Präoperative Diagnostik

12.1.4. Präoperative Diagnostik#

Die Befundanforderung richtet sich nach Eingriffskategorie, Anamnese, klinischer Untersuchung und individuellen Risikofaktoren (♛ OeGARI Praeop Eval 2026). Bei kleinen Eingriffen mit unauffälliger Anamnese und Untersuchung sind keine weiterführenden Routinetests erforderlich. Bei auffälliger oder nicht durchführbarer Anamnese, klinischen Auffälligkeiten oder pathologischen Vorbefunden erfolgt eine gezielte Abklärung. Jeder angeforderte Befund ist vor dem Eingriff zu kontrollieren und hinsichtlich der Konsequenzen für das perioperative Management zu bewerten.

Kardiopulmonale Diagnostik#

12-Kanal-EKG
  • Vor großen Eingriffen bei KHK, relevanten Arrhythmien, pAVK, zerebrovaskulären oder strukturellen Herzerkrankungen sowie kardialen Symptomen

  • Vor großen Eingriffen bei asymptomatischen Personen ohne bekannte Herzerkrankung gegebenenfalls erwägen

  • Kein Routine-EKG bei asymptomatischen Personen vor kleinen Eingriffen

Transthorakale Echokardiografie (TTE)
  • Bei vermuteter neu aufgetretener oder verschlechterter Herzinsuffizienz beziehungsweise Klappenerkrankung

  • Keine Routine-TTE bei klinisch stabilen Personen ohne kardiale Symptome oder Risikofaktoren

Spirometrie
  • Vor thorakalen Eingriffen, insbesondere Resektionen, bei MET unter 4, RCRI über 2, DASI höchstens 34, ungeklärter Dyspnoe oder bekannter Lungenerkrankung

  • Vor größeren nichtpulmonalen Eingriffen bei hohem patientenbezogenem Risiko gegebenenfalls erwägen

  • Keine Routine-Spirometrie bei unauffälligen Personen vor kleinen Eingriffen

Thoraxröntgen
  • Bei großen thorakoabdominellen Eingriffen und Verdacht auf eine kardiopulmonale Erkrankung, strukturelle Lungenerkrankung oder rezenten Atemwegsinfekt gegebenenfalls erwägen

  • Kein Routine-Thoraxröntgen bei unauffälligen Personen vor kleinen Eingriffen

Blutgasanalyse
  • Keine Routine-BGA ohne anamnestische oder klinische Indikation

  • Bei COPD GOLD 3/4 oder BMI über 40 kg / m² gegebenenfalls gemeinsam mit weiterer Lungenfunktionsdiagnostik

Kardiale Biomarker
  • BNP oder NT-proBNP vor großen Eingriffen bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko

  • Kardiales Troponin bei dieser Konstellation gegebenenfalls zusätzlich

  • Keine routinemäßige Bestimmung bei geringem kardiovaskulärem Risiko oder vor kleinen Eingriffen

Labordiagnostik#

Gerinnung
  • Standardisierte Blutungs- und Thromboseanamnese

  • Keine routinemäßige PTZ-/INR- oder aPTT-Bestimmung bei asymptomatischen Personen

  • Gezielte Gerinnungsdiagnostik bei bekannter oder vermuteter Blutungsstörung, Vitamin-K-Antagonisten, relevanter Lebererkrankung, geplanter intraoperativer Heparinisierung oder entsprechendem Eingriffsrisiko

  • Bei bekannter angeborener Blutungsstörung Bestimmung der betroffenen Gerinnungsfaktoren und interdisziplinäres Management

Nierenfunktion
  • Kreatinin und eGFR bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung, Diabetes mellitus, hohem eingriffsbezogenem Risiko sowie unter Chemo- oder Strahlentherapie

Elektrolyte
  • Natrium und Kalium bei bekanntem oder anamnestisch vermutetem Elektrolytungleichgewicht, insbesondere bei relevanter Dauermedikation

Glukose und HbA1c
  • Bei bekanntem Diabetes mellitus

  • Vor großen gefäßchirurgischen und großen orthopädischen Eingriffen

Weitere Untersuchungen
  • Leberfunktionsparameter bei bekannter oder vermuteter Leberdysfunktion beziehungsweise Leberoperation

  • Urinanalyse beziehungsweise Harnkultur vor urologischen oder urogynäkologischen Eingriffen gegebenenfalls urologisch veranlassen

  • Schwangerschaftstest bei Unsicherheit über eine mögliche Schwangerschaft anbieten

Die detaillierte Zuordnung der Laboruntersuchungen zu Eingriffskategorie und Gesundheitszustand findet sich in Tabelle 1 der ♛ OeGARI Praeop Eval 2026.