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maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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(acetazolamid)=

# Acetazolamid


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten, Markennamen
:   Diamox™ 250 mg Tabletten; 500 mg Injektionspräparat (Verfügbarkeit und Fachinformation gesondert prüfen)

Acetazolamid ist ein *Carboanhydrasehemmer* aus der Gruppe der **Sulfonamide**.
Es vermindert die tubuläre Rückresorption von Hydrogencarbonat und fördert die Ausscheidung von HCO₃⁻, Natrium, Kalium und Wasser.

Wirkung
:   -   Diurese und Natriurese
    -   Verminderung des Augeninnendrucks
    -   Verminderung der Liquorproduktion
    -   Antikonvulsive Wirkung
    -   Förderung einer metabolischen Azidose

Indikationen
:   -   Glaukom und intraokuläre Hypertension
    -   Ödeme bzw. Flüssigkeitsretention, auch in Kombination mit anderen Diuretika
    -   Akute dekompensierte Herzinsuffizienz[^Mullens] {term}`🗎 Mullens 2022`
    -   Epilepsie als Zusatztherapie
    -   Höhenkrankheit (Zulassungsstatus präparatespezifisch prüfen)
    -   Idiopathische intrakranielle Hypertension (Zulassungsstatus präparatespezifisch prüfen)


[^Mullens]:
    Bei akuter dekompensierter Herzinsuffizienz mit Volumenüberladung verbesserte Acetazolamid 500 mg i.v. einmal täglich zusätzlich zu intravenösen Schleifendiuretika die frühe Entstauung.


Kontraindikationen
:   -   Hyperchlorämische Azidose
    -   Hypokaliämie, Hyponatriämie
    -   Nebennierenrindeninsuffizienz
    -   Schwere Niereninsuffizienz
    -   Schwere Lebererkrankung, insbesondere Leberzirrhose (hepatische Enzephalopathie)
    -   Sulfonamid-Überempfindlichkeit
    -   Langzeitbehandlung bei chronischem nicht-kongestivem Engwinkelglaukom

Dosierung
:   -   *Akutes Glaukom*:
        Initial 500 mg p.o., danach 125—250 mg alle 4 h.
        Alternativ initial 500 mg i.v., danach oral.
    -   *Glaukom, Langzeitbehandlung*:
        125—750 mg / d in geteilten Dosen; Titration nach Augeninnendruck.
    -   *Ödeme*:
        250 mg morgens für 2—3 d.
        Intermittierende Gabe (z. B. nach 2 Behandlungstagen 1 d Pause oder jeden zweiten Tag).
        Höhere Dosen steigern die Diurese nicht zuverlässig.
    -   *Epilepsie*:
        8—30 mg / kg / d in geteilten Dosen, meist 375—1000 mg / d.
    -   *Erwachsene, allgemein*:
        250—1000 mg / d in geteilten Dosen.
    -   *Kinder bis 12 Jahre*:
        8—30 mg / kg / d in geteilten Dosen; max. 750 mg / d
    -   *Ab 12 Jahren*:
        250 mg 2—4-mal täglich
    -   *Niereninsuffizienz*:
        Bei schwerer Nierenfunktionsstörung kontraindiziert.
    -   *Leberinsuffizienz*:
        Bei schwerer Lebererkrankung kontraindiziert.
    -   *Geriatrische Patienten*:
        Vorsicht bei Elektrolytstörungen, Harnabflussstörungen und eingeschränkter Organfunktion.

Nebenwirkungen
:   -   Metabolische Azidose, Hypokaliämie, Hyponatriämie
    -   Parästhesien, Fatigue, Schwindel, depressive Verstimmung
    -   Geschmacksstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Diarrhoe
    -   Nierensteine
    -   Anaphylaxie und schwere Hautreaktionen einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom
    -   Nach hoher i.v. Dosis möglicher initialer Blutdruckabfall
    -   Bei Hydrozephalus nach i.v. Gabe vorübergehende Hirndruckerhöhung[^Hydrozephalus]

[^Hydrozephalus]:
    Hirndruckerhöhung bei Hydrozephalus:
    Zerebrale Vasodilatation, da Acetazolamid die Carboanhydrase auch in den Erythrozyten und im Hirngewebe blockiert.
    Folge ist eine Akkumulation von CO₂ und einer Gewebeazidose.
    Da das Gehirn auf CO₂-Anstieg und Azidose mit einer maximalen Vasodilatation der Hirngefäße reagiert, steigt der CBF innerhalb von Minuten drastisch an.
    Es kommt zu einer Erhöhung des intrakraniellen Volumens bei erschöpfter Compliance.
    Bei gesunden Menschen kann der Schädelraum dieses zusätzliche Volumen kompensieren, bei Patienten mit einem Hydrozephalus oder gestörten Liquorabflusswegen sind die Reservekapazitäten jedoch weitgehend erschöpft, es kommt daher unmittelbar zu einem scharfen und raschen Anstieg des ICP.

    Dies wird im Rahmen einer *Acetazolamid-Challenge* auch gezielt genutzt. Durch die kontinuierliche Hirndruckmessung während der i.v.-Gabe lässt sich überprüfen, wie viel kompensatorische Reservekapazität das Gehirn des Patienten bei Volumenänderungen noch besitzt.


Pharmakodynamik
:   -   *Wirkmechanismus*:
        Reversible Hemmung der Carboanhydrase.
    -   *Niere*:
        Verminderte HCO₃⁻-Rückresorption im proximalen Tubulus.
    -   *Auge*:
        Verminderte Kammerwasserproduktion.
    -   *ZNS*:
        Verminderte Liquorproduktion und antikonvulsive Wirkung.

Pharmakokinetik
:   -   *Elimination*:
        keine Metabolisierung, Ausscheidung unverändert renal.
    -   HWZ etwa 4–8 h

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Fachinformation beachten.
    -   *Stillperiode*:
        Fachinformation beachten.

Wechselwirkungen
:   -   Andere Diuretika: verstärkte Diurese und Elektrolytverluste.
    -   Kaliumverluste können die Toxizität von Herzglykosiden erhöhen.
    -   Salicylate
    -   Metformin
    -   Lithium
    -   Phenytoin
    -   Topiramat


