12.1.8. Prämedikation#

Anxiolytische Prämedikation bei klinisch relevanter Angst; keine routinemäßige Sedierung. Indikation und Dosierung risikoadaptiert festlegen (♛ OeGARI Praeop Eval 2026).

Nichtmedikamentöse Maßnahmen#

Nichtmedikamentöse Prämedikation

Angst; präoperativ

  • Altersgerechte Aufklärung, Fragen beantworten, Narkoseablauf erklären

  • Ruhige Umgebung, Ablenkung und Entspannung; bei Kindern Sorgeberechtigte einbeziehen

Medikamentöse Prämedikation mit Midazolam#

Midazolam; orale Prämedikation Midazolam: anxiolytisch, sedierend, anterograd amnestisch; nicht analgetisch.

Erwachsene

Midazolam; Dosierung Erwachsene

  • Orale Prämedikation: 3,750–7,500 mg p. o. etwa 30–60 min vor dem Eingriff (🗎 Biro 1997; keine allgemeingültige Standarddosis)

  • Ältere ab 65 Jahren: 3,750 mg p. o. ohne Verbesserung der globalen perioperativen Patientenzufriedenheit (🗎 Kowark 2024)

  • Frailty, Organinsuffizienz, zusätzliche Sedativa: möglichst geringe wirksame Dosis beziehungsweise Verzicht

  • Arzneiform: Zulassung für orale Anwendung prüfen

Kinder und Jugendliche

Midazolam; Dosierung Kinder

Dosierungen anderer Applikationswege sind nicht übertragbar.

Kontraindikationen und besondere Risikokonstellationen#

Kontraindikationen und besondere Vorsicht bei Midazolam

Midazolam; Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Midazolam oder Benzodiazepine

  • Schwere respiratorische Insuffizienz, relevantes Schlafapnoesyndrom: Atemdepressionsrisiko; Gegenanzeigen der verwendeten Arzneiform beachten

  • Myasthenia gravis: erhöhte Empfindlichkeit und Risiko der Atemmuskelschwäche

  • Schwere Leberfunktionsstörung: verstärkte beziehungsweise verlängerte Wirkung

Weitere Risikokonstellationen

Atemdepression; Prämedikation Obstruktives Schlafapnoesyndrom; Sedierung CYP3A4; Midazolam

  • COPD, geringe respiratorische Reserve, mechanische Atemwegsbehinderung (z. B. Nasentamponade)

  • Alter, Frailty, kognitive Einschränkung, Delirrisiko (♛ ESAIC Delir 2024)

  • Nierenfunktionsstörung, Herzinsuffizienz

  • Opioide, andere Sedativa, Alkohol: additive Atemdepression

  • CYP3A4-Inhibitoren beziehungsweise -Induktoren: Wechselwirkungen

Bei hohem Risiko Verzicht oder gesonderte anästhesiologische Nutzen-Risiko-Abwägung.

Durchführung und Überwachung#

Sicherheitsmaßnahmen

Prämedikation; Überwachung

  • Identität, Indikation, Nüchternheit, Begleitmedikation und Atemwegsrisiko prüfen

  • Ärztliche Anordnung, klinische Überwachung und Bereitschaft zur Atemwegsunterstützung beziehungsweise Beatmung

  • Keine unbeaufsichtigte Mobilisation nach sedierender Prämedikation

  • Ambulante Entlassung erst nach ausreichender Erholung und unter Beachtung der Begleitregelungen