9.16. Neurologische Störungen#
Achtung
Dieser Abschnitt ist noch auf Sanitätshilfe-Niveau und muss noch inhaltlich erweitert werden! Mitarbeit ist gerne geshen. Bitte beachten Sie § 1.3.3: “Hinweise zur Mitarbeit und Einreichung von Beiträgen”.
Neurologische Störungen sind Störungen bzw. Erkrankungen und Notfälle die das Nervensystem betreffen. Sie gehen oft mit einer Störung des Bewusstseins oder anderer Funktionen des Nervensystems einher. Die Ursachen von neurologischen Erkrankungen sind sehr vielfältig.
Die folgende Übersicht nennt einige Beispiele für Ursachen neurologischer Störungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
Schlaganfall
Vergiftungen können fast alles verursachen, inkl. neurologischer Symptome.
Schädel-Hirn-Trauma (SHT); Ein Schlag auf den Kopf erhöht nicht das Denkvermögen …
Stoffwechselstörungen welche Einfluss auf das Nervensystem nehmen, z. B. Zuckerentgleisungen
Infektionen können das Nervensystem beeinflussen, z. B. Verwirrtheit bei Fieber
Alter beeinflusst auch das Nervensystem, im Rahmen einer Demenz kommt es z. B. zum Abbau der Denkleistung
Krampfanfälle können vom zentralen Nervensystem ausgehen
Erkrankungen des Stützapparates Aufgrund der räumlichen Nähe zum Stütz- und Bewegungsapparates kann das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen werden, z. B. bei Bandscheibenvorfällen
Querverweise
Infektiöse (bakterielle) Meningitis: Infektiöse Meningitis
9.16.1. Allgemeine neurologische Symptome#
Bewusstseinsstörungen#
Als Bewusstseinsstörungen bezeichnet man insbesonders Störungen der Wachheit und der Orientierung. Wie bereits oben erwähnt, ist das Bewusstsein wesentlich an der Abwehr von Gefahren beteiligt. Je mehr das Bewusstsein gestört oder reduziert ist, desto gefährlicher für den Patienten.
Ab einem gewissen Punkt können auch so wesentliche Funktionen wie der Schluck-, Würge- bzw. Hustenreflex ausfallen, und es kann Mageninhalt, Speichel oder Blut in die Lunge gelangen (Aspiration). Man spricht auch vom Ausfall der Schutzreflexe. Bei schweren Bewusstseinsstörungen kann es auch zum Erschlaffen wichtiger Muskeln wie z. B. der Zunge kommen. Fällt diese zurück, kann sie zurückfallen und den Atemweg verlegen. Dabei ist manchmal ein dem Schnarchen ähnliches Atemgeräusch zu vernehmen.
Gefahren:
Zurückfallen der Zunge
Ausfall der Schutzreflexe
Aspiration
Bewusstseinsstörungen können aufgrund des Ausfalls der Schutzreflexe und des Zurückfallens der Zunge, sowie der Unfähigkeit des Menschen, sich gegen Gefahren zu wehren, lebensgefährlich sein!
Ursachen#
Durch die Schädigung des zentralen Nervensystems kommt es zu der Bewusstseinsstörung. Diese Schädigung kann direkt auf das ZNS einwirken (primäre Ursache) oder auf Organe oder Körperfunktionen einwirken, welche für das Funktionieren des ZNS erforderlich sind (sekundäre Ursache). Die Tabelle Ursachen von Bewusstseinsstörungen listet typische Ursachen auf.
Primäre Ursachen |
Sekundäre Ursachen |
|---|---|
betreffen direkt das ZNS |
betreffen über Umwege das ZNS |
|
|
Bewusstseinsgrad#
Der Bewusstseinsgrad gibt Auskunft über die Quantität des Bewusstseins (Wieviel Bewusstsein ist vorhanden? Vgl. Bewusstseinsgrad). Er muss bei jedem Patienten nach dem WASB-Schema beurteilt werden. WASB ist die Abkürzung für wach, Reaktion auf ansprechen oder leichte Weckreize, Reaktion auf Schmerzreiz und bewusstlos. Dementsprechend kann ein Patient bewusstseinsklar, somnolent, soporös oder komatös bzw. bewusstlos sein, vgl. Table-bewusstseinsgrade.
W |
Wach |
bewusstseinsklar |
wach |
|
|---|---|---|---|---|
A |
Reaktion auf Ansprache |
somnolent |
schläfrig, aber leicht erweckbar. |
|
S |
Reaktion auf Schmerzreiz |
soporös |
kaum und nur mit erheblichem Aufwand (Schmerzreiz) erweckbar |
Gefahr! |
B |
Bewusstlosigkeit |
komatös |
nicht erweckbar, ohne Bewusstsein |
Lebensgefahr! |
Max. |
Punkte |
Reaktion |
|
|---|---|---|---|
Augenöffnung |
4 |
4 |
spontan |
3 |
auf Ansprache |
||
2 |
Schmerzreiz |
||
1 |
nicht |
||
Verbale Antwort |
5 |
5 |
klar |
4 |
verwaschen |
||
3 |
unzusammenhängende Worte |
||
2 |
unartikuliert |
||
1 |
nicht |
||
Motorische Reaktion |
6 |
6 |
spontan |
5 |
gezielte Abwehrbewegungen |
||
4 |
ungezielte Abwehrbewegungen |
||
3 |
Beugung |
||
2 |
Strecken |
||
1 |
bewegt gar nicht |
Maßnahmen: Bewusstseinseintrübung#
- ⛑ Basismaßnahmen
Lagerung: situationsgerecht je nach Verdachtsdiagnose, im Zweifel stabile Seitenlage, bei hochschwangeren Frauen auf die linke Seite.
Bei vitaler Bedrohung: Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten, Besonderheiten:
Monitoring: Auf Bewusstseinsgrad besonders achten!
Diagnostische Schwerpunkte:
Neurocheck, inkl. BZ-Messung!
Traumacheck. Suche nach Primär- und Folgeverletzungen!
Ursachenforschung – Warum ist der Patient eingetrübt?
(Fremd-)Anamnese, Umstände, Szenerie
Maßnahmen: Bewusstlose und soporöse Patienten#
- ⛑ Basismaßnahmen
Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten, Besonderheiten:
Lagerung: stabile Seitenlage, bei hochschwangeren Frauen auf die linke Seite.
Monitoring: Auf Bewusstseinsgrad besonders achten!
Diagnostische Schwerpunkte:
Neurocheck, inkl. BZ-Messung!
Traumacheck. Suche nach Primär- und Folgeverletzungen!
Ursachenforschung – Warum ist der Patient bewusstlos oder soporös?
(Fremd-)Anamnese, Umstände, Szenerie
Hirndruckzeichen und Hirnstammeinklemmung#
Hirndruckzeichen#
Hirndruckzeichen deuten auf eine Erhöhung des Druckes innerhalb des Hirnschädels hin (Hirndruck, intrakranieller Druck). Eine solche Steigerung kann besonders bei Verletzungen oder blutigen Schlaganfällen vorkommen. Eine Hirndruckerhöhung wirkt sich negativ sowohl auf das Hirn selbst, als auch auf dessen Durchblutung aus (“Das Hirn drück sich selbst ab.”).
Es kommt es zu einer typischen Kombination von Symptomen:
③ Bewusstseinsstörungen
④ Übelkeit und Erbrechen, meist in Verbindung mit Kopfschmerzen
Ⓑ Atmung: Evtl. unregelmäßig
Ⓒ Kreislauf: Der Patient ist hyperton, aber bradykard (HF↓, RR↑), der Puls ist langsam, aber äußerst stark spürbar (Druckpuls).
Ⓓ Pupillen: Typisch für das späte Stadium ist die Ungleichheit der Pupillen (Anisokorie), bzw. eine verlangsamte Lichtreaktion.
In schweren Fällen kommt es zu sog. Strecksynergismen, d. h. der Patient reagiert bei Schmerzreiz nur mit einem ungerichtetem Strecken der Extremitäten.
Fig. 212 Anisokorie#
© Sebastian Gabriel ℓ MfG
Hirnstammeinklemmung#
Das große Hinterhauptsloch als Durchtrittsstelle des Rückenmarks ist die einzige große Öffnung des Gehirnschädels und somit die einzige Möglichkeit des Gehirns sich auszudehnen. Kommt es aufgrund eines sehr großen Hirndrucks zu solch einer Ausdehnung kann es zu der Einklemmung des Hirnstammes kommen (Hirnstammeinklemmung). Da sich im Hirnstamm das Atem- und Kreislaufzentrum befindet besteht dabei akute Lebensgefahr!
9.16.2. Ein Schlaganfall kann ischämisch oder durch eine Blutung entstehen#
Arten#
Grundsätzlich gibt es 2 Formen, die aber vor Ort nicht unterschieden werden können:
Ischämischer Insult (“trocken”): . Verschluss eines Hirngefäßes mit anschließendem Absterben der versorgten Hirnregion. Vgl. Ischämie.
Hämorrhagischer Insult (“blutig”): Hirnblutung, z. B. durch Ruptur eines Aneurysmas eines Hirngefäßes, kann spontan oder aufgrund eines Traumas auftreten.
TIA#
TIA ist die Abkürzung für Transitorisch-Ischämische Attacke. Von einer TIA spricht man, wenn die Symptome innerhalb von 24 Stunden vergehen. Solange noch Symptome bestehen, kann man nicht von einer TIA sprechen, der Patient ist wie bei jedem anderen Schlaganfall zu behandeln.
Symptome#
Die diversen Funktionsareale (Sprachzentren, Sehzentrum, motorische Zentren, …) sind in verschiedenen Regionen des Hirns verteilt. Je nachdem welches Gebiet durch die Ischämie oder Blutung betroffen ist, können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Typische Störungen sind:
Motorik: Störungen der Kraft und Beweglichkeit sind sehr häufig. Charakteristisch für einen Schlaganfall sind sog. Halbseitenzeichen : Es kommt dabei zu einer einseitigen Kraftminderung, dies kann bis zu einer schlaffen, kompletten Lähmung führen. Ein herabhängender Mundwinkel ist ein Zeichen einer Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Durch die Lähmungen kann es zu Schluckstörungen kommen, es besteht dann eine erhöhte Aspirationsgefahr.
Der Herdblick ist eine Blickdiagnose: Es kann zu Blicklähmungen kommen, der Patient blickt in Richtung des “Herdes des Geschehens”.
Sprache: Störungen der Sprache sind ebenfalls sehr häufig. Oft nimmt man eine verwaschene Sprache wahr, welche (fälschlich) an Trunkenheit erinnert. Weiters kann es zu einer “wirren Sprache” kommen: Worte fehlen dabei oder Silben werden vertauscht. Im Extremfall kann die Sprache gänzlich “verloren” gehen. Auf der anderen Seite kann die Sprache zwar erhalten, aber das Sprachverständnis geschädigt sein.
Wahrnehmung: Es kann zu Wahrnehmungsstörungen wie z. B. Sehstörungen, plötzliche Erblindung, Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle kommen.
Bewusstsein: Störungen des Bewusstseins sind gefährlich und müssen bei Insult-Patienten immer erwartet werden. Der Bewusstseinszustand kann sich auch plötzlich verschlechtern.
Allgemein: Weiters können unspezifische Symptome wie z. B. Schwindel und Kopfschmerzen auftreten. Ein plötzlicher, donnerschlagartiger Kopfschmerz ist ein klassisches Symptom für eine spontane Hirnblutung.
Hirndruckzeichen: Durch eine Hirnblutung oder Schwellung des Gehirns (Hirnödem) kann es zu einer Hirndrucksteigerung und zum Auftreten von Hirndruckzeichen (Hirndruckzeichen) kommen:
Übelkeit, Erbrechen
Bewusstseinsstörungen
HF↓, RR↑
Ungleichweite Pupillen, verlangsamte Lichtreaktion
Strecksynergismen
Blutdruck: Der Blutdruck ist in der Akutsituation in der Regel erhöht und sinkt spontan innerhalb der nachfolgenden Stunden. Es wird allgemein empfohlen, erhöhte Blutdruckwerte zu tolerieren, wenn nicht kardiopulmonale Gründe (Myokardischämie, Herzinsuffizienz, …) andere Grenzwerte erfordern.
Präklinisch kann man nicht sicher zwischen einer Ischämie (trockener Insult) und einer Blutung unterscheiden. Auf jeden Fall ist die Bewusstseinslage sehr engmaschig zu überwachen; eine rasche Verschlechterung ist jederzeit möglich!
Differentialdiagnose#
Die wichtigste Differentialdiagnose ist eine Störung des Blutzucker-Stoffwechsels. Sowohl die Hyper-, als auch die Hypoglykämie können auch fokalneurologische Symptome verursachen und einen Schlaganfall vortäuschen, daher muss der Blutzucker immer gemessen werden! Ebenso ist immer an Vergiftungen zu denken.
Die Abgrenzung zu anderen neurologischen Erkrankungen ist ohne weitergehende Untersuchungen oft schwierig bzw. schwer möglich.
Spezielle Anamnese#
Vor Anmeldung zu einer Stroke-Unit müssen folgende Informationen erhoben worden sein:
Zeitpunkt des Auftretens der Symptome
Symptome, neurologische Ausfälle
Alter des Patienten
Vorbestehende Beeinträchtigungen
Maßnahmen: Insult#
- Taktik
Vitale Bedrohung!
Zeitkritisch (“Time is brain.”): Vitalfunktionen sichern, rascher Transport an eine geeignete Abteilung.
Grundsätzlich ist ein Schlaganfall-Patient aufgrund seiner Diagnose als vital bedroht und gleichzeitig als zeitkritisch (“Time is brain.”) einzustufen. Eine definitive Therapie in einer Spezialabteilung (Stroke Unit) kann andere, noch nicht abgestorbene Teile des Hirns vor weiterem Schaden bewahren, d. h. es ist sehr wichtig, dass diese Therapie möglichst schnell erfolgt.
- ⛑ Basismaßnahmen
Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten, Besonderheiten:
Lagerung: leicht erhöhter Oberkörper
Sauerstoff: Gabe je nach SpO₂, unterer Grenzwert 94 %, darüber ist von einer O₂-Gabe abzusehen, da es sonst zu einer Gefäßengstellung mit nachfolgender Mangeldurchblutung in den noch gesunden Hirnarealen kommen kann!
Notarzt: Grundsätzlich ist ein Schlaganfall-Patient aufgrund seiner Diagnose als vital bedroht einzustufen, er ist jedoch gleichzeitig zeitkritisch (s. o.). Daher soll von einer Nachberufung eines Notarztes abgesehen werden, wenn folgende Umstände gegeben sind:
Die Verdachtsdiagnose gilt als sehr sicher.
Der Patient ist sonst als stabil (Patient Assessment & Management) eingestuft und bewusstseinsklar
Bei der Einschätzung des Bewusstseins darf man sich nicht durch die durch den Schlaganfall verursachten Symptome (Sprachstörungen, Blickstarre …) beirren lassen.
Es gibt sonst keine anderen Umstände die die Berufung eines Notarztes erforderlich machen.
Es muss versucht werden, eine Aufnahme auf eine Spezialabteilung für Schlaganfälle zu organisieren (Stroke Unit, Kontaktaufnahme mit der Leitstelle).
Der Erfolg ist abhängig von der Verfügbarkeit eines entsprechenden freien Bettes.
Regionale Bestimmungen müssen beachtet werden!
Blutdruck: Blutdruckwerte bis 220/120 mm Hg werden toleriert, wenn nicht kardiopulmonale Gründe (Myokardischämie, Herzinsuffizienz, …) andere Grenzwerte erfordern. Senkung des Blutdrucks ist eine ärztliche Maßnahme.
Neurocheck inkl. Messung des Blutzuckers ist zwingend erforderlich!
Transportentscheidung: Wenn verfügbar: Stroke Unit, sonst Abklärung mit Leitstelle wegen Alternativen (Abt. für Neurologie oder Innere Medizin, mit Möglichkeit zur CT und Intensivüberwachung). Bei Anforderung einer Stroke Unit ist anzugeben:
Alter
Beginn der Symptome
Vorherige Schlaganfälle
Vorsicht
Eine engmaschige Verlaufskontrolle, insbesonders des Bewusstseinszustandes, ist wichtig!
9.16.3. Vom Gehirn ausgehende Krämpfe: Zerebrale Krampfanfälle#
Beschreibung und Einteilung#
Bei vom Gehirn ausgehenden motorischen Krampfanfällen kommt es zur unkontrollierten Entladung von Nervenzellen im Gehirn zu Krämpfen der Skelettmuskulatur. Mögliche Ursachen sind akute oder chronische Erkrankungen des Gehirns. Die zerebralen Krampfanfälle kann man auf verschiedene Arten einteilen:
Nach Art:
Tonisch: “Verkrampfung”, erhöhter Muskeltonus
Klonisch: Zuckungen
Tonisch-klonisch: Kombination aus beidem, das klassische Erscheinungsbild eines Krampfanfalles
Nach Lokalisation:
Fokaler Anfall: Der Krampfanfall ist auf eine Körperregion beschränkt, siehe Fokaler Anfall
Generalisierter Anfall: Er betrifft den ganzen Körper, siehe Generalisierter Anfall
Ursachen#
Für zerebrale Anfälle gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Ursachen die direkt oder indirekt das Gehirn betreffen. Einige betreffen die Hirn- und Nervenstruktur, andere sorgen dafür, dass das Hirn zu wenig Sauerstoff und andere Nährstoffe erhält. Die häufigsten Ursachen und Grunderkrankungen sind im Folgenden aufgeführt:
Epilepsie: Die Epilepsie ist eine chronische Erkrankung welche durch wiederkehrende Episoden von zerebralen Krampfanfällen gekennzeichnet ist.
Vergiftungen: (Medikamente/Drogen/…) können wieder fast alles machen, also auch Krampfanfälle[1].
Hirntumor: Durch den Tumor wird das Hirn beschädigt, auch dadurch kann es zu Anfällen kommen.
Narbengewebe: nach Insult oder Hirnverletzung.
Hirnblutung
Sauerstoffmangel: z. B. Kollaps, Ischämie aufgrund eines Gefäßverschlusses
Zuckerstoffwechselstörung: Der Dauerbrenner. Eine Blutzuckerentgleisung kann fast alle neurologischen Symptome vortäuschen!
angeboren: ohne organisch fassbare Ursache
Fieberkrampf: Fieber bei Kleinkindern
Infektionen
Entzug: Entzug von Alkohol oder anderen Drogen
Fokaler Anfall#
Der Krampfanfall ist auf eine Körperregion beschränkt, z. B. auf eine Hand. Der Patient kann bei Bewusstsein sein. Ein fokaler Anfall kann sich ausweiten und in einen generalisierten Anfall übergehen.
Der fokale Anfall wird auch “petit mal”[2] genannt.
Generalisierter Anfall#
Der generalisierte Krampfanfall (“grand mal”[3]) betrifft den ganzen Körper. Häufig kommt es während des Anfalles zu einem Zungenbiss, außerdem zum Einnässen oder Einkoten. Der generalisierte Anfall läuft typischerweise in mehreren Phasen ab:
Beginn: Dem Anfall kann ein Dämmerzustand vorausgehen, eine sog. “Absence”. Der Patient wirkt dabei plötzlich abwesend und “irgendwie komisch”. Dann verliert er das Bewusstsein und die Muskeln werden anfangs schlaff. Wenn der Patient gestanden ist, fällt er ungebremst auf den Boden (Cave: Verletzungen!). Manchmal kommt es vor, dass der Patient einen Initialschrei von sich gibt, der gruselig klingen kann.
Krampf: Dann kommt es zu tonisch-klonischen Krämpfen, die den ganzen Körper betreffen. Während des Anfalls ist der Patient nicht bei Bewusstsein, es besteht außerdem i.d.R. ein Atemstillstand. Er kann jedoch starke Kräfte entwickeln, es besteht massive Verletzungsgefahr.
Danach: Der Krampf dauert meist wenige Minuten und hört von selbst auf. Der Patient ist danach erstmal bewusstlos, im weiteren Verlauf mit mehr oder weniger großem Aufwand erweckbar. Er befindet sich dann in der sogenannten Nachschlafphase . Der Patient klart im Verlauf mehr und mehr auf. Es ist wichtig zu versuchen mit dem Patienten in Kontakt zu treten um seinen Wachheitsgrad und dessen Verlauf beurteilen zu können. Für den Anfall selbst besteht Amnesie! Daher muss man den Patienten aufklären was passiert ist, wo er sich befindet, etc. Ein Neuro- und Traumacheck ist nach Anfall unbedingt notwendig!
Status epilepticus#
Im Rettungsdienst gilt praktisch jeder Krampfanfall, den das Personal selber miterlebt, als Status-Verdächtig.
Der Status epilepticus ist eine lebensgefährliche Steigerung des generalisierten Krampfanfalls. Er besteht dann, wenn der Anfall nicht nach kurzer Zeit vergeht oder innerhalb kurzer Abstände mehrere Anfälle auftreten (z. B. zwei oder mehr Anfälle innerhalb von 24 Stunden). Der Krampf muss dann mit Medikamenten durchbrochen werden.
Maßnahmen Krampfender Patient#
- Taktik
Vitale Bedrohung!
Verletzungen vermeiden, Vitalfunktionen sichern, Abklären ob Status epilepticus besteht, Klärung des Herganges (Fremdanamnese!), Differentialdiagnosen abklären
⛑ Basismaßnahmen - Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten, Besonderheiten:
Lagerung: sichern. In der Nachschlafphase stabile Seitenlage
Patient vor Verletzungen schützen, Möbel etc. entfernen oder polstern
NICHT festhalten – aber sichern, Eigenschutz beachten! Der Patient darf nicht von der Trage oder aus dem Bett fallen, der Kopf darf nicht am Boden oder Tischbein anschlagen, etc.
Besondere Diagnostik:
Neurocheck inkl. Messung des Blutzuckers!
Traumacheck
Nach jedem Krampanfall: Einschätzungsblock (Patient Assessment & Management) inkl. Trauma-Untersuchungen
Reizabgeschirmter Transport
Transportentscheidung: Abt.f. Innere Medizin. (evtl. auch Intensivüberwachung)
Maßnahmen: Nicht-(mehr) krampfender Patient#
- Taktik
Abklären ob Status epilepticus besteht, Klärung des Herganges (Fremdanamnese!), Differentialdiagnosen abklären Neuerlicher Krampfanfall möglich!
- ⛑ Basismaßnahmen
Umstände klären und entscheiden ob Notarzt notwendig ist:
2 oder mehr Krampfanfälle innerhalb von 24 Stunden
Anfälle “erheblich anders” als sonst üblich
Erster Krampfanfall überhaupt
Besondere Diagnostik:
Neurocheck inkl. Messung des Blutzuckers!
Traumacheck
Reizabgeschirmter Transport
Transportentscheidung: Abt.f. Innere Medizin.
Besondere Krampfanfälle#
Fieberkrampf#
Kinder unter 4 Jahren können bei schnellem, hohen Fieberanstieg (> 39°C) Fieberkrämpfe entwickeln. Sie entsprechen einem vom Gehirn ausgehenden Krampfanfall und sind grundsätzlich genau so zu behandeln.
Mitunter ist die Neigung des Kindes zu Fieberkrämpfen schon bekannt und es wurden bereits spezielle Zäpfchen für den Bedarfsfall verschrieben (und bei Eintreffen eventuell schon von den Eltern gegeben).
Fig. 213 Fieber#
© Sebastian Gabriel ℓ MfG
Eklamptischer Krampfanfall während der Schwangerschaft#
In Folge einer Präeklampsie (EPH-Gestose) kann es zu einem sog. eklamptischen Krampfanfall kommen. Dieser wird unter EPH-Gestose: Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom besprochen.
9.16.4. Probleme mit der Wirbelsäule: Lumbago, Lumbo-ischialgie und Bandscheibenvorfall#
Symptome#
Verschiedene Ursachen wie z. B. eine Nervenreizung, ein Bandscheibenvorfall (siehe unten), Erkrankungen der Wirbelsäule oder ein Unfall können zu einem Druck auf den Ischias-Nerv führen, welcher starke Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) verursachen kann. Die Schmerzen strahlen oft ins Gesäß und in das betroffene Bein bis zum Fußaußenrand aus und werden von Gefühlsstörungen in diesem Gebiet bzw. von einer Verkrampfung der Rückenmuskulatur begleitet. Diese Symtomatik nennt man Ischialgie bzw. Lumbalgie. Bei plötzlichem Auftreten spricht man von Lumboischialgie (Lumbago ) oder umgangssprachlich vom Hexenschuss.
Bei vorgeschädigten Bandscheiben (z. B. durch jahrelange Fehlhaltung oder durch falsches Heben großer Lasten) kann es zu einer (plötzlichen) Verschiebung des Bandscheibenkerns in Richtung Rückenmark und somit zu einem Druck auf dieses kommen. Dieser Druck verursacht ebenfalls Schmerzen, Sensibilitätsstörungen oder sogar Lähmungen. Tritt dieses Ereignis plötzlich auf, spricht man von einem akuten Bandscheibenvorfall . Häufig ist die Lendenwirbelsäule (LWS-Bereich) betroffen.