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                -   2026-10-07: Anpassung an einheitliche Struktur, inhaltliche Überarbeitung, Aktualisierung und Abgleich mit der Fachinformation (GABRIEL Sebastian)
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{raw} latex
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:::{index} single: Adrenalin
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:::{index} single: Epinephrin
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(adrenalin)=
(epinephrin)=

# Adrenalin (Epinephrin)


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten, Markennamen
:   Suprarenin®, L-Adrenalin, EpiPen®


Adrenalin ist ein *direkt wirksames Sympathomimetikum* (nichtselektiver Agonist),
welches *dosisabhängig* auf α- und β-Adrenorezeptoren wirkt (einschließlich der Hauptsubtypen
α₁, α₂, β₁, β₂ und β₃).
Bei niedriger Dosis überwiegen β-Effekte (β₂-Vasodilatation, ggf. sinkender diastolischer Druck), bei höherer Dosis dominiert die α₁-Vasokonstriktion.
Die organspezifische Wirkung ergibt sich aus der unterschiedlichen
Expression der jeweiligen Rezeptortypen.
Siehe {ref}`Adrenorezeptoren`.


Wirkung
:   -   Hämodynamisch wirkt es als Vasopressor (α₁-Rezeptor-abhängige Vasokonstriktion) und erhöht
        das Herzzeitvolumen durch Bindung an β₁-Rezeptoren (Inotropie und Chronotropie).


Indikationen
:   -   {ref}`Reanimation <Reanimation-Pharmaka>`: schockbarer und nicht-schockbarer Rhythmus
    -   {ref}`Anaphylaxie <Anaphylaxie>`
    -   Septischer Schock mit persistierender Hypotonie trotz adäquater Volumentherapie und anderer Vasopressor-Therapie ({ref}`Noradrenalin <Noradrenalin>`)
    -   Hämodynamisch wirksame Bradykardie, vasoplegische Hypotonie
        (Prä-Arrest-Situation)
    -   Kardiogener Schock als Rescue-Therapie
    -   Schweres Asthma bronchiale als Ultima-Ratio-Therapie
    -   Pseudokrupp (inhalativ)
    -   Schwellungen der oberen Atemwege (inhalativ)
    -   Lokale Vasokonstriktion, z. B. zur Blutstillung


Kontraindikationen
:   -   Bei vitaler Indikation, insbesondere bei Reanimation und lebensbedrohlicher Anaphylaxie, bestehen keine absoluten Kontraindikationen.
    -   Außerhalb vitaler Indikationen sind insbesondere zu berücksichtigen:
        -   Hypertonie
        -   KHK und andere relevante kardiovaskuläre Erkrankungen
        -   Tachyarrhythmien
        -   Hyperthyreose
        -   Phäochromozytom
        -   Engwinkelglaukom


Dosierung
:   Siehe {numref}`TAB-Adrenalin-Dosierung`: {ref}`TAB-Adrenalin-Dosierung`

    -   **Niereninsuffizienz**:
        Keine allgemein festgelegte Dosisanpassung
    -   **Leberinsuffizienz**:
        Keine allgemein festgelegte Dosisanpassung
    -   **Kinder**:
        Indikationsabhängige Dosierung, siehe Tabelle.
    -   **Geriatrische Patienten**:
        Besonders vorsichtige, wirkungsorientierte Titration aufgrund erhöhter kardiovaskulärer Empfindlichkeit.


:::{list-table} Adrenalin Dosierung
:header-rows: 1
:stub-columns: 1
:name: TAB-Adrenalin-Dosierung

-   -   Indikation
    -
    -   Dosis
    -   Repetition
    -   bei 70 kg KG
    -   bei 100 kg KG
-   -   Reanimation
    -   Erwachsener
    -   1 mg nach dem 3. Schock bzw. bei nicht-schockbarem Rhythmus sobald i.v./i.o.-Zugang
    -   alle 3—5 min
    -   1 mg
    -   1 mg
-   -
    -   Kinder
    -   0,010 mg / kg \
        (max. 1 mg)
    -   alle 3—5 min
    -
    -
-   -   Kardiogener Schock (Rescue-Therapie)
    -
    -   0,000025—0,0003 mg / kg / min
    -
    -   0,00175—0,021 mg / min
    -   0,0025—0,030 mg / min
-   -
    -   0,020 mg / mL

    -   0,00125—0,015 mL / kg / min

        0,075—0,9 mL / kg / h

    -

    -   0,0875—1,05 mL / min

        5,25—63 mL / h

    -   0,125—1,5 mL / min

        7,5—90 mL / h
-   -   Hämodynamisch wirksame Bradykardie, vasoplegische Hypotonie

        (Prä-Arrest-Situation)
    -   **Supra-Blitz**: \
        1 mg  / 100 ml = 0,010 mg / ml
    -   Milliliter-weise titrieren
    -   Milliliter-weise titrieren
    -
    -
-   -   Anaphylaxie
    -
    -   Erw.: 0,500 mg i.m.

        Kind: 0,010 mg / kg i.m. (max. 0,500 mg)
    -   bei persistierenden ABC-Problemen nach 5 min
    -
    -
-   -   Schweres Asthma bronchiale (Ultima Ratio)
    -
    -   Erw.: 0,010 mg i.v. titrieren oder 0,200—0,500 mg s.c./i.m.

        Kind: 0,01 mg / kg s.c./i.m. (max. 0,5 mg)
    -   nach klinischer Wirkung
    -
    -
-   -   Kruppanfall
    -
    -   0,500 mg / kg inhal., max. 5 mg

        im Vernebler mit NaCl verdünnt
    -
    -
    -
:::


Nebenwirkungen
:   -   Tachykardie, Palpitationen und Tachyarrhythmien mit erhöhtem O₂-Bedarf
    -   Blutdruckanstieg bis zur hypertensiven Krise
    -   Periphere Vasokonstriktion und Ischämie
    -   Myokardischämie und Angina pectoris
    -   Tremor, Unruhe, Angst, Kopfschmerzen und Schwindel
    -   Hyperglykämie
    -   Hypokaliämie
    -   Laktatazidose
    -   Gewebsnekrose


Pharmakodynamik
:   -   Adrenalin ist ein *direkt* wirkendes, *nichtselektives Sympathomimetikum* und Agonist an α- und β-Adrenorezeptoren:
        -   *α₁-Rezeptoren*:
            **Vasokonstriktion** mit Zunahme des systemischen Gefäßwiderstands und des arteriellen Blutdrucks.
        -   *β₁-Rezeptoren*:
            Positive **Inotropie** und **Chronotropie** mit Steigerung des Herzzeitvolumens und des *myokardialen Sauerstoffverbrauchs*.
        -   *β₂-Rezeptoren*:
            **Bronchodilatation** sowie Hemmung der Freisetzung von Mediatoren aus Mastzellen.
    -   Die resultierende Wirkung ist dosisabhängig und wird durch die unterschiedliche Expression der Rezeptorsubtypen in den jeweiligen Organen bestimmt.


Pharmakokinetik
:   -   *Wirkungseintritt*:
        Nach i.v. Gabe unmittelbar; nach i.m. Gabe rasch.
    -   *Wirkdauer*:
        Kurz aufgrund rascher Metabolisierung und Elimination.
    -   *Verteilung*:
        Rasche Verteilung im Extrazellulärraum; Adrenalin passiert die Plazenta.
    -   *Proteinbindung*:
        Etwa 50 %.
    -   *Metabolismus*:
        Rascher Abbau insbesondere durch Catechol-O-Methyltransferase (COMT) und Monoaminooxidase (MAO).
    -   *Elimination*:
        Ausscheidung der Metaboliten überwiegend renal, größtenteils in konjugierter Form.
    -   *Eliminationshalbwertszeit*:
        Im Plasma nur wenige Minuten.


Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Adrenalin passiert die Plazenta und kann durch Vasokonstriktion die uteroplazentare Perfusion vermindern.
        Bei vitaler Indikation, insbesondere bei Anaphylaxie oder Reanimation, darf die notwendige Gabe nicht verzögert werden.
    -   *Stillperiode*:
        Aufgrund der sehr kurzen Plasmahalbwertszeit und der geringen zu erwartenden oralen Bioverfügbarkeit beim Säugling ist eine Stillpause nach notwendiger Adrenalingabe in der Regel nicht erforderlich.


## Wechselwirkungen

-   Kalzium-Gabe (Arrhythmien)
-   volatile Anästhetika, v. a. Halothan (Arrhythmien)
-   Digitalis (Arrhythmien)
-   trizyklische Antidepressiva und MAO-Hemmer (verstärkte Wirkung)
-   α-Blocker (paradoxe Hypotonie)
-   Antidiabetika (Hyperglykämie)
-   Kokain
-   Natriumhydrogencarbonat: chemisch inkompatibel, nicht über denselben Zugang!


:::{warning}
-   Bei Patienten unter Betablocker-Therapie kann die α-Rezeptor-Wirkung überwiegen und eine ausgeprägte Vasokonstriktion bzw. Hypertonie verursachen.
-   Eine versehentliche paravasale Gabe kann durch ausgeprägte lokale Vasokonstriktion zu Ischämie und Gewebsnekrose führen.
-   Die lokale Anwendung zur Vasokonstriktion in Endstromgebieten ist präparate- und situationsabhängig zu beurteilen; die Fachinformation des verwendeten Präparats ist zu beachten.
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