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                -   2026-10-10: Anpassung an einheitliche Struktur, Überarbeitung und Abgleich mit der Fachinformation (GABRIEL Sebastian)
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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(ajmalin)=

# Ajmalin


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten, Markennamen
:   Gilurytmal™ 5 mg / ml (50 mg / 10 ml)

Ajmalin ist ein *Klasse-Ia-Antiarrhythmikum* mit Hemmung schneller kardialer Natriumkanäle.
Es verlangsamt die Erregungsausbreitung in Vorhof, Ventrikel und His-Purkinje-System.

Wirkung
:   -   Hemmung des schnellen Natriumeinstroms (Phase 0)
    -   Verlangsamung der intraatrialen, intraventrikulären und AV-nahen Erregungsleitung
    -   Verlängerung von Aktionspotentialdauer und Refraktärzeit
    -   Negativ inotrope Wirkung

Indikationen
:   -   Anhaltende ventrikuläre Tachykardie bei stabiler Hämodynamik
    -   Symptomatische, behandlungsbedürftige supraventrikuläre Tachykardie, insbesondere AV-junktionale Tachykardie
    -   Ajmalintest zur Beurteilung infra-Hisärer Leitungsstörungen (nicht bei Dekompensation oder HV-Intervall > 70 ms)
    -   *FBI-Tachykardie* (*fast, broad, irregular*), insbesondere präexzitiertes Vorhofflimmern bei akzessorischer Leitungsbahn
    -   Brugada-Provokationstest in spezialisierten elektrophysiologischen Zentren (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12018878/)

Kontraindikationen
:   -   Bradykardie < 50 / min; Sick-Sinus-Syndrom ohne Schrittmacher
    -   AV-Block II° oder III°, vorbestehende intraventrikuläre Leitungsstörung
    -   Erhebliche QRS-Verbreiterung oder QT-Verlängerung
    -   Manifeste Herzinsuffizienz; hypertrophe Kardiomyopathie
    -   LVEF < 35 % oder erste 3 Monate nach Myokardinfarkt (Ausnahme laut Fachinformation: lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmien)
    -   Digitalisintoxikation; Adam-Stokes-Anfälle
    -   Myasthenia gravis; bakterielle Endokarditis
    -   Tachykardie infolge kardialer Dekompensation

Dosierung
:   -   *Intravenöse Injektion, Erwachsene*:
        50 mg langsam i.v. unter kontinuierlicher EKG-Kontrolle; maximal 10 mg / min.
        Bei vorgeschädigtem Herzen 50 mg über 15—20 min.
        Bei Bedarf Wiederholung nach 30 min.
        Einzeldosen bis 1 mg / kg, maximal 100 mg, sind in der Fachinformation als vereinzelt dokumentiert, nicht als Standarddosis empfohlen.
    -   *Intravenöse Infusion bei therapierefraktären ventrikulären Tachyarrhythmien*:
        Initial 20 mg / h, bei Bedarf bis 50 mg / h.
        Verdünnung auf 1 mg / ml gemäß Fachinformation.
    -   *Eingeschränkte Leberfunktion oder Leberdurchblutung*:
        Bei Infusion gegebenenfalls 10—30 mg / h.
    -   *Kinder und Jugendliche < 18 Jahre*:
        Anwendung mangels ausreichender Daten laut Fachinformation nicht empfohlen.

Nebenwirkungen
:   -   QRS-Verbreiterung, PQ- und QT-Verlängerung, AV-Block, Bradykardie, Asystolie
    -   Proarrhythmie, einschließlich Torsade de pointes und Kammerflimmern
    -   Hypotonie, Verschlechterung einer Herzinsuffizienz
    -   Bedrohliche Frequenzsteigerung bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern
    -   Bei rascher i.v. Gabe Krampfanfälle, Parästhesien, Atemstillstand
    -   Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
    -   Transaminasenanstieg, Cholestase und weitere Leberschädigungen
    -   Seltene hämatologische und immunologische Reaktionen

Pharmakodynamik
:   -   *Natriumkanalblockade*:
        Verminderte Phase-0-Depolarisationsgeschwindigkeit und verlangsamte Erregungsleitung.
    -   *EKG*:
        Verlängerung von PQ-Zeit, QRS-Dauer und QT-Zeit.
    -   *Myokard*:
        Negativ inotrop.

Pharmakokinetik
:   -   *Verteilung*:
        Verteilungsvolumen etwa 3 L / kg; Proteinbindung etwa 75 %.
    -   *Metabolismus*:
        {index}` <CYP2D6; Ajmalin>`
        Überwiegend hepatisch, unter anderem über CYP2D6; langsame Metabolisierer möglich.
    -   *Elimination*:
        Vorwiegend hepatisch; etwa 4—5 % unverändert renal.
    -   *Halbwertszeit*:
        Verteilungsphase etwa 6 min, Eliminationsphase etwa 95 min.

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen.
    -   *Stillperiode*:
        Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen; Daten zum Übergang in Muttermilch fehlen.

Wechselwirkungen
:   -   Andere Antiarrhythmika, Betablocker und Calciumantagonisten: additive Leitungshemmung und negative Inotropie.
    -   Andere Klasse-I-Antiarrhythmika: Kombination vermeiden.
    -   QT-verlängernde Medikamente: erhöhtes Risiko ventrikulärer Arrhythmien.
    -   Chinidin: erhöhte Ajmalin-Plasmakonzentration.
    -   Digitalis: Verstärkung von Erregungsleitungsstörungen.
    -   CYP-Induktoren: verminderte Ajmalin-Konzentration; CYP2D6-Substrate und -Inhibitoren: mögliche Wechselwirkungen.
    -   Nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien: mögliche Wirkungsverstärkung.

:::{warning}
Kontinuierliche EKG- und Blutdrucküberwachung; Reanimationsbereitschaft.
Injektion abbrechen bei QRS- oder QT-Verlängerung > 25 %, PQ-Verlängerung > 50 %, QT > 500 ms oder zunehmender Arrhythmie.
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:::{warning}
Gilurytmal® und Furosemid i.v. nicht mischen (Ausfällungsgefahr).
Auch bei alkalischen Lösungen, insbesondere Natriumhydrogencarbonat, auf mögliche Inkompatibilität achten.
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