12.18.1. Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL)#
Bei der ESWL werden fokussierte Stoßwellen zur Fragmentierung von Harnsteinen eingesetzt. Die Fragmentierung beruht auf Druck- und Scherkräften sowie Kavitation an Grenzflächen unterschiedlicher akustischer Impedanz.
- Varianten
ESWL bei Nierensteinen
ESWL bei Harnleitersteinen
- Beschreibung, Pathophysiologie
Nichtinvasive Steinfragmentierung durch fokussierte Stoßwellen; Abgang der Fragmente über die ableitenden Harnwege
- Dringlichkeit
Elektiv
- Dauer (S/N)
Keine Angabe
- Präanästhesie, Aufklärung
PM/ICD: Prüfung der gerätespezifischen Vorsichtsmaßnahmen, präoperative Abstimmung des Gerätemanagements
- Prä-OP-Diagnostik
keine Besonderheiten
- Blutmanagement
Keine routinemäßige EK-Bereitstellung
- Antibiotika
Keine routinemäßige Prophylaxe bei sterilem Urin; Antibiotika bei Bakteriurie oder infizierten Steinen (♛ EAU Urolithiasis 2026)
- Anästhesieverfahren
Analgesie, Sedoanalgesie oder Allgemeinnarkose
- Airway
Spontanatmung bei Analgesie oder Sedoanalgesie; LMA bei Allgemeinnarkose
- Invasivitäten, Zugänge
1 PVK
- Narkoseführung
Ausreichende Analgesie zur Vermeidung schmerzbedingter Bewegungen
- Lagerung
Rücken-, Bauch- oder Schräglage entsprechend Steinlage und Lithotripter; freie Schallankopplung
- Aufstellung
Lithotripter am Patienten
- Geräte
Lithotripter mit Schallankopplung und sonographischer oder fluoroskopischer Steinortung; gegebenenfalls EKG-gekoppelte Stoßwellenabgabe
- Peri-OP-Diagnostik, Monitoring
keine Besonderheiten
- OP-Ablauf
Lagerung und bildgebende Lokalisation des Harnsteins
Positionierung des Steins im Stoßwellenfokus
Ankopplung des Therapiekopfes mit Kontaktgel; Vermeidung von Luftblasen
Beginn mit niedriger Stoßwellenenergie, stufenweise Energiesteigerung
Stoßwellenapplikation unter wiederholter Lagekontrolle und gegebenenfalls Korrektur der Fokussierung
Bildgebende Beurteilung der Fragmentierung, Beendigung der Stoßwellenabgabe
Entkopplung des Therapiekopfes, Rücklagerung
- Gefahren
Blutung und renales beziehungsweise perirenales Hämatom
Schmerzbedingte Bewegung mit Verlust der Fokussierung
Kontraindikationen: Schwangerschaft, unkontrollierter Harnwegsinfekt, nicht korrigierte Gerinnungsstörung, arterielles Aneurysma im Steinbereich, Abflussobstruktion distal des Steins
Fehlende sichere Steinortung bei ausgeprägter Adipositas oder Skelettdeformität
PM/ICD: mögliche Geräteinterferenz
- Typische Komplikationen
Hämaturie, Flankenschmerz beziehungsweise Nierenkolik, fragmentbedingte Harnleiterobstruktion (Steinstraße); selten relevantes Nierenhämatom oder Urosepsis
- Postoperatives Management
Kontrolle auf Hämaturie, Flankenschmerzen, Fieber und Harnabflussstörung
Urologische Verlaufskontrolle des Steinabgangs beziehungsweise verbliebener Fragmente
Bei Herzschrittmachern (PM) und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) ist eine ESWL unter gerätespezifischen Vorsichtsmaßnahmen möglich. Insbesondere bei ICD kann eine vorübergehende Anpassung der Tachytherapie erforderlich sein (♛ EAU Urolithiasis 2026).