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status: final
changes:
                -   2026-10-10: Monographie strukturell und fachlich überarbeitet; offene Abgleiche gekennzeichnet
maintainer:     GABRIEL Sebastian (interim)
authors:
                -   GABRIEL Sebastian
copyright:      Critical Care Club Austria — Verein zur Förderung der Versorgung kritisch Kranker und Verletzter (CCCA)
license:        Creative Commons Namensnennung-Share Alike 4.0 International <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode.de>
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:::{index} single: Anästhesie; dissoziative
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(Ketamin-S)=

# Ketamin, S- (Esketamin)


:::{sidebar} Achtung!

Angaben ohne Gewähr!
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Spezialitäten, Markennamen
:   Ketanest S™; weitere Esketamin-Präparate.
    Unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen beachten.

Esketamin ist das S-(+)-Enantiomer von Ketamin und wirkt dosisabhängig *analgetisch*, *sedierend* und *dissoziativ-anästhetisch*.
Die sympathomimetische Kreislaufwirkung ist bei katecholaminerschöpften Patienten nicht zuverlässig.


:::{danger}
Unterschiedliche Konzentrationen im Handel!
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Wirkung
:   -   Dissoziative Anästhesie mit Analgesie und Amnesie
    -   Bronchodilatation
    -   Häufig Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck
    -   Relativ geringe Atemdepression bei alleiniger Gabe; Atemwegsreflexe sind **nicht zuverlässig erhalten**


Indikationen
:   -   Einleitung und Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie, gegebenenfalls in Kombination mit anderen Anästhetika
    -   Analgesie in Notfallmedizin und perioperativer Versorgung
    -   Analgosedierung bei beatmeten Patienten
    -   Therapierefraktärer Bronchospasmus bzw. Status asthmaticus als zusätzliche Therapie im Einzelfall


Kontraindikationen
:   -   Erkrankungen, bei denen ein Blutdruck- oder Herzfrequenzanstieg eine erhebliche Gefährdung darstellt
    -   Relativ bei akutem Koronarsyndrom, relevanter koronarer Herzkrankheit und dekompensierter Herzinsuffizienz
    -   Relativ bei erhöhtem intrakraniellem Druck.
        Ein erhöhter ICP ist per se keine Kontraindikation mehr.
    -   Erhöhter intraokulärer Druck und penetrierende Augenverletzungen
    -   Psychotische Erkrankungen: Risiko psychotomimetischer Reaktionen berücksichtigen
    -   Präeklampsie und Eklampsie
    -   unbehandelte Hyperthyreose
    -   Situationen, die einen relaxierten Uterus erfordern


Dosierung
:   -   *Analgesie, i.v.*:
        0,100–0,250 mg / kg, langsam titrieren
    -   *Analgesie, i.m.*:
        0,250–0,500 mg / kg
    -   *Anästhesieeinleitung*:
        0,500–1,000 mg / kg, i.v., abhängig von Begleitmedikation und Kreislaufsituation titrieren.
        -   Kinder: 1–3 mg / kg i.v.
        -   i.m.:
            2–4 mg / kg, i.m.;
            Bei unkooperativem Kind: 5–12 mg / kg i.m.
    -   *Repetition*:
        Nach Wirkung und Monitoring titrieren; z.B. halbe Initialdosis.
    -   *Bronchospasmus*:
        0,5–1 mg / kg, bis 2,5 mg / kg

Nebenwirkungen
:   -   Tachykardie, Hypertonie; bei Katecholaminmangel auch Hypotonie und Kreislaufdepression
    -   Hypersalivation, Übelkeit und Erbrechen
    -   Psychotomimetische Aufwachreaktionen, Albträume, Halluzinationen
    -   Nystagmus, erhöhter Muskeltonus und unwillkürliche Bewegungen
    -   Atemdepression, Apnoe oder Laryngospasmus, insbesondere bei schneller i.v.-Gabe, Kombination mit Sedativa oder Atemwegsmanipulation

Pharmakodynamik
:   -   *Wirkmechanismus*:
        Vorwiegend nichtkompetitiver Antagonismus am NMDA-Rezeptor.
        Kein primärer GABA-A-Agonismus.
    -   *ZNS*:
        Dissoziation sensorischer Verarbeitung mit Analgesie und Amnesie.
    -   *Kreislauf*:
        Überwiegend indirekte sympathomimetische Effekte; direkte negativ inotrope Wirkung kann bei Katecholaminmangel klinisch hervortreten.
    -   *Respiration*:
        Bronchodilatation; Spontanatmung und Schutzreflexe können erhalten bleiben, sind aber nicht garantiert.
    -   Racemat: Esketamin ist etwa doppelt so potent wie das Racemat Ketamin

Pharmakokinetik
:   -   *Wirkungseintritt*:
        Nach i.v.-Gabe üblicherweise innerhalb von etwa 1 min; nach i.m.-Gabe verzögert.
    -   *Verteilung*:
        Hohe Lipophilie, rasche Verteilung ins ZNS und anschließende Umverteilung.
    -   *Metabolismus*:
        Hepatisch, unter anderem zu Norketamin.
    -   *Elimination*:
        Überwiegend renal als Metaboliten.
    -   *Eliminationshalbwertszeit*:
        Ungefähr 2–3 h; präparate- und patientenabhängig.

Schwangerschaft und Stillperiode
:   -   *Schwangerschaft*:
        Strenge Indikationsstellung; geburtshilfliche Anwendung und fetale Risiken gemäß Fachinformation beurteilen.
    -   *Stillperiode*:
        Präparatespezifische Fachinformation beachten.

Anwendungshinweise
:   -   Atemwegssicherung, Beatmungsmöglichkeit und kontinuierliches Monitoring gewährleisten.
    -   **Unterschiedliche Konzentrationen im Handel**: Ampulle und aufgezogene Konzentration vor Gabe prüfen.
    -   Benzodiazepine können psychotomimetische Reaktionen vermindern, verstärken aber in Kombination das Risiko einer Atemdepression.
    -   Anticholinergika zur Sekretreduktion nicht routinemäßig, sondern bei klinischer Indikation erwägen.

:::{warning} Atemwegsreflexe
Eine dissoziative Anästhesie garantiert weder freie Atemwege noch erhaltene Schutzreflexe.
Auch unter Esketamin sind Apnoe, Aspiration und Laryngospasmus möglich.
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