12.18.4. Transurethrale Resektion der Prostata oder der Blase (TUR-P, TUR-B)#
Siehe auch
Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)#
Bei der TUR-P sind insbesondere Blutung, Resorption von Spüllösung und Kreislaufbelastung zu berücksichtigen.
- Varianten
Monopolare TUR-P
Bipolare TUR-P
- Beschreibung, Pathophysiologie
Endoskopische Abtragung von Prostatagewebe über die Urethra unter kontinuierlicher Blasenspülung; systemische Resorption der Spüllösung über eröffnete venöse Gefäße möglich
Monopolare Resektion: Verwendung elektrolytfreier, häufig hypoosmolarer Spüllösungen. Bei systemischer Resorption besteht die Gefahr eines klassischen TUR-SyndromTUR-Syndroms mit Verdünnungshyponatriämie, Hypoosmolalität und gegebenenfalls neurologischer Symptomatik.
Bipolare Resektion: Verwendung isotoner Kochsalzlösung. Das Risiko einer spülflüssigkeitsbedingten Verdünnungshyponatriämie ist deutlich geringer; eine klinisch relevante Volumenüberlastung durch Flüssigkeitsresorption bleibt jedoch möglich (🗎 Ortner 2022).
- Dringlichkeit
semielektiv
- Dauer (S/N)
Keine Angabe
- Präanästhesie, Aufklärung
TUR-Syndrom bei monopolarer Resektion
Volumenüberlastung durch Spülflüssigkeitsresorption auch bei bipolarer Resektion
- Prä-OP-Diagnostik
Keine Besonderheiten
- Blutmanagement
Blutgruppenbestimmung, Antikörpersuchtest (AKS) und Transfusionsanamnese
2 EK
- Antibiotika
Perioperative Antibiotikaprophylaxe
- Anästhesieverfahren
- Airway
Spontanatmung bei Spinalanästhesie; supraglottischer Atemweg oder ETI bei Allgemeinnarkose
- Invasivitäten, Zugänge
PVK
Dreilumiger Spülkatheter postoperativ
- Narkoseführung
Bei Spinalanästhesie neurologische Frühsymptome einer Spülflüssigkeitsresorption erkennen
Bei längerer Resektion auf Zeichen einer Volumenüberlastung achten
- Lagerung
Steinschnittlagerung; Druck auf N. peroneusN. peroneus und übermäßige Hüftflexion vermeiden; Beine synchron lagern und zurücklagern
- Aufstellung
Operateur zwischen den Beinen; Anästhesie am Kopfende
- Geräte
Resektoskop, elektrochirurgisches Resektionssystem, Spülvorrichtung
- Peri-OP-Diagnostik, Monitoring
Serum-Natrium, Hämoglobin und BGA bei Verdacht auf Spülflüssigkeitsresorption, Blutung oder Kreislaufdekompensation
- OP-Ablauf
Einführen des Resektoskops über die Urethra, Inspektion von Blase und Prostata
Darstellung von Blasenhals, Prostataseitenlappen und Verumontanum
Schichtweise Resektion des hyperplastischen Prostatagewebes mit der elektrischen Schlinge
Blutstillung durch Koagulation der Resektionsflächen
Ausspülen und Bergen der Gewebespäne, Kontrolle der Resektionshöhle
Einlegen eines dreilumigen Blasenkatheters, gegebenenfalls kontinuierliche Blasenspülung
- Gefahren
Erheblicher Blutverlust aus dem Prostatagewebe
TUR-Syndrom bei monopolarer Resektion
Volumenüberlastung durch Spülflüssigkeitsresorption bei beiden Resektionsverfahren
Perforation von Prostatakapsel oder Harnblase mit Spülflüssigkeitsextravasation
- Typische Komplikationen
Nachblutung, Koagelretention, Harnwegsinfektion; bei Spülflüssigkeitsresorption Hyponatriämie beziehungsweise Lungenödem
Hinweise auf eine relevante Flüssigkeitsresorption:
Kreislaufveränderungen, beispielsweise Hypertonie, Bradykardie oder bei Dekompensation Hypotonie
Übelkeit, Unruhe, Sehstörungen, Verwirrtheit oder Krampfanfälle bei hypoosmolarer Resorption
Dyspnoe, Oxygenierungsstörung und Lungenödem bei Volumenüberlastung
Veränderungen von Natrium, Chlorid, Osmolalität und Säure-Basen-Status, abhängig von der Spüllösung
- Postoperatives Management
Blasenspülung, Katheterdurchgängigkeit und Hämaturie kontrollieren
Bei Verdacht auf Spülflüssigkeitsresorption Serum-Natrium, Flüssigkeitsbilanz und respiratorischen Status kontrollieren
IMCU/ICU bei schwerem TUR-Syndrom oder anhaltender Kreislauf- beziehungsweise respiratorischer Instabilität
Bei Verdacht auf ein TUR-Syndrom beziehungsweise eine relevante Spülflüssigkeitsresorption sind die Resektion und weitere Flüssigkeitszufuhr mit dem Operationsteam abzustimmen, die Kreislauf- und Atemsituation zu stabilisieren und Elektrolyte sowie Blutgase zu kontrollieren, siehe TUR-Syndrom.
Transurethrale Resektion der Harnblase (TUR-B)#
Bei der Resektion von Tumoren an der lateralen Blasenwand kann der elektrische Strom den N. obturatorius stimulieren. Die dadurch ausgelöste plötzliche Adduktion des Oberschenkels (Obturatoriusreflex, obturator jerk) kann eine Perforation der Blasenwand verursachen.
- Varianten
Monopolare oder bipolare TURB
Resektion solitärer oder multipler Blasentumoren
Gegebenenfalls Re-TURB
- Beschreibung, Pathophysiologie
Endoskopische Abtragung von Blasentumoren über die Urethra; Stimulation des N. obturatorius bei Resektion an der lateralen Blasenwand möglich
- Dringlichkeit
Semielektiv bei Tumorverdacht; bei ausgeprägter tumorbedingter Blutung dringlich
- Dauer (S/N)
Keine Angabe
- Präanästhesie, Aufklärung
Tumorlokalisation an der lateralen Blasenwand erfragen; bei Spinalanästhesie zusätzliche Obturatoriusblockade erwägen
- Prä-OP-Diagnostik
Keine Besonderheiten
- Blutmanagement
Keine routinemäßige EK-Bereitstellung
Bei großflächigem Tumor oder ausgeprägter Hämaturie Blutgruppenbestimmung und Antikörpersuchtest (AKS)
- Antibiotika
Perioperative Antibiotikaprophylaxe bei erhöhtem postoperativem Infektionsrisiko
- Anästhesieverfahren
Spinalanästhesie, bei lateraler Blasenwandresektion gegebenenfalls mit Obturatoriusblockade
Eine Spinalanästhesie alleine verhindert die periphere elektrische Stimulation des N. obturatorius nicht zuverlässig.
Allgemeinnarkose mit neuromuskulärer Blockade bei lateraler Blasenwandresektion
Obturatoriusblockade: Bei Seitenwandresektionen zur Verminderung des Reflexrisikos erwägen. Ausreichende neuromuskuläre Blockade kann das Reflexrisiko ebenfalls vermindern.
- Airway
Spontanatmung bei Spinalanästhesie; supraglottischer Atemweg oder ETI bei Allgemeinnarkose
- Invasivitäten, Zugänge
PVK
- Narkoseführung
Bei lateraler Blasenwandresektion Obturatoriusreflex durch Obturatoriusblockade oder ausreichende neuromuskuläre Blockade verhindern
Bei Blasenperforation Risiko der Spülflüssigkeitsextravasation berücksichtigen
- Lagerung
Steinschnittlagerung; Druck auf N. peroneus und übermäßige Hüftflexion vermeiden; Beine synchron lagern und zurücklagern
- Aufstellung
Operateur zwischen den Beinen; Anästhesie am Kopfende
- Geräte
Resektoskop, elektrochirurgisches Resektionssystem, Spülvorrichtung
- Peri-OP-Diagnostik, Monitoring
Hämoglobin bei ausgeprägter Blutung; Flüssigkeitsbilanz und Kreislaufkontrolle bei vermuteter Blasenperforation
- OP-Ablauf
Einführen des Resektoskops über die Urethra, systematische Inspektion der Harnblase
Lokalisation und Beurteilung der Tumoren einschließlich ihrer Beziehung zu den Uretermündungen
Schichtweise Resektion des Tumors mit der elektrischen Schlinge
Resektion der Tumorbasis mit Gewinnung von Detrusormuskulatur, soweit technisch und onkologisch vorgesehen
Bergung des Resektionsmaterials zur Histologie
Blutstillung, Kontrolle auf Blasenperforation und verbliebene Tumoranteile
Gegebenenfalls Blasenkatheter und postoperative intravesikale Instillation bei fehlendem Perforationsverdacht
- Gefahren
Obturatoriusreflex bei lateraler Blasenwandresektion mit Gefahr der Blasenperforation
Blutung und Koagelretention
Extravasation von Spülflüssigkeit bei Blasenperforation
- Typische Komplikationen
Hämaturie, Koagelretention, Harnwegsinfektion, Blasenperforation
- Postoperatives Management
Hämaturie, Katheterdurchgängigkeit und Blasenspülung kontrollieren
Bei Blasenperforation Überwachung von Bauchbefund, Kreislauf und Flüssigkeitsbilanz; weitere Versorgung mit der Urologie festlegen
Bei vermuteter Blasenperforation sind der Eingriff zu unterbrechen und das weitere Vorgehen mit der Urologie abzustimmen (♛ EAU Urogenital Trauma 2026).