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status:         final
changes:
                -   2026-10-10: Fachliche und strukturelle Überarbeitung anhand österreichischer Fachinformation
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{index} single: Paracetamol
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:::{index} single: Perfalgan
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:::{index} single: Paracetamol; Überdosierung
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:::{index} single: N-Acetylcystein; Paracetamolintoxikation
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(paracetamol)=

# Paracetamol


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten
:   -   Perfalgan™
    -   Paracetamol B. Braun™ 10 mg / mL Infusionslösung
    -   Paracetamol Kabi™ 10 mg / mL Infusionslösung

Beschreibung
:   Nichtopioides Analgetikum und Antipyretikum aus der Gruppe der Anilide.

Wirkung
:   -   Analgetisch bei leichten bis mäßig starken Schmerzen
    -   Antipyretisch
    -   Keine klinisch relevante periphere antiphlogistische Wirkung
    -   Keine klinisch relevante Hemmung der Thrombozytenaggregation in therapeutischer Dosierung

Indikationen
:   -   Leichte bis mäßig starke Schmerzen
    -   Fieber
    -   *Intravenöse Anwendung*:
        Kurzzeitbehandlung mäßig starker Schmerzen, insbesondere nach Operationen, und von Fieber, wenn eine intravenöse Therapie klinisch erforderlich ist oder andere Applikationswege nicht möglich sind

Kontraindikationen
:   -   Schwere hepatozelluläre Insuffizienz
    -   Überempfindlichkeit gegen Paracetamol oder Propacetamol

Dosierung
:   Die folgende parenterale Dosierung gilt für Paracetamol 10 mg / mL als intravenöse Infusion über 15 min.
    Die Tageshöchstdosen umfassen sämtliche gleichzeitig verabreichten paracetamolhaltigen Präparate.

:::{list-table} Paracetamol 10 mg / mL: Intravenöse Dosierung nach Körpergewicht
:header-rows: 1
:widths: 27 24 24 25

*   -   Körpergewicht
    -   Einzeldosis
    -   Volumen
    -   Tageshöchstdosis
*   -   ≤ 10 kg (reife Neugeborene und Säuglinge)
    -   7,5 mg / kg
    -   0,75 mL / kg
    -   30 mg / kg
*   -   > 10 bis ≤ 33 kg
    -   15 mg / kg
    -   1,5 mL / kg
    -   60 mg / kg, maximal 2.000 mg
*   -   > 33 bis ≤ 50 kg
    -   15 mg / kg
    -   1,5 mL / kg
    -   60 mg / kg, maximal 3.000 mg
*   -   > 50 kg mit Risikofaktoren für Hepatotoxizität
    -   1.000 mg
    -   100 mL
    -   3.000 mg
*   -   > 50 kg ohne zusätzliche Risikofaktoren
    -   1.000 mg
    -   100 mL
    -   4.000 mg
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Dosierungsintervalle
:   -   Mindestens 4 h zwischen zwei intravenösen Gaben
    -   Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance ≤ 30 mL / min) mindestens 6 h; Dosisreduktion empfohlen
    -   Maximal vier Gaben innerhalb von 24 h
    -   Für Frühgeborene liegen für die genannte intravenöse Zubereitung keine ausreichenden Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten vor
    -   Rektale und orale Dosierungen sind darreichungsform- und altersabhängig; die Dosierungen der intravenösen Zubereitung dürfen nicht ungeprüft auf Suppositorien übertragen werden

Nebenwirkungen
:   -   Selten Hypotonie bei intravenöser Gabe
    -   Selten erhöhte Lebertransaminasen
    -   Sehr selten Anaphylaxie, schwere Hautreaktionen und Blutbildveränderungen
    -   Hepatotoxizität bis zum akuten Leberversagen bei Überdosierung
    -   Selten metabolische Azidose mit vergrößerter Anionenlücke infolge Pyroglutaminsäure-Azidose bei entsprechenden Risikofaktoren

Pharmakodynamik
:   Der genaue Mechanismus der analgetischen und antipyretischen Wirkung ist nicht vollständig geklärt.
    Zentrale und periphere Mechanismen werden diskutiert.
    Nach intravenöser Gabe setzt die Analgesie innerhalb von etwa 5–10 min ein, erreicht ihr Maximum innerhalb einer Stunde und hält meist 4–6 h an.
    Die antipyretische Wirkung beginnt innerhalb von etwa 30 min und hält mindestens 6 h an.

Pharmakokinetik
:   -   *Verteilung*:
        Verteilungsvolumen etwa 1 L / kg; geringe Plasmaproteinbindung
    -   *Metabolismus*:
        Überwiegend hepatische Glukuronidierung und Sulfatierung.
        Ein kleiner Anteil wird durch Cytochrom-P450-Enzyme zu N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI) umgesetzt und normalerweise durch Glutathion entgiftet.
    -   *Ausscheidung*:
        Überwiegend renal als konjugierte Metaboliten
    -   *Eliminationshalbwertszeit*:
        Bei Erwachsenen etwa 2,7 h, bei Neugeborenen etwa 3,5 h

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Bei klinischer Notwendigkeit in der niedrigsten wirksamen Dosis, so kurz und selten wie möglich anwendbar.
        Die Daten zur kindlichen Neuroentwicklung nach intrauteriner Exposition sind nicht eindeutig.
    -   *Stillperiode*:
        Geringer Übergang in die Muttermilch; Anwendung während der Stillzeit möglich

Anwendungshinweise
:   -   Intravenöse Infusion über 15 min
    -   Bei ≤ 10 kg das benötigte Volumen exakt abmessen; gegebenenfalls gemäß Fachinformation verdünnen
    -   Bei Lebererkrankung, Alkoholismus, Mangelernährung oder Dehydratation Tageshöchstdosis reduzieren
    -   Bei Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel auf mögliche Hämolyse achten; keine generelle absolute Kontraindikation
    -   Bei Verdacht auf Überdosierung umgehend toxikologische Abklärung, Bestimmung der Paracetamolkonzentration und gegebenenfalls Behandlung mit N-Acetylcystein

Wechselwirkungen
:   -   *Probenecid*:
        Verminderte Paracetamol-Clearance; Dosisreduktion erwägen
    -   *Orale Antikoagulanzien*:
        Bei wiederholten hohen Tagesdosen mögliche INR-Veränderungen
    -   *Flucloxacillin*:
        Erhöhtes Risiko einer Pyroglutaminsäure-Azidose bei disponierten Patienten
    -   *Enzyminduzierende Arzneimittel*:
        Erhöhtes Risiko hepatotoxischer Metaboliten bei Überdosierung

:::{danger}
Bei intravenösem Paracetamol 10 mg / mL kann die Verwechslung von **mg und mL** zu einer zehnfachen Überdosierung führen.
Verordnung und Verabreichung müssen sowohl die Wirkstoffmenge in mg als auch das entsprechende Volumen in mL ausweisen.
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:::{warning}
Eine Paracetamolintoxikation kann initial asymptomatisch verlaufen.
Die Behandlung mit N-Acetylcystein richtet sich nach Einnahmezeitpunkt, Serumkonzentration, Expositionsform und toxikologischem Behandlungsschema; bei Verdacht auf relevante Überdosierung nicht auf klinische Zeichen einer Leberschädigung warten.
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<!-- Quellen: Österreichische Fachinformation Paracetamol B. Braun 10 mg/ml Infusionslösung, https://medikamente.basg.gv.at/documents/1-31280__DOTC_FACH_INFO.pdf ; österreichische Gebrauchsinformation Paracetamol Kabi 10 mg/ml, https://medikamente.basg.gv.at/documents/1-30043__DOTC_GEBR_INFO.pdf ; EMA Pharmacovigilance Working Party 2012, Dosierungsfehler bei Perfalgan 10 mg/ml. -->
