---
status:         final
changes:
                -   2026-10-10: Überarbeitung (GABRIEL Sebastian)
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
---


:::{raw} latex
\clearpage
:::


:::{index} single: Amiodaron
:::

(amiodaron)=

# Amiodaron


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
:::



Spezialitäten, Markennamen
:   Amiodaron-hameln 50 mg / ml (150 mg / 3 ml), Konzentrat zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung.

Amiodaron ist ein *Klasse-III-Antiarrhythmikum* mit zusätzlichen Klasse-I-, -II- und -IV-Eigenschaften.
Bei präexzitiertem Vorhofflimmern (*FBI-Tachykardie*) besteht die Gefahr der Beschleunigung der Überleitung über die akzessorische Bahn bis zum Kammerflimmern.

Wirkung
:   -   Antiarrhythmische Wirkung auf atriale und ventrikuläre Rhythmusstörungen
    -   Verlängerung der Refraktärzeit und des QTc-Intervalls
    -   Verlangsamung der sinuatrialen und AV-nodalen Erregungsleitung

Indikationen
:   -   Atriale Arrhythmien, einschließlich Vorhofflimmern und -flattern, unter Berücksichtigung der konkreten Fachinformation
    -   AV-nodale Tachykardien, unter Berücksichtigung der konkreten Fachinformation
    -   Ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern
    -   Schockrefraktäres Kammerflimmern bzw. pulslose ventrikuläre Tachykardie während der Reanimation

Kontraindikationen
:   -   **Präexzitiertes Vorhofflimmern / FBI-Tachykardie** (Gefahr von Kammerflimmern)
    -   Sinusbradykardie, sinuatrialer Block und Sick-Sinus-Syndrom ohne Schrittmacher
    -   Höhergradige AV-Überleitungsstörungen ohne Schrittmacher
    -   Schilddrüsenfunktionsstörungen
    -   Schwere arterielle Hypotonie, Kreislaufkollaps bzw. relevante kardiale Dekompensation außerhalb der Reanimation, insbesondere bei i.v. Bolusgabe
    -   Schwangerschaft und Stillzeit, soweit nicht eine zwingende Notfallindikation vorliegt
    -   Neugeborene bei benzylalkoholhaltigen Injektionspräparaten
    -   Kombination mit bestimmten QT-verlängernden Arzneimitteln (präparatespezifische Fachinformation)

Dosierung
:   -   *Reanimation, schockbarer Rhythmus*:
        300 mg i.v./i.o. nach dem dritten Schock.
        Bei fortbestehendem schockbarem Rhythmus einmalig weitere 150 mg i.v./i.o. gemäß Reanimationsalgorithmus.
    -   *Sonstige tachykarde Rhythmusstörungen, i.v.*:
        5 mg / kg als Infusion über 20—120 min, verdünnt in 250 ml Glukose 5 %.
        Anschließend gegebenenfalls wiederholte Infusionen bis 1.200 mg / 24 h
    -   *Notfallinjektion außerhalb der Reanimation*:
        150—300 mg in 10—20 ml Glukose 5 % über mindestens 3 min; nur unter kontinuierlichem Monitoring und nach Maßgabe der Fachinformation.
    -   *Kinder und Jugendliche*:
        Off-label.
        Initial 5 mg / kg über 20 min bis 2 h; anschließend 10—15 mg / kg / d.
        Bei Neugeborenen benzylalkoholhaltige Präparate vermeiden.
    -   *Niereninsuffizienz*:
        keine Dosisanpassung.
    -   *Leberinsuffizienz*:
        keine routinemäßige Dosisanpassung; Leberfunktion überwachen.

Nebenwirkungen
:   -   Bradykardie, AV-Block, Hypotonie und proarrhythmische Effekte
    -   QTc-Verlängerung, selten Torsade-de-pointes-Tachykardie
    -   Hypo- oder Hyperthyreose
    -   Pulmonale Toxizität bis zur Lungenfibrose
    -   Hepatotoxizität bis zum Leberversagen
    -   Schwere Hautreaktionen

Pharmakodynamik
:   -   *Klasse III*:
        Blockade kardialer Kaliumkanäle; Verlängerung von Aktionspotential und Refraktärzeit.
    -   *Zusätzliche Effekte*:
        Natriumkanalblockade (Klasse I), antiadrenerge Wirkung (Klasse II) und Calciumkanalblockade (Klasse IV).
    -   *AV-Knoten*:
        Verlangsamung der Erregungsleitung; bei präexzitiertem Vorhofflimmern potenziell gefährlich.
    -   {term}`🗎 FI AmiodaronHameln 2020`

Pharmakokinetik
:   -   *Verteilung*:
        Hohe Gewebeaffinität, ausgeprägte Kumulation.
    -   *Eliminationshalbwertszeit*:
        Etwa 20—100 d.
    -   *Elimination*:
        Vorwiegend hepatisch/biliär; geringer renaler Anteil.
    -   *Wirkungseintritt*:
        Nach i.v. Gabe etwa 15 min
    -   *Interaktionen*:
        Hemmung mehrerer CYP-Isoenzyme und von P-Glykoprotein.
    -   {term}`🗎 FI AmiodaronHameln 2020`

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Strenge Indikationsstellung; Amiodaron passiert die Plazenta.
    -   *Stillperiode*:
        Amiodaron geht in die Muttermilch über; Fachinformation beachten.

Anwendungshinweise
:   -   I.v. Gabe unter EKG- und Blutdruckmonitoring.
    -   Für die Verdünnung Glukose 5 % verwenden; präparatespezifische Kompatibilität beachten.
    -   Außerhalb der Reanimation wegen Hypotonierisiko nach Möglichkeit kontrollierte Infusion statt schneller Bolusgabe.

Wechselwirkungen
:   -   Andere QT-verlängernde Substanzen: erhöhtes proarrhythmisches Risiko.
    -   Betablocker, Verapamil und Diltiazem: Bradykardie und AV-Block.
    -   Digoxin und Flecainid: erhöhte Wirkstoffspiegel möglich.
    -   Warfarin: verstärkte Antikoagulation möglich.
    -   Hypokaliämie bzw. Hypomagnesiämie durch Diuretika, Kortikosteroide oder Amphotericin B: erhöhtes Arrhythmierisiko.
    -   {term}`🗎 FI AmiodaronHameln 2020`

Intoxikation
:   -   *Symptome*:
        Bradykardie, Hypotonie, AV-Block, QT-Verlängerung, ventrikuläre Arrhythmien.
    -   *Therapie*:
        Intensivmedizinisches Monitoring, Kreislaufunterstützung, gegebenenfalls Pacing.
    -   *Dialyse*:
        Nicht effektiv.
    -   {term}`🗎 FI AmiodaronHameln 2020`

:::{danger} Amiodaron und präexzitiertes Vorhofflimmern
Bei {ref}`FBI-Tachykardie <Fbi-Tachykardie>` (*Fast, Broad, Irregular*) kann die AV-nodale Blockade die Überleitung über eine akzessorische Bahn begünstigen und Kammerflimmern auslösen.
**Amiodaron nicht zur Behandlung von präexzitiertem Vorhofflimmern verwenden.**
Bei hämodynamischer Instabilität elektrische Kardioversion.
Bei stabilen Patienten kommen je nach Verfügbarkeit und Leitlinie andere Strategien infrage.
Siehe auch {ref}`Ajmalin <Ajmalin>`.
:::

