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status:         final
changes:
                -   2026-10-10: Fachliche und strukturelle Überarbeitung; Abgleich mit österreichischer Fachinformation und europäischer Traumaleitlinie
                -   2026-10-11: Überarbeitung und Fact-Check (GABRIEL Sebastian)
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{raw} latex
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:::{index} single: Antifibrinolytika; Tranexamsäure
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:::{index} single: Cyklokapron
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(Tranexamsaeure)=

# Tranexamsäure


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten, Markennamen
:   -   Cyklokapron™ 100 mg / mL Injektions- und Infusionslösung

Beschreibung
:   Tranexamsäure (*TXA*) ist ein synthetisches Lysinanalogon aus der Gruppe der Antifibrinolytika.
    Die intravenöse Zubereitung enthält 100 mg / mL; Ampullen mit 5 mL enthalten 500 mg, solche mit 10 mL enthalten 1.000 mg.

Wirkung
:   Tranexamsäure hemmt die Aktivierung von Plasminogen zu Plasmin und vermindert dadurch den Abbau von Fibrin.
    Sie stabilisiert bereits gebildete Fibringerinnsel, ohne selbst die Gerinnungsfaktoren zu ersetzen oder eine Blutungsquelle zu verschließen.

Indikationen
:   -   Prophylaxe und Behandlung von Blutungen bei lokaler oder generalisierter Hyperfibrinolyse bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr
    -   Blutungen im Zusammenhang mit größeren operativen Eingriffen, insbesondere in der Herz-, Thorax-, Bauch-, HNO- und gynäkologischen Chirurgie
    -   Geburtshilfliche Blutungen
    -   Blutungen im Rahmen einer fibrinolytischen Therapie
    -   Frühzeitige Behandlung blutender Traumapatienten oder solcher mit hohem Risiko einer relevanten Blutung gemäß europäischer Traumaleitlinie
    -   Perioperative Blutungsprophylaxe bei Knie- und Hüfttotalendoprothesen ({numref}`Tranexamsaeure-perioperativ-orthopaedie`: {ref}`Tranexamsaeure-perioperativ-orthopaedie`)

Kontraindikationen
:   -   Überempfindlichkeit gegen Tranexamsäure oder einen sonstigen Bestandteil
    -   Akute venöse oder arterielle Thrombose
    -   Hyperfibrinolyse infolge einer Verbrauchskoagulopathie, sofern nicht eine ausgeprägte Fibrinolyse mit akuter schwerer Blutung überwiegt
    -   Krampfanfälle in der Anamnese
    -   Intrathekale, epidurale, intraventrikuläre oder intrazerebrale Applikation

Dosierung
:   -   **Lokale Fibrinolyse, Erwachsene**: 500–1 000 mg i. v. zwei- bis dreimal täglich
    -   **Generalisierte Fibrinolyse, Erwachsene**: 1 000 mg i. v. alle 6–8 h; die Fachinformation nennt entsprechend etwa 15 mg / kg KG
    -   **Kinder ab einem Jahr**: Laut Fachinformation etwa 20 mg / kg KG / Tag für die zugelassenen Indikationen; die Evidenz zur optimalen Dosierung ist begrenzt
    -   **Traumatische** und **postpartale Blutung**, Erwachsene: Möglichst früh und innerhalb von 3 h nach Verletzung 1.000 mg i. v. über 10 min, anschließend 1 000 mg als Infusion über 8 h gemäß europäischer Traumaleitlinie
    -   **Prophylaxe bei Knie- oder Hüfttotalendoprothese**:
        -   Vor Hautschnitt 1 000 mg langsam i. v., bei Körpergewicht über 100 kg 1 500 mg
        -   Im Aufwachraum erneut 1 000 mg langsam i. v., bei Körpergewicht über 100 kg 1 500 mg

    Die Dosis ist bei Nierenfunktionseinschränkung zu reduzieren, siehe {numref}`TAB-Tranexamsaeure-Dosisanpassung-Nierenfunktion`.
    Bei eingeschränkter Leberfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Nebenwirkungen
:   -   Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö
    -   Hypotonie bis zur Synkope, insbesondere bei zu rascher intravenöser Injektion
    -   Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich Anaphylaxie
    -   Sehstörungen einschließlich Störungen des Farbensehens
    -   Krampfanfälle, insbesondere bei hohen Dosen oder Fehlapplikation
    -   Arterielle und venöse thrombotische Ereignisse
    -   Selten berichtete akute Nierenrindennekrose

Pharmakodynamik
:   Die kompetitive Bindung an Plasminogen verhindert dessen wirksame Interaktion mit Fibrin und reduziert die Fibrinolyse.
    Das Risiko postoperativer Krampfanfälle steigt insbesondere bei hohen intravenösen Dosen in der Herzchirurgie.

Pharmakokinetik
:   Nach intravenöser Gabe werden rasch hohe Plasmakonzentrationen erreicht.
    Die Plasmaeiweißbindung beträgt etwa 3 % und beruht überwiegend auf der Bindung an Plasminogen.
    Das initiale Verteilungsvolumen liegt bei etwa 9–12 L.
    Tranexamsäure wird vorwiegend unverändert durch glomeruläre Filtration renal eliminiert; die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 3 h.
    Nach intravenöser Gabe von 10 mg / kg KG werden etwa 90 % innerhalb von 24 h renal ausgeschieden.
    Bei Niereninsuffizienz können die Plasmakonzentrationen deutlich ansteigen.

Schwangerschaft und Stillperiode
:   Tranexamsäure ist plazentagängig.
    Bei geburtshilflichen Blutungen ist die klinische Notwendigkeit gegen mögliche fetale Risiken abzuwägen.
    Die Substanz geht in die Muttermilch über; die Daten zu Auswirkungen auf gestillte Kinder sind begrenzt.
    Über eine Anwendung während der Stillzeit ist daher individuell unter Berücksichtigung des mütterlichen Behandlungsbedarfs zu entscheiden.

Anwendungshinweise
:   :::{danger} Ausschließlich intravenöse Anwendung
    Tranexamsäure darf nicht intrathekal, epidural, intraventrikulär, intrazerebral oder intramuskulär verabreicht werden.
    Versehentliche neuraxiale Applikation kann schwere Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und den Tod verursachen.
    Spritzen sind eindeutig als **nur intravenös** zu kennzeichnen und von neuraxial anzuwendenden Arzneimitteln getrennt zu halten.
    :::

    -   Die österreichische Fachinformation begrenzt die Injektionsgeschwindigkeit auf 1 mL / min, entsprechend 100 mg / min bei 100 mg / mL.
    -   Bei Traumapatienten wird die initiale Gabe von 1.000 mg über 10 min damit vereinbar durchgeführt.
    -   Bei Hämaturie aus dem oberen Harntrakt auf mögliche Obstruktion durch Blutkoagel achten.
    -   Bei langfristiger Behandlung sind bei entsprechender Indikation augenärztliche Kontrollen einschließlich Farbensehen erforderlich.
    -   Nicht mit Transfusionsblut oder penicillinhaltigen Injektionslösungen mischen.
    -   Bei ausgeprägtem Thromboserisiko oder disseminierter intravasaler Koagulopathie ist eine besonders strenge Indikationsstellung erforderlich.

Wechselwirkungen
:   -   Antikoagulanzien: Eine gleichzeitige Anwendung erfordert engmaschige fachärztliche Überwachung.
    -   Thrombolytika: Können die antifibrinolytische Wirkung antagonisieren.
    -   Hormonelle Kontrazeptiva: Bei gleichzeitiger Anwendung ist das erhöhte thrombotische Risiko zu berücksichtigen.
    -   Weitere die Hämostase beeinflussende Arzneimittel: Nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung gemeinsam anwenden.

:::{list-table} Tranexamsäure: Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion nach österreichischer Fachinformation
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:name: TAB-Tranexamsaeure-Dosisanpassung-Nierenfunktion

*   -   Serumkreatinin
    -   Serumkreatinin
    -   Intravenöse Dosierung
*   -   120–249 µmol / L
    -   1,35–2,82 mg / dL
    -   10 mg / kg KG alle 12 h
*   -   250–500 µmol / L
    -   2,82–5,65 mg / dL
    -   10 mg / kg KG alle 24 h
*   -   > 500 µmol / L
    -   > 5,65 mg / dL
    -   5 mg / kg KG alle 24 h
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<!-- Quellen:
- Österreichische Fachinformation Cyklokapron 100 mg/ml: https://medikamente.basg.gv.at/documents/13085__DOTC_FACH_INFO.pdf
- Rossaint et al., European guideline on management of major bleeding and coagulopathy following trauma, sixth edition (2023): https://doi.org/10.1186/s13054-023-04327-7
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