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status:         final
changes:
                -   2026-10-10: Fachliche und strukturelle Überarbeitung; Abgleich mit der österreichischen Fachinformation Vendal 10 mg-Ampullen
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{index} single: Morphin-6-glucuronid
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(morphin)=

# Morphin


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten, Markennamen
:   -   Vendal™ 10 mg-Ampullen (10 mg Morphinhydrochlorid-Trihydrat in 1 mL; entsprechend 7,6 mg Morphinbase)

Beschreibung
:   Stark wirksames Opioidanalgetikum aus der Gruppe der natürlichen Opiumalkaloide.
    Die Dosierungsangaben beziehen sich auf Morphinhydrochlorid-Trihydrat, nicht auf Morphinbase.

Wirkung
:   -   Ausgeprägte Analgesie
    -   Sedierung und dosisabhängige Atemdepression
    -   Miosis und Hemmung der gastrointestinalen Motilität
    -   Mögliche Histaminfreisetzung mit Vasodilatation und Blutdruckabfall

Indikationen
:   -   Starke und sehr starke akute oder chronische Schmerzen, insbesondere postoperative Schmerzen und Tumorschmerzen
    -   Ausgewählte Fälle schwerer Schmerzen bei akutem Koronarsyndrom unter Berücksichtigung der Wechselwirkung mit oralen P2Y12-Hemmern

Kontraindikationen
:   -   Atemdepression sowie relevante obstruktive Atemwegserkrankungen gemäß Fachinformation
    -   Paralytischer Ileus und akutes Abdomen
    -   Akute Lebererkrankung und akute hepatische Porphyrie
    -   Gleichzeitige Therapie mit MAO-Hemmern sowie innerhalb von 14 Tagen nach deren Absetzen
    -   Kombination mit partiellen Opioidagonisten beziehungsweise gemischten Agonisten/Antagonisten wie Buprenorphin oder Nalbuphin gemäß Fachinformation
    -   Säuglinge unter 6 Monaten bei Anwendung von Vendal™ 10 mg-Ampullen
    -   Kopfverletzungen und zerebrale Krampfanfälle gemäß Fachinformation; in der Notfallmedizin situationsbezogene Nutzen-Risiko-Abwägung bei notwendiger Analgesie

Dosierung
:   -   *Erwachsene und Jugendliche über 50 kg, intravenös*:
        5–10 mg alle 4–6 h als Richtwert gemäß Fachinformation
        Bei akuten Schmerzen vorsichtige Titration in kleinen Teilgaben bis zur ausreichenden Analgesie
    -   *Erwachsene und Jugendliche über 50 kg, subkutan oder intramuskulär*:
        10–30 mg alle 4–6 h
    -   *Kinder und Jugendliche unter 50 kg, intravenös*:
        0,050–0,100 mg / kg alle 4–6 h
        Maximale Einzeldosis 15 mg
    -   *Kinder und Jugendliche unter 50 kg, subkutan oder intramuskulär*:
        0,050–0,200 mg / kg alle 4–6 h
        Maximale Einzeldosis 15 mg
    -   *Säuglinge von 6 bis 12 Monaten*:
        Besonders strenge Indikationsstellung und Dosisreduktion
    -   *Ältere, geschwächte Patienten sowie Nieren- oder Leberfunktionsstörung*:
        Vorsichtige Dosistitration, gegebenenfalls niedrigere Dosis und verlängerte Intervalle
    -   *Epidural und intrathekal*:
        Gesonderte neuraxiale Dosierungsschemata und 24-stündige Überwachung; nur durch entsprechend erfahrene Anwender mit verfügbarer Beatmungsmöglichkeit

Nebenwirkungen
:   -   Atemdepression bis Apnoe
    -   Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Miosis, Sedierung
    -   Hypotonie, insbesondere bei Hypovolämie; Pruritus und Histaminfreisetzung
    -   Harnverhalt, Gallenwegsspasmen und Sphincter-Oddi-Spasmus
    -   Toleranzentwicklung, körperliche Abhängigkeit und Entzugssyndrom bei abruptem Absetzen
    -   Opioidinduzierte Hyperalgesie und Myoklonien
    -   Selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und akute generalisierte exanthematische Pustulose

Pharmakodynamik
:   Morphin ist vorwiegend ein Agonist am μ-Opioidrezeptor und in geringerem Umfang am κ-Opioidrezeptor.
    Die Aktivierung zentraler und spinaler Opioidrezeptoren hemmt die nozizeptive Signalübertragung.
    Die μ-Rezeptorwirkung vermittelt unter anderem Analgesie, Euphorie, Atemdepression und eine verminderte Darmmotilität.

Pharmakokinetik
:   -   *Wirkmaximum*:
        Nach intravenöser Gabe etwa 20–30 min; nach subkutaner oder intramuskulärer Gabe etwa 60–90 min
    -   *Analgetische Wirkdauer*:
        Nach systemischer Gabe ungefähr 2–5 h
    -   *Metabolismus*:
        Überwiegend hepatische und intestinale Glukuronidierung zu Morphin-3-glucuronid und dem pharmakologisch aktiven Morphin-6-glucuronid
    -   *Eliminationshalbwertszeit*:
        Im Mittel etwa 1,7–4,5 h nach parenteraler Gabe, mit erheblicher interindividueller Variabilität
    -   *Ausscheidung*:
        Überwiegend renal als Metaboliten
        Bei Niereninsuffizienz können Glukuronide kumulieren und die Opioidwirkung verlängern

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Anwendung nur, wenn der erwartete Nutzen für die Mutter das fetale Risiko eindeutig überwiegt.
        Morphin passiert die Plazenta; insbesondere peripartal besteht die Gefahr einer neonatalen Atemdepression.
        Nach längerer mütterlicher Opioidexposition auf neonatales Entzugssyndrom achten.
    -   *Stillperiode*:
        Während der Behandlung mit Vendal™ soll gemäß österreichischer Fachinformation nicht gestillt werden.
        Morphin geht in die Muttermilch über und kann beim Säugling klinisch relevante Wirkungen verursachen.

Anwendungshinweise
:   -   Atemfrequenz, Sedierungsgrad, Sauerstoffsättigung und Kreislauf engmaschig überwachen
    -   Bei intravenöser Akuttherapie schrittweise nach Analgesie und Nebenwirkungen titrieren
    -   Atemwegssicherung, Beatmung und Naloxon für den Notfall verfügbar halten
    -   Bei längerfristiger Anwendung Absetzen ausschleichend planen
    -   Bei Verdacht auf Überdosierung Atemwegssicherung und Ventilation priorisieren; Naloxon vorsichtig nach Atemfunktion titrieren
    -   Bei neuraxialer Anwendung ausschließlich geeignete Zubereitungen und spezifische Überwachungsstandards verwenden
    -   Vendal™ 10 mg-Ampullen sind mit 0,9%iger Natriumchloridlösung und 5%iger Glucoselösung kompatibel

Wechselwirkungen
:   -   *Benzodiazepine, Sedativa, Alkohol, andere Opioide und Gabapentinoide*:
        Verstärkte Sedierung und Atemdepression bis zu Koma und Tod
    -   *MAO-Hemmer*:
        Potenziell schwere zentrale und hämodynamische Reaktionen; kontraindizierte Kombination
    -   *Buprenorphin, Nalbuphin und Pentazocin*:
        Abschwächung der Analgesie und mögliches Entzugssyndrom
    -   *Orale P2Y12-Hemmer*:
        Verzögerte Resorption und möglicherweise abgeschwächte frühe Thrombozytenhemmung bei akutem Koronarsyndrom
    -   *Rifampicin*:
        Verminderte Morphinexposition und analgetische Wirkung möglich
    -   *Cimetidin*:
        Verstärkte Morphinwirkung möglich

:::{warning}
Morphin kann auch in therapeutischer Dosierung eine lebensbedrohliche Atemdepression verursachen.
Bei Niereninsuffizienz kann die Wirkung durch Kumulation aktiver Metaboliten verlängert sein.
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:::{seealso}
-   {ref}`Naloxon`
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<!-- Fachinformation: Vendal 10 mg-Ampullen, BASG, Zulassungsnummer 36: https://aspregister.basg.gv.at/document/servlet?action=show&type=DOTC_FACH_INFO&zulnr=36 -->
