8.1.2. Mechanische Reanimationstherapie#

Herzdruckmassage#

Die Herzdruckmassage (HDM) erzeugt bei Herz-Kreislaufstillstand durch rhythmische Thoraxkompressionen einen künstlichen Blutfluss und trägt damit zur Perfusion lebenswichtiger Organe bei. Während der Kompression und der anschließenden vollständigen Entlastung entstehen Druck- und Flussänderungen im Thorax und im Herzen, die einen begrenzten Kreislauf aufrechterhalten können. Die früh begonnene, hochwertige und möglichst wenig unterbrochene Thoraxkompression gehört zusammen mit der frühen Defibrillation schockbarer Rhythmen und der Behandlung reversibler Ursachen zu den entscheidenden Maßnahmen der Reanimation (♛ ERC 2025 BLS, ♛ ERC 2025 ALS).

Nach einer Defibrillation werden die Thoraxkompressionen unverzüglich wieder aufgenommen, ohne unmittelbar eine erneute Rhythmus- oder Pulskontrolle durchzuführen. Auch nach erfolgreicher elektrischer Terminierung eines Kammerflimmerns kann die Wiederherstellung eines wirksamen Spontankreislaufs verzögert sein (♛ ERC 2025 ALS, 🗎 Sandroni 2008, 🗎 Skhirtladze 2010). Eine Unterbrechung zur Rhythmusanalyse kommt entsprechend dem Reanimationsalgorithmus oder bei kombinierten klinischen und physiologischen Zeichen eines Return of Spontaneous Circulation (ROSC) infrage.

Bemerkung

Bei der manuellen Defibrillation soll die gesamte Unterbrechung der Thoraxkompressionen vor und nach dem Schock möglichst unter 5 s bleiben. Die Kompressionen werden während des Ladevorgangs fortgeführt und nach dem Schock unverzüglich wieder aufgenommen. Beim AED müssen die gerätespezifischen Analyse- und Sicherheitsanweisungen befolgt werden; während der Analyse und Schockabgabe darf der Patient nicht berührt werden (♛ ERC 2025 ALS).

Durchführung

Die Thoraxkompressionen beginnen unverzüglich am Ort des Kreislaufstillstands (♛ ERC 2025 BLS). Sie sind auf einer möglichst festen Unterlage am wirksamsten. Liegt der Patient bereits auf einem Bett, wird die Reanimation jedoch auf dem Bett begonnen und der Patient nicht eigens auf den Boden umgelagert. Wenn vorhanden, wird der CPR-Modus einer Krankenhausmatratze aktiviert. Bei einer weichen Matratze ist zu berücksichtigen, dass auch die Unterlage nachgibt und die wirksame Thoraxkompressionstiefe dadurch reduziert werden kann. Ein Reanimationsbrett wird vom ERC 2025 nicht routinemäßig empfohlen (♛ ERC 2025 BLS).

Der Helfer positioniert sich seitlich neben dem Thorax des Patienten. Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbs auf der unteren Hälfte des Brustbeins; die Orientierung an der Mamillenlinie ist nicht erforderlich. Wenn Kleidung die sichere Orientierung am Sternum verhindert, wird sie dafür entfernt oder verschoben. Der Handballen einer Hand wird auf den Druckpunkt gesetzt, der Handballen der anderen Hand liegt darüber. Die Finger werden verschränkt, sodass kein Druck auf die Rippen ausgeübt wird. Bei durchgestreckten Armen befinden sich die Schultern senkrecht über dem Druckpunkt. Der Brustkorb wird durch eine senkrechte Bewegung mit Einsatz des eigenen Körpergewichts 5–6 cm tief komprimiert; eine Eindrücktiefe über 6 cm ist zu vermeiden. Die Zielfrequenz beträgt 100–120 Kompressionen / min (♛ ERC 2025 BLS).

Nach jeder Kompression erfolgt eine vollständige passive Entlastung des Brustkorbs, ohne sich zwischen den Kompressionen auf dem Sternum abzustützen.[1] Die Bewegungen sollen gleichmäßig erfolgen, ohne ruckartige Druckspitzen. Unterbrechungen für Beatmung, Rhythmusanalyse, Defibrillation, Atemwegsmaßnahmen oder Personalwechsel werden auf das unbedingt notwendige Ausmaß beschränkt (♛ ERC 2025 BLS, ♛ ERC 2025 ALS).

Druckpunkt: Mitte des Brustkorbs. Die Finger werden ineinander verschränkt, Druckpunkt: Mitte des Brustkorbs. Die Finger werden ineinander verschränkt,
die Arme durchgestreckt die Arme durchgestreckt
und Oberkörper nach vorne gebeugt: → Druck direkt auf Brustbein und Oberkörper nach vorne gebeugt: → Druck direkt auf Brustbein

Fig. 177 Bilderserie: Herzdruckmassage [© Lena Hirtler, ℓ MfG]#

Fehlerquellen#

  • Leerlauf: Die Thoraxkompressionen sollen möglichst kontinuierlich erfolgen. Häufige Ursachen vermeidbarer Unterbrechungen sind:

    • Verzögerter Wiederbeginn nach der Defibrillation

    • Zu lange Beatmungspausen

    • Nicht koordinierte Personalwechsel

    • Intubationsversuche und andere Atemwegsmaßnahmen

    • Verlängerte Rhythmus- oder Pulskontrollen

  • Unzureichende Kompressionstiefe: Eine weiche Unterlage, ungünstige Helferposition oder Ermüdung kann die wirksame Thoraxkompressionstiefe verringern. Die Qualität der Kompressionen muss deshalb wiederholt überprüft werden; ein Helferwechsel soll mit möglichst kurzer Unterbrechung erfolgen.

  • Falscher Druckpunkt oder falsche Druckrichtung: Druck auf die Rippen, eine ungünstige Handposition oder seitlich gerichtete Kompressionen können die Wirksamkeit beeinträchtigen und zusätzliche Verletzungen verursachen. Auch bei korrekt durchgeführter Herzdruckmassage können Rippen- oder Sternumfrakturen entstehen; dies rechtfertigt keine unzureichend tiefen Kompressionen.

  • Unvollständige Entlastung: Anhaltender Druck auf den Brustkorb zwischen den Kompressionen behindert den venösen Rückstrom und ist zu vermeiden. Unkontrollierte, ruckartige Bewegungen sollen ebenfalls vermieden werden.

Alternativen#

Thoraxkompressionsgeräte#

Mechanische Thoraxkompressionsgeräte können die manuelle Herzdruckmassage in ausgewählten Situationen ersetzen. Für den routinemäßigen Einsatz bei Herz-Kreislaufstillstand ist gegenüber hochwertiger manueller Thoraxkompression kein klinischer Vorteil nachgewiesen. Das ERC 2025 empfiehlt ihren Einsatz deshalb nur dann zu erwägen, wenn anhaltend hochwertige manuelle Kompressionen nicht praktikabel sind oder die Sicherheit der Helfenden gefährdet ist (♛ ERC 2025 ALS).

Mögliche Einsatzsituationen sind insbesondere Interventionen unter laufender Reanimation, etwa eine Koronarintervention oder die Kanülierung für eine extrakorporale Reanimation, sowie ausgewählte Transporte mit laufender CPR. Eine mechanische Reanimation kann auch bei erschwertem Zugang zum Patienten oder bei langwieriger Bergung sinnvoll sein, sofern die Geräteanwendung im konkreten Fall sicher möglich ist (♛ ERC 2025 ALS, ♛ ERC 2025 Special). Die Indikation zum Transport unter laufender CPR muss gesondert und unter Berücksichtigung der verfügbaren Behandlungsoptionen gestellt werden.

Die Geräteanlage darf die initiale Defibrillation nicht verzögern. Unterbrechungen bei Anlage und Betrieb des Geräts müssen minimiert werden. Mechanische Thoraxkompressionsgeräte sollen ausschließlich durch mit dem jeweiligen Gerät geschulte und eingespielte Teams eingesetzt werden (♛ ERC 2025 ALS).

Extrakorporale Verfahren – ECPR#

Unter extrakorporaler kardiopulmonaler Reanimation (extracorporeal cardiopulmonary resuscitation, ECPR) wird die rasche Etablierung eines veno-arteriellen extrakorporalen Kreislaufs (VA-ECMO) unter laufender Reanimation verstanden. Durch eine extrakorporale Pumpe und einen Oxygenator können Organperfusion und Oxygenierung unterstützt werden, während die Ursache des Kreislaufstillstands behandelt wird (♛ ERC 2025 ALS).

Die ECPR kann bei ausgewählten Erwachsenen mit innerklinischem (in-hospital cardiac arrest, IHCA) oder außerklinischem Herz-Kreislaufstillstand (out-of-hospital cardiac arrest, OHCA) als Rescue-Therapie erwogen werden, wenn unter konventioneller CPR kein ROSC erreicht wird und die erforderliche Infrastruktur und Erfahrung verfügbar sind. Sie ist keine Routineintervention für alle Reanimationspatienten (♛ ERC 2025 ALS, ♛ ERC 2025 Special).

ECPR erfordert eine entsprechende Infrastruktur, ein erfahrenes interprofessionelles Team und eine rasche, koordinierte Indikationsstellung. Soll eine ECPR-Strategie verfolgt werden, müssen die Auswahl geeigneter Patienten, die Alarmierung und die weitere Logistik frühzeitig geplant werden. Wenn der Patient erst in ein ECPR-Zentrum transportiert werden muss, sind die erwartete Zeit bis zur Kanülierung, die Qualität der CPR während des Transportes und die Sicherheit des Behandlungsteams besonders zu berücksichtigen. Ein mechanisches Thoraxkompressionsgerät kann hierbei unter den oben genannten Voraussetzungen zur Sicherstellung kontinuierlicher Kompressionen beitragen (♛ ERC 2025 ALS, ♛ ERC 2025 Special).