7.6.3. HWS-Sschiene#
Die HWS-Schiene [1] dient der Ruhigstellung und Stabilisierung der HalsWirbelSäule (HWS). Sie soll bei jedem Verdacht auf eine Verletzung der (Hals-) Wirbelsäule eingesetzt werden (Indikation zur Wirbelsäulenimmobilisation); jedenfalls nach einer Helmabnahme. Bei einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) kommt es oft zu Verletzungen der HWS, daher sollte hier die Indikation auch großzügig gestellt werden.
Es sind verschiedene Fabrikate verfügbar (z. B. Stifneck™, Ambu Perfit™, …). Es gibt Schienen mit einer fixen Größe oder moderne Schienen, bei welchen sich die gewünschte vorher abgemessene Größe einstellen lässt (Stifneck select™ bzw. Stifneck Paedi select™ für Kinder).
Fig. 168 Einstellbare HWS-Schienen für Erwachsene und KinderLaerdal Stifneck Select und Stifneck Pedi-Select#
© Ch. Pallinger ℓ MfG
Limitationen und Gefahren#
Eine HWS-Schiene führt zu einer Bewegungseinschränkung, jedoch nicht zu einer vollständigen Immobilisation der Halswirbelsäule. Die HWS-Schiene allein gewährleistet somit keine vollständige Immobilisation der Halswirbelsäule; bei entsprechender Indikation muss zusätzlich die Bewegung von Rumpf, Kopf und Hals als Einheit eingeschränkt werden.
Wichtig
Eine HWS-Schiene immobilisiert die Halswirbelsäule nicht vollständig. Sie ist lediglich ein Bestandteil der Bewegungsrestriktion der Wirbelsäule (spinal motion restriction, SMR).
Eine falsche Größe oder Anlage kann eine Fehlstellung der HWS verursachen und die gewünschte Stabilisierung beeinträchtigen.
Mögliche Nachteile und Komplikationen sind:
Bei fixiertem Kopf und unzureichend fixiertem Rumpf können Bewegungen des Rumpfes gegenüber dem Kopf auf die HWS übertragen werden und dort Rotation, Seitneigung, Flexion oder Distraktion verursachen.
Druckstellen bis hin zu Dekubitalulzera, insbesondere bei längerer Anwendung
Schmerzen und erheblicher Tragekomfortverlust
Einschränkung der Mundöffnung und Erschwerung des Atemwegsmanagements
Dysphagie und erhöhtes Aspirationsrisiko
Einschränkung der Atmung, insbesondere bei vulnerablen Patienten
Behinderung des zerebralen venösen Abflusses mit möglichem Anstieg des intrakraniellen Drucks
erschwerte klinische Untersuchung und Versorgung des Halses
Die Indikation zur HWS-Schiene soll daher regelmäßig überprüft und die Immobilisationsdauer so kurz wie medizinisch vertretbar gehalten werden.
Material und Personal#
1 HWS-Schiene
2 Helfer:
Ⓐ: Hinterer Helfer
Ⓑ: Seitlicher Helfer
Vorgehen#
Siehe auch Bilderserie Bilderserie: Helmabnahme und Anlage einer HWS-Schiene [© Michael Motal, ℓ MfG].
Ⓑ Patient auffordern den Kopf nicht zu bewegen.
Ⓐ stabilisiert den Kopf und die HWS in Neutralposition ohne Zug und ohne Stauchung.
Ⓑ: Beengende und behindernde Kleidung entfernen.
Ⓑ: Größenmessung: Der seitliche Helfer misst die Entfernung von Schulter bis Unterkiefer in Fingerbreiten aus.
Ⓑ: Stifneck entsprechend einstellen: gemessene Entfernung einstellen.
Verschiebemechanismus des Stifneck blockieren, ab nun darf kein Verstellen mehr möglich sein.
Ⓑ: Klettverschlussband so einfalten, dass es nicht am Boden schleifen kann (hält sonst nicht mehr).
Ⓑ: Nackenteil unter Patient durch führen (Vorsicht: Klettverschlussband).
Ⓑ: HWS-Schiene am Kinn anlegen.
Ⓑ: Fest schließen.
Die Kinnspitze sollte ein kurzes Stück über Kante hinaus schauen (kein Durchrutschen), allerdings nicht allzu weit (falsch eingestellt).