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status:         final
changes:
                -   2026-10-10: Fachliche und strukturelle Überarbeitung, Abgleich mit österreichischer Fachinformation
                -   2026-10-11: Überarbeitung und Fact-Check (GABRIEL Sebastian)
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{raw} latex
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:::{index} single: Protamin
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:::{index} single: Protaminhydrochlorid
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:::{index} single: Heparin; Antagonisierung mit Protamin
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(protamin)=

# Protamin


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten
:   -   Protamin Meda™ 1.000 IE / mL Injektionslösung
        Eine Ampulle zu 5 mL enthält 50 mg (5.000 IE) Protaminhydrochlorid

Beschreibung
:   Stark basisches Polypeptid zur Antagonisierung von Heparin.

Wirkung
:   -   Rasche Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von unfraktioniertem Heparin
    -   Nur teilweise Aufhebung der Antikoagulation durch niedermolekulare Heparine, insbesondere der Anti-Faktor-Xa-Wirkung
    -   Bei Überdosierung eigenständige gerinnungshemmende Wirkung

Indikationen
:   -   Schwere Blutungen unter unfraktioniertem Heparin nach intravenöser oder subkutaner Anwendung
    -   Heparinantagonisierung nach extrakorporaler Zirkulation, insbesondere nach Herzoperationen und Hämodialyse
    -   Ausgewählte schwere Blutungen unter niedermolekularen Heparinen bei nur partieller Antagonisierbarkeit

Kontraindikationen
:   -   Bekannte Überempfindlichkeit gegen Protamin oder Bestandteile des Präparats

    Frühere Protaminexposition, Behandlung mit protaminhaltigem Insulin, Fischeiweißallergie und Zustand nach Vasektomie sind Risikofaktoren für Überempfindlichkeitsreaktionen.

Dosierung
:   -   *Unfraktioniertes Heparin*:
        1.000 IE Protaminhydrochlorid (10 mg bzw. 1 mL Protamin Meda™) neutralisieren in vitro etwa 1.000 IE unfraktioniertes Heparin
        Die tatsächlich erforderliche Dosis richtet sich nach noch wirksamer Heparinmenge, Zeit seit der Gabe und Gerinnungsbefunden.
        Als allgemeine Richtlinie bei heparinbedingter Blutung nennt die österreichische Fachinformation 50 % der zuletzt applizierten Heparindosis, jeweils in IE.
    -   *Unbekannte Heparinkonzentration*:
        Initial höchstens 1 mL (10 mg bzw. 1.000 IE) Protaminhydrochlorid langsam i. v.; weitere Gabe nach Gerinnungsbefund
    -   *Nach extrakorporaler Zirkulation*:
        Individuelle Titration anhand wiederholter Gerinnungsmessungen, insbesondere der ACT
    -   *Niedermolekulare Heparine*:
        Präparatespezifische Antagonisierung;
        z. B. 1 mg Protamin pro 1 mg Enoxaparin innerhalb von 8 h, danach 0,5 mg.
        Die Anti-Faktor-IIa-Aktivität ist weitgehend, die Anti-Faktor-Xa-Aktivität nur teilweise neutralisierbar.
    -   *Applikation*:
        Ausschließlich langsam intravenös als Injektion über 1–3 min oder als verdünnte langsame Infusion
        Höchstens 5 mL (50 mg bzw. 5.000 IE) innerhalb von 10 min
    -   *Kinder*:
        Unzureichende Daten für eine allgemeine Dosierungsempfehlung

:::{list-table} Orientierung zur zeitabhängigen Protamin-Dosis nach intravenöser Heparingabe
:header-rows: 1
:name: Protamin-Heparin-Zeit

*   -   Zeit nach Heparin-i. v.-Gabe
    -   Anteil der ursprünglichen Protamin-Dosis
*   -   Unmittelbar
    -   100 %
*   -   Nach 60 min
    -   50 %
*   -   Nach 120 min
    -   25 %
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<!-- TODO: Protamin: Die aus der ursprünglichen Monographie übernommene Zeitstaffel ist nicht als festes Dosierschema in der österreichischen Fachinformation Protamin Meda™ (Jänner 2024) enthalten; vor klinischer Verwendung mit lokalem Heparinantagonisierungsprotokoll abgleichen. -->

Nebenwirkungen
:   -   Hypotonie, gelegentlich schwere Kreislaufdepression
    -   Bradykardie, Flush, Wärmegefühl, Übelkeit und Erbrechen
    -   Anaphylaktische oder anaphylaktoide Reaktionen bis zum Schock und Herzstillstand
    -   Bronchospasmus, Dyspnoe
    -   Pulmonal-arterielle Hypertonie bis zum Rechtsherzversagen
    -   Blutungsverstärkung bei Protaminüberschuss

Pharmakodynamik
:   Das positiv geladene Protamin bildet mit dem negativ geladenen Heparin einen Komplex, wodurch dessen gerinnungshemmende Wirkung aufgehoben wird.
    Die Wirkung tritt nach intravenöser Gabe innerhalb weniger Minuten ein.
    Bei niedermolekularen Heparinen bleibt eine relevante Anti-Faktor-Xa-Restaktivität möglich.

Pharmakokinetik
:   -   *Metabolismus*:
        Enzymatische Inaktivierung im Plasma; der Protamin-Heparin-Komplex kann dabei teilweise zerfallen
    -   *Ausscheidung*:
        Überwiegend renal, in geringerem Umfang hepatisch und biliär
    -   *Halbwertszeit*:
        Etwa 24 min für den Protamin-Heparin-Komplex nach intravenöser Gabe

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung; ausreichende klinische Daten fehlen
    -   *Stillperiode*:
        Der Übergang in die Muttermilch ist nicht bekannt.
        Die österreichische Fachinformation empfiehlt bei zwingend erforderlicher Anwendung abzustillen.

Anwendungshinweise
:   -   Vor Gabe Heparinapplikation bei schwerer Blutung unterbrechen
    -   Engmaschige Kreislaufüberwachung und sofortige Behandlungsmöglichkeit einer Anaphylaxie sicherstellen
    -   Gerinnungskontrolle mittels aPTT oder Thrombinzeit 5–15 min nach Gabe; nach Herzoperationen auch ACT
    -   Bei subkutaner Heparingabe wegen verzögerter Resorption gegebenenfalls wiederholte Protamingabe erforderlich
    -   Protaminüberschuss vermeiden, da dieser selbst Blutungen verstärken kann
    -   Verdünnung vorzugsweise mit 100–200 mL physiologischer Kochsalzlösung; unmittelbar nach Herstellung verwenden
    -   Nicht über 25 °C lagern und vor Licht schützen

Wechselwirkungen
:   -   *Heparin*:
        Gewünschte Neutralisation durch Komplexbildung
    -   *Cefazolin, andere Antibiotika und Röntgenkontrastmittel*:
        Nicht gemeinsam über denselben Zugang mischen, da Ausfällungen auftreten können

:::{danger}
Eine zu rasche Protamingabe kann schwere Hypotonie, anaphylaktische Reaktionen und pulmonale Vasokonstriktion auslösen.
Die Gabe muss unter kontinuierlicher hämodynamischer Überwachung mit unmittelbar verfügbarer Reanimationsausrüstung erfolgen.
:::

:::{seealso}
-   {ref}`Heparin`
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<!-- Quelle: Österreichische Fachinformation Protamin Meda 1000 I.E./ml, Stand Jänner 2024, Z.Nr. 8137: https://medikamente.basg.gv.at/documents/8137__DOTC_FACH_INFO.pdf -->
