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status:         final
changes:
                -   2026-10-10: Fachliche und strukturelle Überarbeitung; Neubewertung des NASCIS-Schemas
                -   2026-10-11: Überarbeitung und Fact-Check (GABRIEL Sebastian)
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{index} single: Rückenmarktrauma; Methylprednisolon
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(Methylprednisolon)=

# Methylprednisolon


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten
:   -   Urbason solubile™
    -   Solu-Medrol™

Beschreibung
:   Synthetisches, systemisch wirksames Glukokortikoid mit geringer mineralokortikoider Wirkung.
    Die intravenösen Zubereitungen enthalten wasserlösliche Ester, aus denen Methylprednisolon freigesetzt wird.

Wirkung
:   -   Antiinflammatorisch und antiexsudativ
    -   Immunsuppressiv und antiallergisch
    -   Verminderung entzündlicher Schleimhautschwellungen
    -   Verstärkung der Wirkung inhalativer β₂-Sympathomimetika bei entzündlicher Bronchialobstruktion
    -   Keine unmittelbare bronchodilatatorische oder kreislaufstabilisierende Wirkung bei Anaphylaxie

Indikationen
:   -   Schwerer Status asthmaticus als Zusatz zur bronchodilatatorischen Behandlung
    -   Schwere entzündliche oder immunologische Krisen, einschließlich Transplantatabstoßung
    -   Akute Schübe der Multiplen Sklerose
    -   Ausgewählte Formen eines Hirnödems, abhängig von dessen Ursache
    -   Weitere akute Erkrankungen mit Indikation zur systemischen Glukokortikoidtherapie

Kontraindikationen
:   -   Bei kurzfristiger Anwendung aus vitaler Indikation sind Gegenanzeigen im Kontext des akuten Behandlungsbedarfs zu beurteilen
    -   Systemische, nicht adäquat behandelte Infektionen, insbesondere invasive Pilzinfektionen, als wesentliche Risikokonstellation
    -   Lebendimpfstoffe bei immunsuppressiver Dosierung
    -   Traumatisches Schädel-Hirn-Trauma: keine Indikation zur hochdosierten Kortikosteroidtherapie; mögliche Erhöhung der Mortalität

Dosierung
:   -   *Akut lebensbedrohliche Zustände*:
        Initial 250–1.000 mg i. v., abhängig von Indikation und Schweregrad
        -   *Kinder und Jugendliche*:
            Initial 4–20 mg / kg i. v., indikationsabhängig
    -   *Schwerer Status asthmaticus*, Erwachsene:
        250–500 mg i. v. zusätzlich zur Basistherapie gem. Fachinformation, jedoch haben hohe Dosen keinen Zusatznutzen, empfohlen 1–2 mg / kg
    -   Akuter Schub einer *Multiplen Sklerose*:
        500–1.000 mg i. v. täglich über 3–5 Tage
    -   *Akute Transplantatabstoßung*:
        Bis zu 30 mg / kg i. v. als Einzeldosis im Rahmen eines spezialisierten Behandlungsschemas
    -   *Traumatische Rückenmarkverletzung, historisches NASCIS-Schema*:
        30 mg / kg i. v. über 15 min, anschließend nach einer Pause von 45 min 5,4 mg / kg / h über 23 h; in NASCIS III auch eine Verlängerung auf 47 h untersucht
        Dieses Schema ist keine routinemäßig empfohlene Behandlung der akuten traumatischen Rückenmarkverletzung

:::{warning}
Die routinemäßige hochdosierte Methylprednisolontherapie nach traumatischer Rückenmarkverletzung wird in aktuellen deutschsprachigen Leitlinien nicht empfohlen.
Die historische NASCIS-Behandlung hat keinen gesicherten klinisch relevanten Nutzen und kann schwere Komplikationen begünstigen.
Eine ältere internationale Leitlinie nennt eine 24-stündige Therapie bei ausgewählten Erwachsenen innerhalb von 8 h als mögliche Option; eine 48-stündige Infusion wird auch dort nicht empfohlen.
Bei gleichzeitigem Schädel-Hirn-Trauma ist besondere Zurückhaltung geboten.
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Nebenwirkungen
:   -   Hyperglykämie und Verschlechterung eines Diabetes mellitus
    -   Erhöhtes Infektionsrisiko und Maskierung von Infektionszeichen
    -   Psychische Veränderungen, Delir, Schlafstörungen und Steroidpsychose
    -   Gastrointestinale Ulzera und Blutungen
    -   Hypokaliämie, Flüssigkeitsretention und Hypertonie
    -   Myopathie, insbesondere bei gleichzeitiger Gabe neuromuskulärer Blocker
    -   Bradykardie und Rhythmusstörungen nach hochdosierter intravenöser Gabe
    -   Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse bei längerer Behandlung
    -   Sklerodermale Nierenkrise bei prädisponierten Patienten

Pharmakodynamik
:   Methylprednisolon bindet an intrazelluläre Glukokortikoidrezeptoren und verändert die Transkription entzündungsrelevanter Gene.
    Es hemmt unter anderem die Aktivierung von Immunzellen sowie die Freisetzung von Zytokinen, Prostaglandinen und Leukotrienen.
    4 mg Methylprednisolon entsprechen in der glukokortikoiden Wirkung ungefähr 5 mg Prednisolon beziehungsweise 20 mg Hydrocortison.

Pharmakokinetik
:   -   *Verteilung*:
        Plasmaproteinbindung etwa 62 %, überwiegend an Albumin
    -   *Eliminationshalbwertszeit*:
        Etwa 3 h
    -   *Biologische Wirkdauer*:
        Etwa 12–36 h
    -   *Metabolismus*:
        {index}`CYP3A4; Methylprednisolon`
        Vorwiegend hepatisch, unter Beteiligung von CYP3A4
    -   *Ausscheidung*:
        Überwiegend renal in Form von Metaboliten

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Plazentagängig; insbesondere im ersten Trimenon nur nach strenger Indikationsstellung
        Bei längerer Behandlung sind Wachstumsstörungen und bei Anwendung gegen Ende der Schwangerschaft eine neonatale Nebennierenrindensuppression möglich
    -   *Stillperiode*:
        Übergang geringer Mengen in die Muttermilch
        Bei hohen Dosen oder längerer systemischer Therapie empfiehlt die Fachinformation Urbason solubile™ vorsorglich das Abstillen

Anwendungshinweise
:   -   Intravenöse Gabe bei akuter schwerer Erkrankung, Dosis und Infusionsdauer nach Indikation
    -   Blutzucker, Elektrolyte, Blutdruck und Infektionszeichen überwachen
    -   Nach längerer Behandlung nicht abrupt absetzen
    -   Bei systemischer Sklerose Blutdruck und Nierenfunktion besonders überwachen
    -   Bei Anaphylaxie ersetzt Methylprednisolon weder Adrenalin noch Atemwegs- und Kreislauftherapie

Wechselwirkungen
:   -   *CYP3A4-Inhibitoren, beispielsweise Azolantimykotika und Cobicistat*:
        {index}`CYP3A4; Methylprednisolon`
        Verstärkte systemische Kortikosteroidwirkung
    -   *CYP3A4-Induktoren, beispielsweise Rifampicin, Phenytoin und Carbamazepin*:
        {index}`CYP3A4; Methylprednisolon`
        Verminderte Kortikosteroidwirkung
    -   *Nichtsteroidale Antirheumatika*:
        Erhöhtes Risiko gastrointestinaler Ulzera und Blutungen
    -   *Diuretika und Laxanzien*:
        Verstärkte Kaliumverluste möglich
    -   *Antidiabetika*:
        Verminderte blutzuckersenkende Wirkung
    -   *Nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien*:
        Verlängerte neuromuskuläre Blockade und erhöhtes Myopathierisiko möglich

<!-- Quellen: BASG, Urbason solubile 250/1000 mg, Fachinformation: https://medikamente.basg.gv.at/documents/16419__DOTC_FACH_INFO.pdf ; BASG, Solu-Medrol 500/1000 mg, Gebrauchsinformation Stand Juli 2025: https://medikamente.basg.gv.at/documents/16218__DOTC_GEBR_INFO.pdf ; DGN/DMGP-Leitlinie traumatische Rückenmarkverletzung 2025: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12516205/ ; AO-Spine-Empfehlungen 2017: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5686915/ -->
