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# Endokrin

(allgemeine-anatomie-11)=

## Allgemeine Anatomie

Man kann bei Drüsen vier verschiedene *Arten der Beeinflussung von Zellen* unterscheiden:

- autokrine Sekretion: Beeinflussung der Zelle selbst
- parakrine Sekretion: Beeinflussung benachbarter Zellen
- endokrine Sekretion: Beeinflussung von Zellen über den Blutkreislauf
- exokrine Sekretion: Abgabe von Sekreten an äußere oder innere
  Körperoberflächen

Zum Hormonsystem gehören lediglich *endokrine Drüsen*. Hormone sind Signal- oder Botenstoffe. Im Gegensatz zum vegetativen Nervensystem, das auch Organfunktionen des Körpers reguliert, ist das Hormonsystem für eine langsamere und dafür länger andauernde Beeinflussung der Stoffwechselvorgänge und Organfunktionen zuständig.

Über *Rückkopplungsvorgänge* werden die Hormonspiegel im Körper gesteuert.

Man kann die Hormone anhand ihrer Affinität zu Wasser und Fett auch einteilen in:

- *Lipophile Hormone*: spezifischer Rezeptor im Zellinneren, Einfluss
  auf Zellwachstum und -vermehrung (Gentranskription).
- *Hydrophile Hormone*: Bindung an Rezeptor an Außenseite der Zelle,
  braucht im Inneren der Zelle einen zweiten Botenstoff (second
  messenger), beeinflussen Aktivität der Zelle (Stoffwechsel)

Hormone können auch aufgrund ihres *Bildungsortes* differenziert werden:

- Hormondrüsen → klassische Hormone
- hormonproduzierende Gewebe
- hormonproduzierende Einzelzellen

:::{list-table} klassische endokrine Hormone
:header-rows: 0

*   -   klassische endokrine Hormone
    -
    -
*   -   Hypothalamus
    -   ADH (Adiuretin, Vasopressin)
    -   hydrophil
*   -   Oxytocin
    -   hydrophil
    -
*   -   Hypophysenvorderlappen
    -   adrenokortikotropes Hormon (ACTH, Kortikotropin)
    -   hydrophil
*   -
    -   thyreoideastimulierendes Hormon (TSH, Thyreotropin)
    -   hydrophil
*   -
    -   follikelstimulierendes Hormon (FSH, Follitropin)
    -   hydrophil
*   -
    -   luteinisierendes Hormon (LH, Lutropin)
    -   hydrophil
*   -
    -   somatotropes Hormon (STH, Somatotropin)
    -   hydrophil
*   -
    -   melanozytenstimulierendes Hormon (**β**-MSH, Melanotropin)
    -   hydrophil
*   -
    -   Prolaktin (PRL)
    -   hydrophil
*   -   Epiphyse
    -   Melatonin
    -   hydrophil
*   -   Schilddrüse
    -   Thyroxin und Triiodthyronin
    -   lipophil
*   -
    -   Calzitonin
    -   hydrophil
*   -   Nebenschilddrüse
    -   Parathormon
    -   hydrophil
*   -   Nebenniere
    -   Mineralo- und Glukokortikoide
    -   lipophil
*   -
    -   Androgene
    -   lipophil
*   -
    -   Adrenalin und Noradrenalin
    -   hydrophil
*   -   Langerhans-Inseln des Pankreas
    -   Insulin, Glukagon und Somatostatin
    -   hydrophil
*   -   Eierstöcke
    -   Östrogene und Gestagene
    -   lipophil
*   -   Hoden
    -   Androgene
    -   lipophil
*   -   Plazenta
    -   Choriongonadotropin, Progesteron
    -   hydrophil, lipophil
*   -   hormonbildende Gewebe und Einzelzellen
    -
    -
*   -   zentrales und autonomes Nervensystem
    -   neuronale Überträgersubstanzen (Transmitter)
    -   hydrophil
*   -   Teile des Zwischenhirns (Hypothalamus!)
    -   Steuerhormone (Liberine und Statine)
    -   hydrophil
*   -   System der GI-Zellen im Magen-Darm-Trakt
    -   Gastrin, Cholezystokinin, Sekretin
    -   hydrophil
*   -   Herzvorhöfe
    -   atriales natriuretisches Peptid
    -   hydrophil
*   -   Niere
    -   Erythropoetin, Renin
    -   hydrophil
*   -   Leber
    -   Angiotensinogen, Somatomedine
    -   hydrophil
*   -   Immunorgane
    -   Thymushormone, Zytokine, Lymphokine
    -   hydrophil
*   -   Gewebshormone
    -   Eikosanoide, Prostaglandine, Histamin, Bradykinin
    -   hydrophil
:::

Diese Hormone werden auch aufgrund ihres Wirkungsortes unterschiedlich bezeichnet:

- im endokrinen System = endokrine Hormone → Hormone
- im Nervensystem (ZNS bzw. VNS) = neurokrines System → Transmitter,
  Neuromodulatoren
- im Immunsystem = autokrin-parakrines System → Zytokine, Lymphokine,
  Monokine

## Hormondrüsen des Körpers

### Hypothalamus-Hypophysen-System

Diese System ist das zentrale Steuerungsorgan des endokrinen Haushalt.
Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns (Diencephalon). Über *Liberine* wird die Freisetzung von Hypophysenhormonen gefördert, über *Statine* gehemmt. Der Hypothalamus produziert auch selbst zwei sogenannte *Effektorhormone (Vasopressin / Adiuretin und Oxytocin)*, die jedoch über das Infundibulum (Hypophysenstiel) in den Hypophysenhinterlappen transportiert werden und erst dort ausgeschüttet werden.

### Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)

Die Hypophyse ist ca. erbsengroß (1g) und liegt auf der *Schädelbasis*
(Sella turcica, Türkensattel) direkt über dem Sinus sphenoidalis.

Über den *Hypophysenstiel* (Infundibulum) ist sie mit dem Hypothalamus verbunden. Sie kann in *zwei Anteile* untergliedert werden:

- *Neurohypophyse (Hypophysenhinterlappen, HHL)*: schüttet Adiuretin /
  Vasopressin, Oxytocin aus = Effektorhormone. Diese werden NICHT in
  der Hypophyse gebildet und sind daher nicht-glandotrope Hormone!!!

  - Oxytocin: stimuliert Kontraktion von Uterus, Milchdrüsen und
    Samenkanälchen
  - Adiuretin / Vasopressin / ADH: stimuliert renale Wasserresorption,
    führt in hohen Konzentrationen zur Vasokonstriktion

- *Adenohypophyse (Hypophysenvorderlappen, HVL)*: = Steuerhormone

  - nicht-glandotrope Hormone: Somatotropin (STH) / Wachstumshormon
    (GH), Prolaktin, Melanotropin

    - Somatotropin: stimuliert Wachstum u.a.
    - Prolaktin: Stimuliert Brustdrüse u.a.

  - glandotrope Hormone: Follikelstimulierendes Hormon (FSH),
    Luteinisierendes Hormon (LH), Adenokortikotropes Hormon (ACTH),
    Thyroideastimulierendes Hormon (TSH)

### Epiphyse (Zirbeldrüse)

Auch Corpus pineale bzw. Glandula pinealis genannt. Hat ungefähr die Größe eines Maiskorns und die Form eines Pinienzapfens (daher der Name).
Sie ist Teil des Zwischenhirns (Diencephalons). Produzent des *Melatonins (Ausschüttung bei Nacht)*, reguliert den Tag- und Nacht-Rhythmus („biologische Uhr“). Die Produktion von Melatonin nimmt mit dem Alter ab.

### Glandula thyroidea (Schilddrüse) und Glandula parathyroidea (Nebenschilddrüse)

Die Schilddrüse liegt direkt vor dem Schildknorpel und ist zwischen 15 bis 60 → schwer. Sie wird in zwei Lappen unterteilt, die medial über einen Isthmus verbunden sind. Die Schilddrüsenhormone *Thyroxin
(T*{sub}`4`*)* und *Triiodthyronin (T*{sub}`3`*)* stimulieren den Zellstoffwechsel. Zur Bildung von Thyroxin und Triiodthyronin benötigt der Körper Iod. Die C-Zellen der Schilddrüse produzieren *Calcitonin*, das den Blutkalziumspiegel beeinflusst (Senkung).

- Thyroxin (inaktiv, 4 Iodmoleküle) und Triiodthyronin (aktiv, 3
  Iodmoleküle): Steigerung des Stoffwechsels, der Herzfrequenz sowie
  der Herzkraft u.a.
- Calcitonin steigert Calciumphosphat-Einlagerung in den Knochen und
  senkt daher den Blutkalziumspiegel.

Die *Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae*, insg. 4) sind ungefähr linsengroß sitzen jeweils auf den Schilddrüsenpolen. Sie beeinflussen mit ihrem *Parathormon* den Kalzium- und Phosphathaushalt.
Parathormon ist der Antagonist des Calcitonins und stimuliert die Osteoklasten zum Knochenabbau und erhöht somit den Blutkalziumspiegel.

### Nebennieren (Glandula adrenalis / suprarenalis)

:::{margin} Nebennieren
- Mineralokortikoide: Aldosteron
- Glukokortikoide: Kortisol
- Verbindung veg. Nervensystem — Hormonsystem:
  Adrenalin, Noradrenalin
- Sexualhormone (Androgene, Östrogene)
:::

```{eval-rst}

Die Nebennieren sind paarig und liegen auf dem oberen Pol der Nieren.
```

Die Nebennieren sind paarig und liegen auf dem oberen Pol der Nieren.
Eine Nebenniere wiegt ca. 5 g.
Innerhalb der Nebenniere kann man zwischen *Nebennierenrinde* und *Nebennierenmark* unterscheiden.
Trotz ihrer Nähe zur Niere haben die Nebennieren keine Verbindung zum Harntrakt und erfüllen gänzlich andere Funktionen.

Die Nebenniere ist gegliedert in:

- **Nebennierenrinde**:
  80 %, produziert *Steroidhormone*.
  Von außen nach innen:

  - Zona *glomerulosa*: **Mineralokortikoide** (*Aldosteron*) → beeinflusst
    den Wasserhaushalt durch Kalium-Ausscheidung und
    Natrium-Rückgewinnung in den Nieren.
  - Zona *fasciculata*: **Glukokortikoide** (*Kortisol*) → reguliert
    Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel; Sie erhöhen den
    Blutzuckerspiegel, senken die Lymphozytenzahl im Blut und hemmen
    die Phagozytose. Sie wirken daher entzündungshemmend und
    abwehrhemmend. Ihre Ausschüttung erfolgt über einen zirkadianen
    Rhythmus.
  - Zona *reticularis*: Androgene und Östrogene

- **Nebennierenmark**: 20 %,
  **Verbindungsstelle** von
  **vegetativem Nervensystem** und **Hormonsystem**:
  Produktion von **Adrenalin** (80 %) und
  **Noradrenalin** (20 %), vgl. {ref}`Adrenorezeptoren`.

(pankreas-endokrin)=

### Pankreas (Bauchspeicheldrüse): Endokrine Funktion

Zur allgemeinen Anatomie und exokrinen Funktion des Pankreas siehe {ref}`Pankreas`.

Die Bauchspeicheldrüse bildet eine Kreuzungsstelle zwischen endokrinem und exokrinem System. Exokrin ist sie zuständig für die Bildung von Enzymen zur Fett- und Proteinverdauung, endokrin — in den *Langerhans-Inseln* (ca. 1-2 Mio. Stk.) — bildet sie:

- in den B-Zellen (60 %):
  **Insulin**,
  bewirkt die Aufnahme von Blutzucker in die Zellen
- in den A-Zellen (25 %):
  **Glukagon**, Antagonist von Insulin,
  bewirkt die Ausschüttung von Zucker aus den Zellen ins Blut
  und aktiviert die Glukoneogenese in der Leber, wobei Glykogen in Glukose umgewandelt wird.
- in den D-Zellen (15 %): Somatostatin, beeinflusst die Ausnutzung von
  aus dem Darm aufgenommenen Nährstoffen

Die Hormine Insulin und Glukagon sind dafür verantwortlich, dass der Blutzuckerspiegel möglichst konstant ist (60-100 mg / 100 ml).

- *Insulin*: fördert Glukoseaufnahme in die Zellen (senkt Blutzucker),
  fördert Speicherung aufgenommener Nahrung in Form von Glykogen und
  Fett, fördert Glykogensynthese in Leber.
- *Glukagon*: fördert Glukoseausschüttung aus den Zellen (erhöht
  Blutzucker), mobilisiert Energiereserven während Hungerphasen bzw.
  Stress, fördert den Abbau von Glykogen in der Leber zu Glukose
  (erhöht Blutzucker).

### Geschlechtsorgane

Geschlechtshormone beeinflussen die *Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, das Wachstum, die körperliche und seelische Reife sowie die Fortpflanzung*.

- Ovarien: Östrogene (Östradiol), Gestagene (Progesteron), Androgene
  (gering)
- Plazenta: Progesteron, Choriongonadotropin
- Hoden: Androgene (Testosteron, Dihydrotestosteron), Östrogene und
  Gestagene (gering)

### Weitere Hormonbildner

- Nervensystem → Transmitter
- Immunzellen: Zytokine, Lymphokine, Monokine
- Niere: Erythropoetin, Renin
- Leber: Angiotensin, Somatomedin
- Gewebshormonproduzierende Zellen: z.B. Prostaglandin, Histamin
- Herz: atriales natriuretisches Peptid (ANP) → in den Herzohren, Brain
  Natriuretic Peptide (BNP) → in den Herzventrikel
