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status: final
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(untere-extremitaet)=

# Untere Extremität (Membrum inferius)

Das Bein gilt als freie untere Extremität und kann in mehrere Bereiche eingeteilt werden - **Oberschenkel** (Femur), **Unterschenkel** (Crus) und **Fuß**
(Pes). Beim Fuß unterscheidet man weiters die *Fußwurzel* (*Tarsus*), den *Mittelfuß* (*Metatarsus*) und die *Zehen* (*Digiti*).

:::{figure} ../../../Submodules/3134-medical-picture-collection/PD/Human_skeleton_lower-extr-edited.\*
:align: right
:width: 50%

Der Beckengürtel und die untere Extremität

© Mariana Ruiz Villarreal ℓ Public domain
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Zur unteren Extremität gehören folgende Skelett-Anteile:

- Pelvis (Beckenring): s. u.
- Femur (Oberschenkelknochen):
  längster und stärkster Knochen des menschlichen Körpers, CCD-Winkel (Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel)
- Patella (Kniescheibe): größtes Sesambein des menschlichen Körpers
- Tibia (Schienbein)
- Fibula (Wadenbein)
- Fußskelett:

  - Ossa tarsi (Fußwurzelknochen): 7
  - Talus (Sprungbein)
  - Calcaneus (Fersenbein)
  - Os naviculare (Kahnbein)
  - Os cuneiforme mediale, intermedium, laterale (Keilbeine)
  - Os cuboideum (Würfelbein)
  - Ossa metatarsi (Mittelfußknochen) I-V
  - Ossa digitorum (Zehenknochen):
    Phalanx proximalis, distalis I-V; media nur II-V (insg. 14 Ossa digitorum)!





## Knochen

### Beckenknochen (Os coxae)

Das **Os coxae** besteht aus drei verschiedenen Knochenteilen:
- **Os ilium** (*Darmbein*)
  - [Corpus, Ala mit Facies glutea und Fossa iliaca, Crista iliaca mit der Spina iliaca anterior superior und der Spina iliaca anterior inferior, Spina iliaca posterior superior und der Spina iliaca posterior inferior.]{.deep}
- **Os pubis** (*Schambein*)
  - [Corpus, Ramus superior und inferior.]{.deep}
- **Os ischii** (*Sitzbein*)
  - [Corpus, Spina ischiadica, Ramus ischiadicum mit dem Tuber ischiadicum.]{.deep}

Diese teile treffen im Bereich des **Acetabulums** (*Hüftgelenkpfanne*) aufeinander.
Dort verknöchert zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr die Wachstumsfuge (Y-Fuge).

Strukturen des Acetabulum
: Limbus acetabuli, Fossa acetabuli, Fascies lunata, Incisura acetabuli verschlossen durch das Lig. transversum acetabuli (bildet somit einen Teil der Gelänksfläche des Hüftgelenks!)

Foramen obturatorium





### Femur

Der **Femur** (*Oberschenkelknochen*) bildet als einziger Knochen den Oberschenkel.
Er ist gekenzeichnet durch einen ausgeprägten **Schenkelhals** mit "Knick" zwischen Kopf-Hals-Bereich und Körper.
Proximal ist der Femur am Hüftgelenk beteiligt, distal endet er im Kniegelenk.

Veränderungen im Winkel zwischen Collum und Corpus (CCD) - beim Kind ca. 150°, beim Erwachsenen ca. 126° und beim alten Menschen unter 126°.

Strukturen:
- *Extremitas proximalis*: Caput femoris, Fovea capitis femoris, Collum femoris, Trochanter major, Trochanter minor, Linea intertrochanterica
(ventral), Crista intertrochanterica (dorsal)
- *Corpus femoris*: Linea aspera (dorsal)
- *Extremitas distalis*: Condylus medialis, Condylus lateralis, Facies patellaris (ventral), Fossa intercondylaris (dorsal), Epicondylus medialis, Epicondylus lateralis.





### Patella

Die **Patella** (*Kniescheibe*)  für eine bessere Kraftübertragung des Kniestreckers.

- Basis patellae
- Apex patellae
- Facies anterioris patellae
- Facies posterioris patellae mit der Gelenkfläche





### Unterschenkel: Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula)

Der **Unterschenkel** wird von der **Tibia**[^tibia] (*Schienbein*)
und der **Fibula** [^fibula] (*Wadenbein*)
gebildet.
Sie gehen im Sprunggelenk in den Fuß über und bilden dort den **Innen-**
(Tibia, {dfn}`Malleolus medialis`)
und den *Außenknöchel* (Fibula, {dfn}`Malleolus lateralis`).
Die Tibia und Fibula sind über die Zwischenknochenmembran
(Membrana interossea) verbunden.

[^tibia]: Extremitas proximalis: Condylus medialis, Condylus lateralis, Eminentia
    intercondylaris, Facies articularis fibularis, Tibiaplateau.

    Corpus tibiae: Tuberositas tibiae

    Extremitas distalis: Malleolus medialis, Facies articularis inferioris
    tibiae, Incisura fibularis

[^fibula]: Extremitas proximalis: Caput fibulae, Collum fibulae, Facies articularis
    capitis fibulae.

    Corpus fibulae

    Extremitas distalis: Malleolus lateralis.






### Ossa tarsi

Der Fuß zeigt 2 Gewölbe - das Längsgewölbe und das Quergewölbe

fibularer / lateraler Strahl: Clacaneus, Os cuboideum.

tibialer / medialer Strahl: Talus, Os naviculare, Os cuneiforme mediale, intermedium und laterale






### Ossa metatarsi

Zeigen jeweils ein Caput, ein Corpus und eine Basis.






### Ossa digiti

-   mit Phalanx proximalis und distalis:

    -   Hallux

-   mit Phalanx proximalis, media und distalis:

    - Digitus secundus
    - Digitus tertius
    - Digitus quartus
    - Digitus quintus






(beckenboden)=
(beckenguertel)=
(beckenring)=

## Pelvis (Beckenring)

Das Becken ist ein ringförmiger Knochenverbund bestehend aus den beiden *Ossa coxae* (Hüftknochen) sowie dem *Os sacrum*.
Sie sind über die *Artt. sacroiliacae (Iliosakralgelenke)* sowie über die **Symphyse** (*Symphysis pubica*, *Schambeinfuge*) zum Beckenring verbunden.
Die Symphyse stellt eine straffe Knorpelverbindung vorne zwischen den beiden Beckenknochen dar (Dehnungsfuge, für Geburtsvorgang notwendig).
Dieser ist normalerweise um 60° geneigt.

{.deep}
Dieser Ring wird durch mehrere Bänder stabilisiert: Lig. sacroiliacae ant., Ligg. sacroiliacae interossea, Lig. sacroiliacae post., Lig. iliolumbale, Lig. sacrotuberale, Lig. sacrospinale.

Im Beckenraum kann man zwei Bereiche unterscheiden.
Das **große Becken** wird von den Beckenschaufeln eingefasst.
Dieser Bereich wird noch zum *Abdomen* gerechnet.
Die *Linea terminalis* grenzt das große vom **kleinen Becken** ab.
Sie führt vom Promontorium über die Linea arcuata und die Crista pubica zur Symphyse und umrahmt die Apertura pelvis superior (Beckeneingangsebene).
Die Beckenausgangsebene (Apertura pelvis inferior) wird vom muskulären Beckenboden verschlossen.

Im Vergleich zwischen Mann und Frau weist das Becken spezifische *Geschlechtsunterschiede* auf.
In seiner Gesamtform ist das Becken der Frau eher breiter als hoch, beim Mann eher höher als breit, das kleine Becken ist in Vorbereitung auf die Geburt bei der Frau geräumiger.
Die Beckeneingangsebene hat bei der Frau eine querovale Form, beim Mann eher längsoval.
Das Foramen obturatorium ist beim Mann rundlich, bei der Frau queroval.
Der augenscheinlichste Unterschied beim knöchernen Becken ist der Arcus pubicus (bei der Frau, 90—100°) bzw. Angulus subpubicus (beim Mann, kleiner als 70°).

Das Becken wird nach kaudal durch den *Beckenboden* — mehrere Schichten von Bindegewebe und Muskulatur — verschlossen.
Von superficial nach profund unterscheidet man:

- *Diaphragma pelvis*: trichterförmig, wichtig für Bauchpresse, trägt
  Last der Beckeneingeweide, haben somit eine Schutzfunktion, wirken
  dynamisch beim Verschluss des Rektums mit.

  - [M. levator ani: M. puborectalis, M. pubococcygeus, M.
    iliococcygeus]{.deep}
  - [M. ischiococcygeus]{.deep}

- *Diaphragma urogenitale*:

  - [M. transversus perinei profundus]{.deep}
  - [M. transversus perinei superficialis]{.deep}
  - [Centrum perinei]{.deep}

- *Sphinkter- und Schwellkörpermuskulatur*:

  - M. sphincter ani externus
  - [M. bulbospongiosus]{.deep}
  - [M. isciocavernosus]{.deep}





## Gelenke

### Articulatio coxae (Hüftgelenk)

Das Hüftgelenk verbindet Acetabulum und Caput femoris gelenkig.
Es ist ein *Kugelgelenk (Nussgelenk)* und ermöglicht folgende Gelenke: Flexion \- Extension, Abduktion - Adduktion, Rotation.

Das *Labrum acetabuli (Gelenklippe)* vergrößert wie beim Schultergelenk die Gelenkfläche.

Folgende Bänder stabilisieren das Gelenk:

- Lig. iliofemorale: stärkstes Band des menschlichen Körpers
  (ca. 350 kg)
- Lig. pubofemorale
- Lig. ischiofemorale
- Zona orbicularis
- Lig. capitis femoris: intrakapsulär, in diesem Band verläuft die A.
  capitis femoris, wichtig für die Blutversorgung des Caput femoris.





### Articulatio genus (Kniegelenk)

Das **Kniegelenk** verbindet den Ober- und Unterschenkel und wird aus dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein (Unterschenkel)
gebildet. Es ist *kein* reines Scharniergelenk, Drehungen sind bei gebeugtem Knie möglich.
Das Kniegelenk weist einige Besonderheiten auf:
Jeweils zwei Kreuzbänder, Seitenbänder sowie Menisken sorgen für die Stabilität in diesem Gelenk[^kniegelenkbaender].
Weiters sorgt die *Patella* (*Kniescheibe*)  für eine bessere Kraftübertragung des Kniestreckers.   {term}`🗎 Schabus 1`

Durch die Beteiligung der **Menisken**[^kniegelenkmenisken] (Gelenkskörper) ist das Kniegelenk ein komplexes Gelenk, welches die *Art. femorotibialis* (Femur + Tibia)
und die *Art. femoropatellaris* (Femur + Patella) in einer Gelenkkapsel zusammenfasst. Von seiner Form und Funktion ist das Kniegelenk ein *Drehscharniergelenk* (Trochoginglymus), welches folgende Bewegungen ausführen kann: Flexion — Extension, Rotation (nur in Flexion!).

[^kniegelenkbaender]: Folgende *Bänder* stabilisieren das Kniegelenk:

    - Seitenbänder:

      - Lig. collaterale tibiale: Verlauf medial vom Femur zur Tibia.
      - Lig. collaterale fibulare: Verlauf lateral vom Femur zur Fibula.

    - Kreuzbänder:

      - Lig. cruciatum anterius: Verlauf von femoral dorsal lateral nach
        tibial ventral medial.
      - Lig. cruciatum posterius: Verlauf von femoral ventral medial nach
        tibial dorsal lateral.

    - Lig. transversum genus: Verlauf ventral zwischen medialem und
      lateralem Meniscus.

    - Lig. patellae: verbindet Patella mit der Tibia (Tuberositas tibiae),
      Fortsetzung der Sehne des M. quadrizeps femoris.

    - Retinaculum patellae: Reservestreckapparat, Sehnenplatten zugehörig
      dem M. quadrizeps femoris, halten Patella an Ort und Stelle.

[^kniegelenkmenisken]: Die *Gelenkkörper* sorgen dafür, dass die beiden Knochenenden aneinander
    angepasst werden:

    - Meniscus lateralis
    - Meniscus medialis

### Sprunggelenk

Im **Sprunggelenk** gibt es, ähnlich wie bei der Hand,
**$1** (7), **$1** (5)
und 5 Zehen mit jeweils 2 (Großzehe) bis 3 Gliedern.

Als **Knöchel** bezeichnet man die Knochengabel, welche aus Schien- und Wadenbein auf Höhe des Sprunggelenks gebildet wird. Es gibt einen Innen- und einen Außenknöchel (jeweils körperfernes Ende von Schien- bzw. Wadenbein).

Das Sprunggelenk kann in *zwei verschiedene Ebenen* eingeteilt werden:

- Art. talocruralis (oberes Sprunggelenk):

  zwischen Tibia, Fibula und Talus

  Scharniergelenk, Dorsalflexion - Plantarflexion, durch Außen- und
  Innenbänder gesichert

- unteres Sprunggelenk (Art. subtalaris und Art. talocalcaneonavicularis):

  zwischen Talus, Calcaneus und Os naviculare

  Radgelenk, schräge Bewegungsachse, Pronation - Supination






### Weitere Gelenke

Artt.intertarsales: zwischen den restlichen Fußwurzelknochen » Amphiarthrose

Artt. metatarsophalangeae: zwischen den Ossa metatarsales und den dazugehörigen Ossa phalanges proximales. » der Form nach Kugelgelenke, durch die Bandsicherung funktionelle Scharniergelenke.

Artt. intermetatarsales: zwischen den einzelnen Mittelfußknochen » Amphiarthrose

Artt. interphalangeales: zwischen den einzelnen Zehengliedern » Scharniergelenke






## Wichtige Muskeln der unteren Extremität

:::{list-table} Wichtige Muskeln der unteren Extremität
:header-rows: 1
:stub-columns: 1
:widths: 15 60 25

- - Muskel (-gruppe)
  - Verlauf, Funktion
  - Innervation
- - M. glutaeus maximus
  - Vom Os ilium und Os sacrum zur
    Tuberositas glutea, Extension und
    Außenrotation in der Hüfte;
  - N. gluteus inf.
- - M. glutaeus medius
  - Vom Os ilium zum Trochanter major,
    Abduktion in der Hüfte;
  - N. gluteus
    superior.
- - M. gluteus minimus
  - Vom Os ilium zum Trochanter major, Abduktion in der Hüfte;
  - N. gluteus superior
- - M. biceps femoris
  - Vom Tuber ischiadicum bzw. vom Femur zum lateralen Tibiakondyl, Extension in der Hüfte, Flexion und Außenrotation im Knie;
  - N. ischiadicus
- - M. semitendinosus
  - Vom Tuber ischiadicum zum Pes anserinus superficialis, Extension in der Hüfte, Flexion und Innenrotation im Knie;
  - N. ischiadicus
- - M. semimembranosus
  - Vom Tuber ischiadicum zum Pes anserinus profundus, Extension in der Hüfte, Flexion und Innenrotation
    im Knie;
  - N. ischiadicus
- - Adduktoren
  - Vom Ramus superior bzw. inferior ossis pubis zum Femur, Adduktion in der Hüfte;
  - N. obturatorius
- - M. triceps surae
  - Bestehend aus M. gastrocnemius und M. soleus, vom lateralen und medialen Femurkondyl bzw. der Tibia und Fibula über die Achillessehne zum Calcaneus, Flexion im Knie, Plantarflexion im oberen Sprunggelenk
  -
- - M. tibialis posterior
  - Von Tibia und Fibula zu den Fußwurzelknochen dorsal, Plantarflexion und Supination;
  - N. tibialis
- - M. flexor digitorum longus
  - Von Tibia zu den Endphalangen II-V, Flexion der Zehen;
  - N. tibialis
- - M. flexor hallucis longus
  - Von Fibula zur Endphalanx der
    Großzehe, Flexion der Großzehe;
  - N. tibialis
- - M. tibialis anterior
  - Von Tibia zum medialen Os
    cuneiforme, Dorsalflexion,
    Supination;
  - N. peroneus profundus
- - M. extensor digitorum longus |
  - Von Tibiakondyl und Fibula zu den
    Zehen II-V, Dorsalflexion der Zehen
    II-V;
  - N. peroneus profundus
- - M. extensor hallucis longus
  - Von Fibula zur Großzehe,
    Dorsalflexion der Großzehe;
  - N.
    peroneus profundus
- - M. peroneus longus
  - Von Fibula zum medialen Os cuneiforme, Pronation und Plantarflexion;
  - N. peroneus superficialis
- - M. peroneus brevis
  - Von Fibula zum Os metatarsale V, Pronation und Plantarflexion;
  - N.  peroneus superficialis
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