9.14.10. EPH-Gestose: Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom#

Achtung

Dieser Abschnitt ist noch auf Sanitätshilfe-Niveau und muss noch inhaltlich erweitert werden! Mitarbeit ist gerne geshen. Bitte beachten Sie § 1.3.3: “Hinweise zur Mitarbeit und Einreichung von Beiträgen”.

Die EPH-Gestose , auch Präeklampsie genannt, ist eine gefürchtete Komplikation der Spätschwangerschaft, bei der es zu einer Durchblutungsstörung der Gebärmutter, und in weiterer Folge zu diversen Komplikationen bei der Mutter kommt. Sie wird in der Regel im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen erkannt. Die Maximalvariante der Präeklampsie ist das HELLP-Syndrom . Unbehandelt kann die Präeklampsie und das HELLP-Syndrom zu einem eklamptischen Krampfanfall (Eklampsie , ähnlich einem “normalen” zerebralen Krampfanfall) und in weiterer Folge zum Tod von Mutter und Kind führen. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt.

Siehe auch

Symptome#

Die EPH-Gestose ist charakterisiert durch:

Edema: Ödeme generalisiert (jedoch Vorkommen bei 80 % der SS) Proteinuria: Proteinurie > 0,3g/l pro 24 h mit Hypoproteinämie (Albuminmangel) Hypertension: Hypertonie als Leitsymptom mit RR > 190/90 mmHg mit Gefahr von cerebralen Blutungen, cerebralen Spasmen mit Krampfanfällen = Eklampsie

Beim HELLP-Syndrom kommt es zu einem rechten Oberbauchschmerz (Leberdehnungsschmerz). Bei einer drohenden Eklampsie klagt die Patientin über Kopfschmerzen, Sehstörungen sowie Übelkeit und Erbrechen.

Drohende Eklampsie

Kopfschmerz, Ohrensausen, Doppelbilder, verschwommenes Sehen, motorische Unruhe, Somnolenz, Übelkeit, Erbrechen (durch cerebrale Vasospasmen)

Eklampsie

tonisch-klonische Krämpfe durch intrakranielle Blutung oder Vasospasmen mit Hirnödem, Herzinsuffizienz mit Zyanose, Bewusstlosigkeit, Koma. (Letalität bei 1 Krampfgeschehen 5 %!)

HELLP-Syndrom

ist Sonderform der EPH-Gestose mit Hämolysis-elevated liverenzyms-low platelets!

Ursachen: (Hämolysis: Parameter ist das Haptoglobin)

  • Generalisierte Vasokonstriktion der Ateriolen mit Hypertonie durch Imbalance zwischen TXA und Prostacyclin PGI2, Freisetzung humoraler Faktoren aus path. veränd. Plazenta.

  • erhöhte Gefäßpermeabilität mit Lungenödem, Linksherzinsuffizienz durch 30-40 % Plasmavolumenverlust ins Interstitium.

  • Erniedrigter onkotischer Druck durch Proteinverlust ins Interstitium = Ödeme auch im Larynx!

  • Leberödem (Oberbauchschmerzen!!!) und Funktionsstörung mit Transaminasenerhöhung und Gerinnungsstörungen, Gefahr der Leberruptur!

  • Thrombopenie und Funktionsstörung

  • RBF und GFR erniedrigt + Proteinurie, Salz und Wasserretention

  • Zerebrale Vasospasmen und Hirnödem: Warnzeichen Kopfschmerzen !!!

Risikofaktoren
  • DM,

  • Raucher,

  • > 35Lj.,

  • Mehrlingsschwangerschaften

Hämodynamik

2 Varianten:

  1. Hyperdynamisch mit hohem Cardiac output (CO) und tiefem vaskulären Widerstand (SVR) (meist vor 34. SSW-early-onset praeclampsia1).

  2. Hypodynamisch mit tiefem CO und hoher SVR (meist nach 34. SSW-late-onset praeclampsia).

Differentialdiagnose zur SS-Fettleber

85 % Ikterus und GOT-Erhöhung, normale Nierenfunktionsparameter. Bei HELLP-Syndrom: GPT stärker als GOT erhöht, LDH erhöht, Kreatinin und Harnsäure steigend!

Maßnahmen: Präeklampsie#

⛑ Basismaßnahmen#

  • schonender Transport

  • Überwachung, evtl. O₂

  • Reizabschirmung

Therapie#

  • Beendigung der Schwangerschaft

  • Flüssigkeitszufuhr: Kolloide, ev. Humanalbumin (Cave: Lungenödem: Auskultation RG´s)

  • Blutdrucksenken:

    • Dihydralazin/Nepresol ist erste Wahl,

    • Metoprolol bei Reflextachykardie,

    • Urapidil/Ebrantil senkt intrazerebralen Druck

    • (Nepresol bewirkt va. arterielle Vasodil und senkt Afterload 5 mg alle 20min oder Perfusor, beeinträchtigt nicht die uteroplazentare Perfusion!)

  • ANV verhindern:

    • Flüssigkeit und Mannitol 0,5-1g / kg KG

    • (Lasix nur bei drohendem Lungenödem und Oligurie)

  • Antikonvulsive Therapie:

    • Magnesium 1-3g/h mit Zielwert 2-4mmol/l (cave: > 5 Atemdepression > 10 Herzstillstand), klinisch: AF > 10 + Patellarreflex noch auslösbar.

    Antidot: Kalziumglukonat, 1 g Calciumchlorid (Kontraind.: Myasthenis gravis)

  • Hirndrucktherapie: Sedierung mit Diazepam (Kumuliert!), NG: floppy infant syndrom

  • Prävention Folgeschwangerschaft: ASS 1-1,5 mg / kg KG/d (senkt TXA2-Synthese)

Anästhesie bei Präeklampsie#

PDA bei normaler Blutgerinung (Blutungszeit 1—7min) und Thrombos > 100000;

Vorsichtige Flüssigkeitsgabe trotz Hypovolämie wg. Lungenödem, Arterie, präop 4 EK kreuzen.

Anästhesie bei HELLP/Eklampsie#

AN mit RSI mit Thiopental in reduzierter Dosis, cave: Larynxödem!!

Gefahr der postoperativen Ateminsuffizienz: Wirkung des Muskelrelaxanz potenziert durch Mg und Diazepam mit Muskelschwäche! Ev. Nachbeatmung, ICU-Überwachung!

Blutdrucksenkung medikamentös i.v. ab BD systol. ≥ 160 mmHg bzw. diastol. ≥ 100 mmHg wegen Gefahr cerebraler Blutung (Cave Reduktion der uteroplazentaren Perfusion - siehe oben).

Uterotonica

Vorsichtige Oxytocingabe nach Abnabelung2 (Ziel: 5 E in 100 ml NaCl über 5 Min.; bei Kreislaufinstabilität nach 1E = 20 ml stoppen - immer in Rücksprache mit OperatuerIn).

Oxytocin wirkt vasodilatorisch (SVR↓) → MAP ↓, kompensatorisch Herzfrequenz ↑ und Schlagvolumen (SV)↑ um HZV aufrecht zu erhalten. Bei schwerer Präeklampsie kann evtl. SV nicht gesteigert werden und es kann zum HZV-Abfall ↓ mit kardialer Dekompensation kommen.

Weitere Oxytocingabe nach Klinik und mit Rücksprache Operateur.

Kein Carbetocin (Pabal®)!

Analgesie

*Keine NSAR (Niereninsuffizienz / Gerinnungsstörung). Paracetamol ist relativ kontrainduziert bei HELLP-Syndrom.

Maßnahmen: Eklampsie, eklamptischer Krampfanfall#

Grundsätzlich ist so wie bei jedem anderen Krampfanfall zu verfahren, vgl. Beschreibung und Einteilung. Bedenke: Der eklamptische Krampfanfall ist für Mutter und Kind lebensgefährlich!