12.21.2. Thorakotomie#
- Varianten
Onkologische Eingriffe: Segmentresektion, Lobektomie, Pneumektomie; häufig mit Lymphadenektomie
Weitere Indikationen: Thoraxempyem mit Dekortikation, Hämatothorax
- Beschreibung, Pathophysiologie
Operativer Zugang zum Thorax (TKT) zur Lungenresektion, Dekortikation oder Ausräumung eines Hämatothorax
- Dringlichkeit
Abhängig von Indikation und klinischem Zustand
- Dauer (S/N)
2–5 h, je nach Eingriff
- Präanästhesie, Aufklärung
Aufklärung über Doppellumentubus und gegebenenfalls arteriellen beziehungsweise zentralvenösen Zugang
- Prä-OP-Diagnostik
Bei onkologischer Indikation Lungenfunktion einschließlich ppFEV1
Thorax-Bildgebung (CP-Röntgen, CT)
Blutgasanalyse
- Blutmanagement
2 EK
MAT bei Hämatothorax; nicht bei onkologischer oder infektiologischer Indikation
- Antibiotika
ja
- Anästhesieverfahren
Allgemeinanästhesie mit Einlungenventilation und thorakaler Periduralanästhesie oder Erector-spinae-BlockErector-spinae-Block
- Airway
ETI mittels Doppellumentubus oder Bronchusblocker
- Invasivitäten, Zugänge
Mind. 2 großlumige venöse Zugänge
Arterieller Zugang, bevorzugt kontralateral
Harnkatheter mit Temperatursensor bei einer Operationsdauer über 3 h
Wenn ZVK, dann ipsilateral! (oder femoral)
- Narkoseführung
Wichtig ist der Euler-Liljestrand-Mechanismus (hypoxische pulmonale Vasokonstriktion):
TIVA; möglichst keine Inhalationsanästhetika wegen möglicher Erhöhung des Shuntvolumens (Vasodilatation)
Moderater PEEP (mögliche Erhöhung des Shuntvolumens bei hohem PEEP)
Bei Hypoxämie:
Primär FiO₂ erhöhen
Gegebenenfalls Jet-Ventilation
Gegebenenfalls Einlungenventilation vorübergehend unterbrechen
Bei Pneumektomie: Sobald die Lungenarterie ligiert ist, braucht man auf den Euler-Liljestrand-Mechanismus keine Rücksicht mehr nehmen.
- Lagerung
Kontralaterale Seitenlage, aufgeknickt (Fig. 270)
Arme seitlich lagern; Überdehnung im Schulterbereich vermeiden
Kopf im Gelring; Druckschäden an Ohr und Auge vermeiden
Gefährdete Strukturen: N. peronaeusN. peronaeus, Plexus brachialisPlexus brachialis, Ohr und Auge
- Aufstellung
Instrumentarium am Fußende; Operateur und Assistenz seitlich des Patienten, Videoturm gegenüber dem Operateur
- Geräte
Videoturm
- Peri-OP-Diagnostik, Monitoring
Bronchoskopische Lagekontrolle nach Intubation und nach Lagerung; Bronchoskop jederzeit verfügbar
Regelmäßige Blutgasanalysen mit Vergleich von etCO₂ und PaCO₂
- OP-Ablauf
abhängig von Eingriff
- Gefahren
Hyperkapnie
- Typische Komplikationen
Ipsilateraler, gegebenenfalls auch kontralateraler Pneumothorax
Blutungen
Atelektasen
Septisches Zustandsbild bei Pleuraempyem
- Postoperatives Management
Thoraxdrainagen, in der Regel mit Sog (−20 cm H₂O); bevorzugt elektronische Systeme (Medela™)
Gefahr
Kein Sog bei Pneumektomie! Lebensgefahr!
Überwachung auf der IMCU
CPAP nach Rücksprache mit dem Operateur (PEEP 7–10 mbar)
CP-Röntgen 1 h postoperativ zur Beurteilung von Lungenentfaltung und Blutung
Antibiotikatherapie fortführen
LMWH 12 h postoperativ