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status:         final
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                -   2026-10-10: Fachliche und strukturelle Überarbeitung, Abgleich mit österreichischer Fachinformation
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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(Glycopyrronium)=

# Glycopyrronium


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten
:   -   Robinul™ 0,2 mg-Ampullen

Darreichungsformen
:   -   Injektionslösung mit 0,200 mg Glycopyrroniumbromid pro 1 mL

Beschreibung
:   Synthetisches, peripher wirksames Antimuskarinikum aus der Gruppe der quartären Ammoniumverbindungen.
    Glycopyrronium wird auch als Glycopyrrolat bezeichnet.

Wirkung
:   -   Hemmung der Speichel-, Tracheal-, Bronchial-, Pharyngeal- und Schweißsekretion
    -   Abschwächung vagal vermittelter Bradykardien mit möglicher Steigerung der Herzfrequenz
    -   Reduktion muskarinerger Nebenwirkungen von Neostigmin und Pyridostigmin
    -   Verminderung der gastrointestinalen Motilität und der Magensäuresekretion
    -   Mydriasis und Akkommodationsstörungen
    -   Geringere zentrale anticholinerge Wirkung als Atropin

Indikationen
:   -   Narkoseprämedikation zur Verminderung von Sekretionen und Magensäureproduktion
    -   Verhütung oder Abschwächung prä- und intraoperativer Bradykardien durch vagale Reflexe oder Suxamethonium
    -   Vermeidung muskarinerger Nebenwirkungen bei Antagonisierung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien mit Neostigmin oder Pyridostigmin

Kontraindikationen
:   -   Engwinkelglaukom
    -   Asthma bronchiale
    -   Tachykardie oder Tachyarrhythmie
    -   Myasthenia gravis
    -   Mechanische Stenosen des Gastrointestinaltrakts, intestinale Atonie oder paralytischer Ileus
    -   Colitis ulcerosa oder Megakolon
    -   Obstruktive Uropathie mit Harnverhalt
    -   Instabiler Kreislauf bei schwerem Blutverlust

Dosierung
:   -   *Antagonisierung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien, Erwachsene*:
        0,200 mg i. v. je 1,000 mg Neostigmin oder je 5,000 mg Pyridostigmin
        Alternativ 0,010–0,015 mg / kg i. v. zusammen mit 0,050 mg / kg Neostigmin oder 0,250 mg / kg Pyridostigmin
    -   *Antagonisierung nichtdepolarisierender Muskelrelaxanzien, Kinder und Jugendliche*:
        0,010 mg / kg i. v. zusammen mit 0,050 mg / kg Neostigmin oder 0,250 mg / kg Pyridostigmin
    -   *Narkoseprämedikation, Erwachsene*:
        0,200–0,400 mg i. m. beziehungsweise 0,004–0,005 mg / kg i. m., 30–60 min vor Narkoseinduktion
        Maximal 0,400 mg
    -   *Narkoseprämedikation, Kinder und Jugendliche*:
        0,004–0,008 mg / kg i. m., maximal 0,200 mg
    -   *Intraoperative Bradykardie, Erwachsene*:
        0,100 mg i. v., bei Bedarf alle 2–3 min wiederholen
        Maximal 0,400 mg insgesamt
    -   *Intraoperative Bradykardie, Kinder und Jugendliche*:
        0,004 mg / kg i. v., maximal 0,100 mg pro Einzelgabe
        Bei Bedarf nach 2–3 min wiederholen
    -   *Nierenfunktionsstörung*:
        Vorsichtige Titration; bei Nierenversagen kann eine Dosisanpassung erforderlich sein

Nebenwirkungen
:   -   Mundtrockenheit und verminderte Schweißsekretion
    -   Tachykardie, Palpitationen und Herzrhythmusstörungen
    -   Mydriasis, verschwommenes Sehen und Akkommodationsstörungen
    -   Obstipation, verzögerte Miktion und Harnverhalt
    -   Hyperthermie bis zum Hitzekollaps, besonders bei Kindern
    -   Verminderte Milchbildung
    -   Selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen
    -   Gelegentlich Verwirrtheit oder Erregung, insbesondere bei älteren Patienten

Pharmakodynamik
:   Kompetitive Hemmung der Acetylcholinwirkung an peripheren muskarinischen Rezeptoren, unter anderem in exokrinen Drüsen, glatter Muskulatur sowie Sinus- und AV-Knoten.
    Die quartäre Ammoniumstruktur begrenzt die Passage der Blut-Hirn-Schranke und der Plazenta.
    Nikotinische Acetylcholinrezeptoren werden in üblichen Dosierungen kaum beeinflusst.

Pharmakokinetik
:   -   *Wirkungseintritt*:
        Nach i. v.-Gabe im Allgemeinen innerhalb von 1 min; nach i. m.-Gabe nach 15–30 min
    -   *Wirkungsmaximum nach i. m.-Gabe*:
        Nach etwa 30–45 min
    -   *Wirkdauer*:
        Hemmung vagaler Reflexe etwa 2–3 h, Sekretionshemmung bis zu 7 h
    -   *Verteilung*:
        Geringe Passage der Blut-Hirn-Schranke und der Plazenta
    -   *Metabolismus*:
        Nur geringer Anteil zu Metaboliten umgesetzt
    -   *Ausscheidung*:
        Überwiegend unverändert renal und biliär
    -   *Niereninsuffizienz*:
        Verzögerte Elimination möglich

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Anwendung nur bei zwingender Indikation aufgrund begrenzter klinischer Erfahrungen.
        Nach intramuskulärer Anwendung bei Gebärenden wurden niedrige Konzentrationen im Nabelschnurblut und in der Amnionflüssigkeit gemessen.
    -   *Stillperiode*:
        Anwendung nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung, da der Übergang in die Muttermilch nicht bekannt ist.
        Eine Verringerung der Milchbildung ist möglich.

Anwendungshinweise
:   -   Nur i. v. oder i. m. verabreichen
    -   Bei intravenöser Anwendung in der Prämedikation angemessene Überwachung sicherstellen
    -   Bei Kombination mit Neostigmin oder Pyridostigmin gemeinsame Injektion gemäß Fachinformation möglich
    -   Vorsicht bei koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Hypertonie und Hyperthyreose
    -   Besondere Vorsicht bei Säuglingen und Kindern wegen erhöhter Empfindlichkeit gegenüber anticholinergen Nebenwirkungen
    -   Bei hohen Umgebungstemperaturen auf eingeschränkte Wärmeabgabe durch verminderte Schweißsekretion achten
    -   Bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosis und Wirkung engmaschig beurteilen
    -   Nicht mit alkalischen Lösungen mischen; die Stabilität nimmt bei pH-Werten ab 6 ab
    -   Inkompatibilität unter anderem mit Diazepam, Natriumcarbonat und Dexamethason-dinatriumphosphat beachten

Wechselwirkungen
:   -   *Andere Anticholinergika und Arzneimittel mit antimuskarinerger Wirkung*:
        Verstärkung anticholinerger Nebenwirkungen, unter anderem bei trizyklischen Antidepressiva, Amantadin, Antihistaminika und Phenothiazinen
    -   *Metoclopramid und Domperidon*:
        Gegenseitige Abschwächung der Wirkungen auf die gastrointestinale Motilität
    -   *Langsam freisetzende Digoxin-Tabletten*:
        Erhöhung der Digoxin-Serumkonzentration möglich
    -   *Kortikosteroide*:
        Erhöhung des Augeninnendrucks möglich

:::{warning}
Eine anticholinerge Hemmung der Schweißsekretion kann insbesondere bei Säuglingen und Kindern unter Hitzeexposition zu gefährlicher Hyperthermie führen.
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:::{seealso}
-   {ref}`Antiarrhythmika`
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<!-- Fachliche Grundlage: Österreichische Fachinformation Robinul 0,2 mg – Ampullen, Z.Nr. 1-18081, Stand Februar 2023; BASG https://medikamente.basg.gv.at/documents/1-18081__DOTC_FACH_INFO.pdf -->
