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status:         final
changes:
                -   2026-10-10: Ersterstellung
                -   2026-10-11: Überarbeitung und Fact-Check (GABRIEL Sebastian)
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{index} single: Atropin
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(atropin)=

# Atropin

:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten, Markennamen
:   Atropinsulfat Aguettant™ (0,1 mg / mL und 0,2 mg / mL)

Atropin ist ein kompetitiver Antagonist muskarinischer Acetylcholinrezeptoren (*Parasympatholytikum*) ohne direkte Wirkung an nikotinischen Rezeptoren.
Es vermindert den Vagotonus am Sinus- und AV-Knoten und hemmt exokrine Sekretion sowie parasympathisch vermittelte Bronchokonstriktion.

Wirkung
:   -   Positive Chronotropie bei vagal vermittelter Bradykardie
    -   Verbesserung der AV-Überleitung bei vagal bedingten Überleitungsstörungen
    -   Verminderung von Speichel-, Bronchial- und Schweißsekretion
    -   Bronchodilatation und Verminderung der gastrointestinalen Motilität
    -   Mydriasis und Zykloplegie

Indikationen
:   -   Hämodynamisch relevante symptomatische Bradykardie, insbesondere bei erhöhtem Vagotonus
    -   Antidot bei Organophosphat-, Carbamat- und muskarinischer Pilzvergiftung
    -   Prämedikation zur Verhinderung vagaler Reaktionen bei Intubation und chirurgischer Manipulation
    -   Begrenzung muskarinischer Wirkungen von Neostigmin bei Antagonisierung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien

Kontraindikationen
:   -   Engwinkelglaukom
    -   Risiko einer Harnretention bei Prostata- oder Harnröhrenerkrankungen
    -   Achalasie, paralytischer Ileus und toxisches Megakolon
    -   Myasthenia gravis außerhalb der Kombination mit Cholinesterasehemmern

    Bei lebensbedrohlichen Bradyarrhythmien oder Vergiftungen treten die genannten Gegenanzeigen gegenüber der vitalen Indikation zurück.

Dosierung
:   -   *Symptomatische Bradykardie, Erwachsene – ERC 2025*:
        0,500 mg i.v. oder i.o.; bei Bedarf alle 3–5 min wiederholen, maximale Gesamtdosis 3 mg
    -   *Symptomatische Sinusbradykardie, Erwachsene – österreichische Fachinformation, 0,2 mg / mL*:
        0,500 mg i.v. alle 2–5 min bis zur gewünschten Herzfrequenz
    -   *Vagal bedingter AV-Block, Erwachsene – österreichische Fachinformation*:
        0,500 mg i.v. alle 3–5 min, maximal 3 mg
    -   *Narkoseprämedikation, Erwachsene*:
        0,300–0,600 mg i.v. unmittelbar vor der Operation oder i.m. 30–60 min vorher
    -   *Kombination mit Neostigmin, Erwachsene*:
        0,600–1,200 mg i.v.
    -   *Narkoseprämedikation, Kinder – 0,1-mg/mL-Präparat*:
        0,010–0,020 mg / kg i.v., maximal 0,600 mg pro Dosis
    -   *Kombination mit Neostigmin, Kinder – 0,1-mg/mL-Präparat*:
        0,020 mg / kg i.v.
    -   *Bradykardie, Kinder – 0,1-mg/mL-Präparat*:
        0,020 mg / kg i.v. als Einzeldosis, maximal 0,600 mg; bei pädiatrischer Bradykardie vorrangig Hypoxie und Ventilationsstörungen beheben
    -   *Organophosphat-, Cholinesterasehemmer- oder muskarinische Pilzvergiftung, Erwachsene*:
        Initial 0,500–2 mg i.v.; Wiederholung nach 5 min (Verdoppelung der Dosis bis zur Atropinisierung) und weitere symptomorientierte Titration
        Bei schwerer Organophosphatvergiftung sind erheblich höhere kumulative Dosen möglich

Nebenwirkungen
:   -   Tachykardie, Palpitationen und Tachyarrhythmien
    -   Paradoxe vorübergehende Bradykardie, insbesondere bei geringer Dosis
    -   Mundtrockenheit, verminderte Schweißsekretion, Hyperthermie und Flush
    -   Mydriasis, Akkommodationsstörung und erhöhter Augeninnendruck
    -   Harnverhalt und Obstipation
    -   Unruhe, Verwirrtheit, Halluzinationen und Delir, insbesondere bei älteren Patienten
    -   Anticholinerges Syndrom bei Überdosierung

Pharmakodynamik
:   -   *Wirkmechanismus*:
        Kompetitive Blockade muskarinischer Acetylcholinrezeptoren (M₁–M₅)
    -   *Kardiale Wirkung*:
        Verminderung vagaler Hemmung von Sinusknoten und AV-Überleitung
    -   *Grenzen*:
        Bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS-Komplex ist Atropin in der Regel unwirksam und kann die Blockade verschlimmern

Pharmakokinetik
:   -   *Wirkungseintritt*:
        Nach i.v.-Gabe rasch; maximaler Herzfrequenzanstieg nach etwa 2–4 min
    -   *Verteilung*:
        Passage der Blut-Hirn-Schranke und der Plazenta
    -   *Metabolismus*:
        Teilweise hepatisch
    -   *Elimination*:
        Renal als unveränderter Wirkstoff und Metaboliten
    -   *Eliminationshalbwertszeit*:
        Etwa 2–5 h bei Erwachsenen; bei Kleinkindern und älteren Patienten verlängert

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Rasche Plazentapassage; i.v.-Gabe kann maternale und fetale Tachykardie auslösen
        Nur bei klarer Indikation anwenden
    -   *Stillperiode*:
        Geringe Ausscheidung in die Muttermilch möglich; anticholinerge Wirkungen beim Säugling und verminderte Milchproduktion, insbesondere bei wiederholter Anwendung, möglich
        Bei Fortsetzung des Stillens den Säugling auf anticholinerge Wirkungen überwachen

Anwendungshinweise
:   -   Bei hämodynamisch relevanter Bradykardie kontinuierliches EKG- und Blutdruckmonitoring
    -   Bei höhergradigem AV-Block mit breitem QRS-Komplex oder fehlender Atropinwirkung frühzeitig Pacing beziehungsweise Katecholamintherapie nach ERC-Algorithmus einleiten
    -   **Bei Herztransplantierten kein Atropin zur Bradykardietherapie**; Risiko eines höhergradigen AV-Blocks oder Sinusarrests; Aminophyllin ({ref}`Theophyllin <Theophyllin>`) erwägen
    -   Bei Organophosphatvergiftung an Bronchialsekretion und Bronchokonstriktion titrieren, nicht allein an der Herzfrequenz
    -   Keine Wirkung gegen nikotinische Manifestationen der Organophosphatvergiftung, insbesondere neuromuskuläre Schwäche
    -   **Präparate unterscheiden**: 0,2 mg / mL Aguettant™ ist nur für Erwachsene zugelassen; 0,1 mg / mL ist für Kinder über 3 kg vorgesehen
    -   Dosierungen beziehen sich auf Atropinsulfat, nicht auf die Masse der Atropinbase

Wechselwirkungen
:   -   Andere anticholinerge Arzneimittel, darunter trizyklische Antidepressiva, bestimmte Antihistaminika und Neuroleptika: verstärkte antimuskarinische Nebenwirkungen
    -   Cholinesterasehemmer: pharmakodynamischer Antagonismus an muskarinischen Rezeptoren




:::{seealso}
-   {ref}`Antiarrhythmika`
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<!-- Quellenabgleich: BASG, Atropinsulfat Aguettant 0,2 mg/ml, Fachinformation (Stand Mai 2016): https://medikamente.basg.gv.at/documents/137060__DOTC_FACH_INFO.pdf ; ERC Guidelines 2025 Adult ALS: https://www.erc.edu/media/vedoa2ga/gl2025-05-als-e.pdf ; pädiatrische 0,1-mg/ml-Dosierungen: EU-Fachinformation des identischen Aguettant-Präparats über AEMPS: https://cima.aemps.es/cima/dochtml/ft/81510/FT_81510.html -->
