8.2. Basic Life Support (BLS)#

Der Basic Life Support (BLS) umfasst das Erkennen des Kreislaufstillstands, die frühzeitige Alarmierung, hochwertige Thoraxkompressionen, wirksame Beatmung durch entsprechend geschulte Helfende und die möglichst frühe Defibrillation mit einem automatisierten externen Defibrillator (AED). Die ERC-Leitlinien 2025 stellen den Ablauf unter das Schema Check – Call – CPR & AED (♛ ERC 2025 BLS). Eine nicht ansprechbare Person ist bereits vor Abschluss der Atemkontrolle Anlass zur unverzüglichen Alarmierung. Die Beurteilung der Atmung erfolgt während des Verbindungsaufbaus; eine fehlende oder abnorme Atmung führt zum sofortigen Beginn der CPR.

8.2.1. Vorgehen: Check – Call – CPR & AED#

  1. Check – Eigenschutz und Ansprechbarkeit prüfen

    • Gefahren für betroffene Person, Helfende und Umstehende ausschließen beziehungsweise begrenzen

    • Person laut ansprechen und vorsichtig an den Schultern berühren

    • Bei fehlender Reaktion sofort die Alarmierung einleiten, ohne zunächst den Abschluss der Atemkontrolle abzuwarten

  2. Call – Notruf und Atemkontrolle

    • Umstehende gezielt um Hilfe bitten und nach Möglichkeit den Notruf delegieren

    • Rettungsdienst unverzüglich alarmieren (in Österreich 144, europaweit 112); im Krankenhaus das zuständige Reanimationsteam alarmieren

    • Mobiltelefon auf Lautsprecher beziehungsweise Freisprechfunktion stellen und bei der Person bleiben

    • Während des Verbindungsaufbaus die Person auf den Rücken legen, den Atemweg durch Überstrecken des Kopfes und Anheben des Kinns öffnen und die Atmung durch Sehen, Hören und Fühlen höchstens 10 s beurteilen

    • Leitstellenanweisungen befolgen; bei Zweifeln unterstützt die Leitstelle die Beurteilung der Atmung und leitet zur CPR an

    Schnappatmung ist keine normale Atmung. Auch vereinzelte, langsame, geräuschvolle oder angestrengte Atemzüge und ungewöhnliches Hecheln (panting) sprechen bei fehlender Reaktion für einen Kreislaufstillstand. Nach einem Kollaps bei körperlicher Belastung kann die Atmung zunächst beinahe normal erscheinen. Kurzzeitige krampfähnliche Bewegungen können ebenfalls zu Beginn eines Kreislaufstillstands auftreten; nach deren Sistieren ist die Atmung sofort zu beurteilen. Bestehen Zweifel an einer normalen Atmung, ist ein Kreislaufstillstand anzunehmen und CPR zu beginnen (♛ ERC 2025 BLS).

  3. CPR & AED – Thoraxkompressionen beginnen und früh defibrillieren

    • Bei fehlender Reaktion und fehlender oder abnormer Atmung unverzüglich Thoraxkompressionen beginnen

    • Handballen auf die untere Hälfte des Sternums in der Mitte des Brustkorbs legen, zweite Hand darüberlegen und Finger verschränken

    • Arme gestreckt halten und Schultern senkrecht über dem Sternum positionieren

    • Brustkorb mit 100–120 Kompressionen / min um 5–6 cm komprimieren und nach jeder Kompression vollständig entlasten

    • Kompressionsunterbrechungen möglichst vermeiden

    • Geschulte, dazu fähige und bereite Helfende beatmen im Verhältnis 30:2; andernfalls ohne Unterbrechungen Thoraxkompressionen durchführen

    • Einen AED anschließen, sobald er verfügbar ist, und dessen Sprach- beziehungsweise Bildanweisungen befolgen

Die CPR soll möglichst auf einer festen Unterlage erfolgen. Der Beginn der Thoraxkompressionen darf jedoch nicht durch das Umlagern von einem Bett auf den Boden verzögert werden. Bei verfügbarer Reanimationsfunktion einer Matratze ist diese zu aktivieren (♛ ERC 2025 BLS).

8.2.2. Atemweg und Beatmung#

Für zwei Beatmungen wird der Atemweg erneut durch Kopfneigung und Anheben des Kinns geöffnet. Jede Beatmung erfolgt über ungefähr 1 s und soll eine gerade sichtbare Thoraxhebung hervorrufen. Übermäßige Beatmungsvolumina und forcierte Beatmung sind zu vermeiden. Die gesamte Unterbrechung der Thoraxkompressionen für zwei Beatmungen darf 10 s nicht überschreiten. Wenn die Thoraxhebung auch nach zwei Beatmungsversuchen ausbleibt, sind die Thoraxkompressionen unverzüglich fortzusetzen und eine Fremdkörperverlegung der Atemwege in Betracht zu ziehen (♛ ERC 2025 BLS, ♛ ERC 2025 First Aid).

Bei Adipositas gelten die üblichen Kompressions- und Beatmungsempfehlungen, insbesondere das Verhältnis 30:2, ohne routinemäßige Abweichung vom BLS-Algorithmus (♛ ERC 2025 BLS).

8.2.3. AED: Organisation und Anwendung#

Stehen mehrere Helfende zur Verfügung, setzt eine Person die CPR fort, während eine weitere Person einen AED holt und vorbereitet. Ist nur ein Helfer anwesend, soll dieser den AED nur selbst holen, wenn er ihn voraussichtlich innerhalb etwa einer Minute erreichen und anwenden kann; andernfalls hat der unverzügliche Beginn der CPR Vorrang (♛ ERC 2025 BLS). Die Leitstelle kann bei der Suche nach dem nächstgelegenen öffentlich zugänglichen AED unterstützen.

  1. AED einschalten beziehungsweise Geräteabdeckung öffnen und den Anweisungen folgen

  2. Elektroden entsprechend der Geräteabbildung auf bloßer Haut anbringen, bevorzugt anterolateral: eine Elektrode rechts unterhalb der Klavikula neben dem Sternum, die andere seitlich links unterhalb der Axilla auf Höhe der mittleren Axillarlinie

  3. Bei zwei oder mehr Helfenden die CPR während der Elektrodenanlage fortsetzen

  4. Bei Aufforderung zur Rhythmusanalyse sicherstellen, dass niemand die Person berührt

  5. Bei Schockempfehlung vor der Auslösung den Kontakt aller Personen zur betroffenen Person ausschließen und Schock gemäß Geräteanweisung abgeben

  6. Nach dem Schock sofort mit den Thoraxkompressionen fortfahren, ohne routinemäßige unmittelbare Pulskontrolle

  7. Bei der Ansage kein Schock empfohlen ebenfalls sofort die CPR fortsetzen und den weiteren AED-Anweisungen folgen

Eine Unterbrechung der CPR für zusätzliche Rhythmusanalysen außerhalb der AED-Anweisungen ist nicht angezeigt. Ein AED darf auch von ungeschulten Personen eingesetzt werden. Wird die korrekte Positionierung der Elektroden durch Kleidung oder Büstenhalter behindert, sind diese erforderlichenfalls zu verschieben oder zu entfernen; die Elektroden müssen richtig platziert unmittelbar auf der Haut haften (♛ ERC 2025 BLS).

8.2.4. Fortführung und Ende der BLS-Maßnahmen#

Die CPR wird fortgeführt, bis professionelle Helfende die Maßnahmen übernehmen, die betroffene Person eindeutig wieder zu sich kommt und normal atmet, die Helfenden erschöpft sind oder eine Fortsetzung aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich ist. Vereinzelte Bewegungen oder ein Augenöffnen allein sind kein hinreichender Grund, die CPR abzubrechen. Insbesondere können solche Zeichen auch während wirksamer Thoraxkompressionen auftreten, ohne dass bereits ein Spontankreislauf vorliegt (♛ ERC 2025 ALS). Bei mehreren Helfenden soll die Person an den Thoraxkompressionen bei Ermüdung gewechselt werden; Wechsel sind möglichst während ohnehin erforderlicher Unterbrechungen vorzubereiten und ohne zusätzliche Pausen durchzuführen.

Bei einer nicht ansprechbaren Person mit sicher normaler Atmung, ohne Reanimationsindikation und ohne Verdacht auf relevantes Trauma kann die stabile Seitenlage angezeigt sein. Die Atmung ist anschließend fortlaufend zu überwachen; bei Verschlechterung oder abnormer Atmung ist erneut auf Kreislaufstillstand zu prüfen. Bei agonaler Atmung oder nach relevantem Trauma ist die stabile Seitenlage nicht die routinemäßige Maßnahme (♛ ERC 2025 First Aid).

Ein Reanimationsereignis kann für Ersthelfende und Angehörige psychisch belastend sein. Bei Bedarf sollen ihnen nach dem Einsatz geeignete Unterstützungsangebote zugänglich gemacht werden (♛ ERC 2025 BLS).

8.2.5. Algorithmusgrafik#

Zu tun

#45 GRAFIK: ERC-2025-BLS-Algorithmus (Check – Call – CPR & AED) als eigene, mit der Leitlinie inhaltlich übereinstimmende Darstellung ergänzen; ERC-Abbildungsrechte beachten.

Leitliniengrundlagen: ♛ ERC 2025 BLS, ♛ ERC 2025 First Aid.