Davydow 2009b` {term}`🗎 Davydow 2009c` {term}`🗎 Davydow 2009d` {term}`🗎 Davydow 2010`

<!-- Die Punktprävalenz klinisch signifikanter Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung lag zwischen 10 % und 28 %.
Die Punktprävalenz klinisch signifikanter depressiver Symptome lag zwischen 7 % und 28 %.
Vorerkrankungen, psychiatrische und/oder Entwicklungsprobleme und elterliche Psychopathologie waren mit der Anfälligkeit für psychiatrische Morbidität verbunden.
Weder das Alter noch das Geschlecht eines Kindes erhöhten durchgängig die Anfälligkeit für Psychopathologie nach der Erkrankung.
In einigen, aber nicht allen Studien waren die Exposition gegenüber einem erhöhten Schweregrad medizinischer Erkrankungen und Merkmale der Leistungserbringung auf der pädiatrischen Intensivstation (z. B. invasive Eingriffe) Prädiktoren für psychiatrische Erkrankungen.
Frühe psychiatrische Symptome nach der Krankheit waren Prädiktoren für spätere psychiatrische Morbidität.
Psychiatrische Morbidität scheint ein erhebliches Problem für pädiatrische Überlebende einer kritischen Krankheit zu sein.
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(AASD-KP-Delir)=

## Definition, Symptome, Delir -Formen

Grundsätzlich muss man zwischen einem **hyperaktivem** und einem **hypoaktivem** Delir unterscheiden:

Hyperaktives Delir
: „typisches Delir“:
  Unruhe, Nesteln, Stereotypien, Fluchtäquivalente

  Sympathotonus ↑ (Tachykardie, Hypertonie, Tremor, Schwitzen)

  Reagieren sehr empfindlich auf ihre Umgebung, häufig aggressiv

Hypoaktives („stilles“) Delir:

: häufiger!

  Antriebslosigkeit, Verlangsamung, Vigilanzminderung, wenig vegetative Zeichen

**Mischformen** bzw. Änderungen im Tagesverlauf sind häufig!

:::{danger}
Durch die unterschiedlichen Manifestationen ist das Delir schwer zu diagnostiziern und leicht zu übersehen!
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Optimal ist daher ein **regelmässiges Delir-Sreening**.

(AASD-KP-Delir-Faktoren)=

## Risikofaktoren

- Alter
- kognitive Defizite
- ICU-Beh
- Depressionen
- Substanzmissbrauch
- Erkrankung, Schmerzen
- Polypharmazie
- Benzos
- Affektive Morbidität
- Depressive Störungen

## Ursachen

- *Prädisposition:* Alter, Alkoholismus, Hör- und Sehbehinderung, vorbestehende (unerkannte) Demenz, cardiovaskuläre Erkrankungen , Diabetes, (Psycho)pharmaka , Anämie…
- *Erkrankung:* SHT, Hypoxie z.B bei CPR, Infektionen, Schmerz, Blutverlust, Hypotension, Infektionen, Elektrolyt – und Blutzuckerentgleisungen….
- *Therapeutische Maßnahmen*: Analgosedierung insbesondere Benzodiazepine, Beatmung, Bluttransfusionen, Dauerkatheter, Einzelzimmer, fremde Umgebung, kein Tag/Nachtrhythmus, Alarme…

:::{note}
Somit ist so ziemlich alles, was auf einer Intensivstation passiert, ein Risikofaktor für ein Delir.
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## Diagnose

### Screening


- *Bewusstseinsstörung:* Klarheit der Umgebungswahrnehmung ↓
- *Störung des* Kurzzeit- und mittelfristigen *Gedächtnisses* bei relativ intaktem Langzeitgedächtnis
- *Desorientierung:* vor allem zeitlich und örtlich, zur Person bleiben die PatientInnen oft länger orientiert.
- *Psychomotorik:* rascher, nicht vorhersehbarer Wechsel zwischen Hyper- und Hypoaktivität
- *Störung des Schlaf/Wachrhythmus,* nächtliche Verschlechterung der Symptome
- Plötzlicher Beginn, Tagesschwankungen des Symptomverlaufs



### Confusion Assessement Method (CAM)


:::{raw} latex
\begin{minipage}{\linewidth+\marginparwidth+\marginparsep}
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:::{figure} ../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/CC-BY-SA-4.0/Flowchart_CAM-ICU_in_German.001341px.png

CAM-ICU-Schema zur Früherkennung eines Delir

 \[© [Lars Hgb](https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=User:Larshgb&action=edit&redlink=1), {term}`ℓ CC-BY-SA 4.0`\]
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:::{raw} latex
\end{minipage}
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(delir-prophylaxe)=
(AASD-KP-delir-prophylaxe)=
(AASD-KP-delir-therapie)=
(Q-AASD23005)=
(Q-AASD23006)=

## Therapie und Prophylaxe

- medizinische Behandlung der Ursachen
- Perioperative Optimierung:
  - Ausreichende Schmerztherapie,
  - Kreislaufunterstützung,
  - Oxygenierung,
  - Infektbehandlung,
  - Korrektur von Elektolytentgleisungen (Na)

Viele intensivmedizisch-therapeutische Handlungen können aber potentiell auch ein Delir begünstigen!
Grundsätzlich gibt es keine pharmakologische Prophylaxe des Delirs, ausgenommen hiervon ist jedoch das *Alkoholentzugsdelir*.

**Prophylaktische** Maßnahmen (arbeitsintensiv, v. a fürs Pflegepersonal) sind gleichzeitig auch therapeutische Maßnahmen:

- **Kommunikation**: Brille, Hörgerät, Kommunikationshilfen (Zeigetafeln)
- Keine Maßnahmen ohne **Kontaktaufnahme** und angepasster Aufklärung!
- **Orientierungshilfen**: Uhr, Kalender
- Strukturierter Tagesablauf mit Einhalten des Tag-Nachtrhythmus
- Vermeidung unnötigen Lärms: laute Gespräche, Alarme
- Feste **Bezugspersonen**, Familie einbinden
- Keine Fixierung
- **frühestmögliche Mobilisierung** (auch unter Beatmung)

(Q-AASD23006-2)=

### Pharmakotherapie

Es gibt **keine medikamentöse** Therapie des Delirs an sich, lediglich Symptomkontrolle (z. B. bei Selbstgefährdung als Akutmaßnahme).

:::{list-table} Therapieoptionen
:header-rows: 1

* - Situation
  - Optionen
* - **Hypodynames Delir**
  - **SSRI** (selektiver Serotonin-Reuptake-Hemmer): antriebssteigernd

    Z. B. Citalopram (Seropram™)

* - **Alkoholentzugsdelir**, hyperaktives Delir
  - Benzodiazepine:
    - Oxazepam (Anxiolit™, Praxiten™) p.o. (beim Alkoholentzugsdelir auch als Prophylaxe!),
      % Q-AASD23006
    - Midazolam (Dormicum™) iv

    Ansonsten gilt:
    Benzodiazepine sind insbesondere bei älteren PatientInnen selbst  delir-auslösend und daher zu vermeiden.
    **Paradoxe Reaktionen** sind häufig!
* - **Sympathotonus ↑**
  - **α₂-Agonisten**:
    - Clonidin
    - Dexmedetomidin (Dexdor™)

* - **Produktiv-psychotischen Symptomen**:
  - - **Neuroleptika** (z. B. **Haloperidol**): Nicht atemdepressiv, aber fördert Akinesien und verlängert die QT-Zeit

      Neuere „atypische“ Neuroleptika wie **Risperdon** (Risperdal™) oder **Quetiapin** (Seroquel™) haben weniger extrapyramidalmotor. Nebenwirkungen, dafür mehr QT-Verlängerung

    - **Propofol** (keine Therapie des Delirs selbst) um eine akut gefährliche Situation zu entschärfen und die Zeit zu überbrücken, bis andere therapeutische Maßnahmen greifen
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(AASD-KP-Auswirkungen)=

## Prognose

Häufig Fälle von *inkompletter* Remission Es können sich dauerhafte, persistierende post-OP kognitive Dysfunktionen einstellen.
{term}`🗎 Davydow 2009a` {term}`🗎 Davydow 2009b` {term}`🗎 Davydow 2009c` {term}`🗎 Davydow 2009d`

## Videos zum Thema

- <https://www.youtube.com/watch?v=VNqq2LID7Mo>
- <https://www.youtube.com/watch?v=XegW_WfvzoY>
- <https://www.youtube.com/watch?v=yEwBzKTbJEk>
