12.18.2. Nephrektomie#
Unterschieden werden die radikale beziehungsweise einfache Nephrektomie und die nierenerhaltende Teilresektion. Die offene und die laparoskopische Operation unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich Lagerung, operativem Zugang und Auswirkungen der CO₂-Insufflation. Nach Nephrektomie sind die Nierenfunktion und die Flüssigkeits- beziehungsweise Arzneimitteltherapie an die verbleibende renale Funktion anzupassen.
Nephrektomie, offen#
- Varianten
Radikale Nephrektomie bei Nierentumor
Einfache Nephrektomie, z. B. bei funktionsloser Niere
Offene Nierenteilresektion
Erweiterte Nephrektomie bei Tumorausdehnung auf Nachbarorgane oder Nierenvene/Vena cava inferior
- Beschreibung, Pathophysiologie
Offene Nierenentfernung beziehungsweise Nierenteilresektion über Flanken- oder transabdominalen Zugang; potenziell erheblicher Blutverlust aus Nierenhilus oder großen retroperitonealen Gefäßen
- Dringlichkeit
Semielektiv; bei unkontrollierter Nierenblutung dringlich
- Dauer (S/N)
Keine Angabe
- Präanästhesie, Aufklärung
Thorakaler Periduralkatheter um Th10 zur postoperativen Analgesie bei Flankenschnitt
Transfusionsrisiko bei großen Tumoren und Beteiligung der Nierengefäße
Lagerungsbedingte Druck- und Nervenschäden bei ausgeprägter Nierenlagerung
- Prä-OP-Diagnostik
Kreatinin/eGFR, Kalium und Hämoglobin als Ausgangswerte
Bei Tumorthrombus in der Nierenvene oder Vena cava inferior: Ausdehnung und operativ geplantes Gefäßmanagement vor Narkoseeinleitung klären
- Blutmanagement
Blutgruppenbestimmung, Antikörpersuchtest (AKS) und Transfusionsanamnese
2 EK
Bei Cavathrombus, Gefäßrekonstruktion oder ausgedehnter Tumorresektion zusätzliche Blutprodukte vorbereiten
- Antibiotika
Perioperative Antibiotikaprophylaxe, z. B. Cefazolin
- Anästhesieverfahren
Allgemeinnarkose, gegebenenfalls kombiniert mit thorakaler PDA
- Airway
- Invasivitäten, Zugänge
Zwei großlumige PVK
ZVK bei hämodanymischen Risiko
Harnkatheter, Temperaturmessung
- Narkoseführung
- Lagerung
Seiten- beziehungsweise Nierenlagerung, häufig mit Flexion des Operationstisches und lumbaler Überstreckung
Sorgfältige Polsterung; ausgeprägte Überstreckung und Druck auf abhängige Schulter, Arm, Thorax und Hüfte vermeiden. Nach endgültiger Seitenlagerung Atemweg, Infusionsleitungen und arterielle Druckmessung kontrollieren. Diese Lagerung kann den venösen Rückstrom sowie Herzzeitvolumen und arteriellen Blutdruck vermindern (🗎 Yokoyama 2000).
- Aufstellung
Keine Besonderheiten
- Geräte
keine Besonderheiten
- Peri-OP-Diagnostik, Monitoring
Hämoglobin und BGA bei relevantem Blutverlust oder Kreislaufinstabilität
Kalium und Säure-Basen-Status bei vorbestehender Niereninsuffizienz oder längerer renaler Gefäßabklemmung
Beginn und Ende der renalen Ischämiezeit bei Nierenteilresektion dokumentieren
- OP-Ablauf
Radikale Nephrektomie
Flanken- oder transabdominaler Zugang, Eröffnung des Retroperitoneums
Darstellung der Niere, Mobilisierung angrenzender Strukturen
Präparation des Nierenhilus mit Darstellung von Arteria und Vena renalis
Ligatur beziehungsweise Durchtrennung der Nierengefäße
Präparation und Durchtrennung des Ureters
Entfernung der Niere mit perirenalem Gewebe; Nebenniere nur bei entsprechender Tumorbeteiligung
Hämostase, gegebenenfalls Drainage, schichtweiser Wundverschluss
Nierenteilresektion
Freilegung von Niere, Tumor und Nierenhilus
Gegebenenfalls temporäre Abklemmung der Nierengefäße
Tumorexzision beziehungsweise Enukleation unter Erhalt des übrigen Nierenparenchyms
Versorgung eröffneter Gefäße und gegebenenfalls des Nierenbeckenkelchsystems
Parenchymnaht, Freigabe des Blutflusses, Kontrolle auf Blutung und Harnleckage
Gegebenenfalls Drainage, Wundverschluss
- Gefahren
Massive Blutung aus Nierenhilus, Vena cava inferior oder größeren retroperitonealen Gefäßen
Verletzung von Pleura, Milz, Leber oder Darm
Verminderter venöser Rückstrom bei übermäßiger Operationstischflexion
Ischämie der Restniere bei Teilresektion mit Gefäßabklemmung
Nierentumor kann sich als PhäochromozytomPhäochromozytom entpuppen!
- Typische Komplikationen
Nachblutung, akute Nierenschädigung, Wund- beziehungsweise Lagerungsschäden; nach Teilresektion zusätzlich Urinom beziehungsweise Harnfistel
- Postoperatives Management
AWR; IMCU/ICU bei ausgeprägtem Blutverlust, Gefäßrekonstruktion oder persistierender Kreislaufinstabilität
Kreatinin/eGFR, Kalium, Hämoglobin und Diurese kontrollieren
Analgesie, Flüssigkeits- und Arzneimitteltherapie an die verbliebene Nierenfunktion anpassen
Bei Teilresektion Drainage auf Harnbeimengung beziehungsweise Harnleckage kontrollieren
Nephrektomie, laparoskopisch#
- Varianten
Transperitoneale laparoskopische Nephrektomie
Retroperitoneoskopische Nephrektomie
Radikale Nephrektomie oder Nierenteilresektion
Gegebenenfalls Roboter-assistiertes Vorgehen
- Beschreibung, Pathophysiologie
Laparoskopische Entfernung der Niere beziehungsweise Nierenteilresektion unter CO₂-Pneumoperitoneum oder CO₂-Retroperitoneum
Bei laparoskopischer Nephrektomie kommen zusätzlich die hämodynamischen und respiratorischen Auswirkungen des Pneumoperitoneums hinzu.
- Dringlichkeit
semielektiv
- Dauer (S/N)
Keine Angabe
- Präanästhesie, Aufklärung
Kardiopulmonale Belastung durch Seitenlagerung und CO₂-Insufflation bei eingeschränkter Reserve
Lagerungsbedingte Druck- und Nervenschäden
- Prä-OP-Diagnostik
Kreatinin/eGFR, Kalium und Hämoglobin als Ausgangswerte
- Blutmanagement
Blutgruppenbestimmung, Antikörpersuchtest (AKS) und Transfusionsanamnese
2 EK
Bei schwieriger Gefäßpräparation oder Konversion raschen Zugriff auf Blutprodukte sicherstellen
- Antibiotika
Perioperative Antibiotikaprophylaxe, z. B. Cefazolin
- Anästhesieverfahren
- Airway
- Invasivitäten, Zugänge
Peripherer Venenzugang; zusätzlicher großlumiger Zugang bei komplexem Tumor oder erwartetem Blutverlust
Arterieller Zugang bei Gefäßbeteiligung, erhöhtem Blutungsrisiko oder relevanter Herz-Kreislauf-Erkrankung
Harnkatheter, Temperaturmessung
- Narkoseführung
- Lagerung
Seiten- oder modifizierte Seitenlagerung mit Operationsseite oben, gegebenenfalls Tischflexion; Druckschutz und gesicherte Fixierung vor Insufflation
- Aufstellung
Laparoskopieturm und Bildschirm entsprechend dem Zugangsweg; Atemweg und Leitungen müssen trotz Seitenlagerung zugänglich bleiben
- Geräte
Laparoskopieturm, CO₂-Insufflator, aktive Wärmung; bei Roboter-assistiertem Vorgehen zusätzlich Robotersystem
- Peri-OP-Diagnostik, Monitoring
BGA bei ausgeprägter Hyperkapnie, Kreislaufinstabilität oder relevantem Blutverlust
Hämoglobinkontrolle bei Blutung; Kalium und Säure-Basen-Status bei eingeschränkter Nierenfunktion
Ischämiezeit bei Nierenteilresektion dokumentieren
- OP-Ablauf
Radikale Nephrektomie, transperitoneal
Anlage des CO₂-Pneumoperitoneums und Einbringen der Trokare
Mobilisierung des Kolons und Freilegung des Retroperitoneums
Aufsuchen des Ureters und Darstellung des Nierenhilus
Präparation, Verschluss und Durchtrennung der Nierenarterie und Nierenvene
Durchtrennung des Ureters, Mobilisierung der Niere mit perirenalem Gewebe
Bergung der Niere im Bergebeutel über erweiterten Trokar- beziehungsweise Bergeschnitt
Hämostase, gegebenenfalls Drainage, Ablassen des CO₂ und Wundverschluss
Nierenteilresektion
Freilegung der Niere und Darstellung des Tumors, gegebenenfalls intraoperativer Ultraschall
Präparation der Nierengefäße, gegebenenfalls temporäre Gefäßabklemmung
Tumorexzision beziehungsweise Enukleation
Verschluss eröffneter Gefäße und gegebenenfalls des Hohlsystems, Parenchymnaht
Aufhebung der Gefäßabklemmung, Kontrolle von Hämostase und Dichtigkeit
Präparatebergung, gegebenenfalls Drainage, Desufflation und Wundverschluss
- Gefahren
Gefäßverletzung mit massiver Blutung und möglicher Konversion zur offenen Operation
Hämodynamische und respiratorische Belastung durch CO₂-Pneumoperitoneum
Verletzung von Kolon, Milz, Leber, Pankreas oder Zwerchfell
Druck- und Nervenschäden durch Seitenlagerung
Renale Ischämie bei temporärer Gefäßabklemmung
- Typische Komplikationen
Nachblutung, akute Nierenschädigung, lagerungsbedingte Nervenschäden; nach Teilresektion Urinom beziehungsweise Harnfistel
- Postoperatives Management
AWR; IMCU/ICU bei relevantem Blutverlust, Gefäßkomplikation oder persistierender Kreislaufinstabilität
Kreatinin/eGFR, Kalium, Hämoglobin und Diurese kontrollieren
Flüssigkeits- und Arzneimitteltherapie an die verbliebene Nierenfunktion anpassen
Bei Teilresektion auf Harnleckage achten