9.14.2. Die Geburt#
Achtung
Dieser Abschnitt ist noch auf Sanitätshilfe-Niveau und muss noch inhaltlich erweitert werden! Mitarbeit ist gerne geshen. Bitte beachten Sie § 1.3.3: “Hinweise zur Mitarbeit und Einreichung von Beiträgen”.
Als Beginn der Geburt zählt:
Regelmäßige Wehen in 10—15 Minuten Abstand für länger als eine Stunde
Sprung der Fruchtblase und Abgang von Fruchtwasser
Die Geburt verläuft in 3 Phasen:
Eröffnungsphase
Austreibungsphase
Nachgeburtsphase
Eröffnungsphase#
Die Eröffnungsphase beginnt mit den ersten regelmäßigen Wehen und endet mit der vollständigen Eröffnung des Muttermundes auf 10 cm. Durch Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur (Wehen) wird das Kind langsam in den Geburtskanal nach unten gepresst. Dadurch verkürzt sich der Gebärmutterhals (Zervix), und der Muttermund wird eröffnet. Der Wehenabstand beträgt ca. 2—10 min. Während der Eröffnungsphase kommt es zum Platzen der Fruchtblase (Blasensprung ), dabei geht Fruchtwasser und etwas blutiges Sekret ab.
Bei Erstgebärenden dauert die Eröffnungsperiode ca. 6—9 h, bei Mehrgebärenden ca. 3—7 h. Die tatsächliche Dauer kann sehr unterschiedlich sein.
Ab dem Blasensprung darf die Gebärende nicht mehr aufstehen, sondern muss liegend transportiert werden. Es besteht die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls in den Geburtskanal!
Austreibungsphase#
Die Austreibungsphase beginnt mit der vollständigen Eröffnung des Muttermundes (10 cm) und endet mit der Geburt des Kindes. Der Wehenabstand beträgt nun 2-3 Minuten. Die Wehen werden im Verlauf kraftvoller und die Frau verspürt mit Fortschreiten der Geburt einen Pressdrang (Presswehen). Der Kopf des Kindes wird schließlich nun zwischen den Schamlippen sichtbar. Wenn der Kopf geboren ist, folgt der restliche Körper in der Regel schnell nach. Vorsicht: Das Kind ist durch die Fruchtschmiere rutschig!
Der Damm#
Als Damm wird das Stück Haut zwischen Scheide und Anus bezeichnet. Mittels eines Griffes namens Dammschutz kann theoretisch die Wahrscheinlichkeit eines Dammrisses minimiert werden. Dabei wird die Hand unterhalb der Scheide angelegt und man versucht das Gewebe zu stabilisieren. In der Praxis ist dieser Schutz, insbesonders für darin nicht routiniertes Personal, schwer zu erreichen.
Dennoch ist der Dammschutz nicht unwichtig: Durch das Pressen wird nicht nur das Kind geboren, sondern in der Regel auch Stuhl abgesetzt. Durch den Dammschutz, in Verbindung mit einer Unterlage, kann das Kind vor dem Stuhl der Mutter geschützt werden (Stuhlschutz ).
Nachgeburtsphase#
Nach 10—20 Minuten kommt es neuerlich zu Wehen, welche den Presswehen ähnlich sind. Es kommt zur Geburt der Plazenta (Mutterkuchen). Die Gefahr hierbei ist, dass es zu starkem Blutverlust bei der Mutter kommen kann. Die Plazenta ist für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus mitzunehmen! [1]
Weblink
Birth of Baby (Vaginal Childbirth): http://www.youtube.com/watch?v=Xath6kOf0NE
Durchtrennung der Nabelschnur, die patientenferne Klemme ist durch die Hand verdeckt. © WMC: "Jeremykemp" ℓ PD
Abgeklemmte Nabelschnur © WMC: "Harmid" ℓ PD
Nabelschnurstumpf nach sieben Tagen © WMC: "Fatrabbit" ℓ PD
Fig. 210 Bilderserie: Nabelschnur#
Die bevorstehende Geburt#
Anamnese – Spezielle Fragen#
Wievielte Schwangerschaftswoche (SSW)? Geplanter Geburtstermin?
Wievielte Schwangerschaft, wievielte Geburt?
Wehenabstand
Blasensprung?
Komplikationen bekannt?
Mutter-Kind-Pass verlangen. Darin stehen mit unter wichtige Informationen über die Schwangerschaft bzw. die Geburt.
In welchem Krankenhaus ist die Geburt angemeldet?
SSW, Termin?
WievielteSchwangerschaft bzw. Geburt?
Wehenabstand?
Blasensprung?
Komplikationen bekannt?
Mutter-Kind-Pass
Voranmeldung zur Geburt?
Betreuung der Gebärenden und Transport#
Anhand des Wehenabstandes und dem Vorliegen oder Nichtvorliegen eines Pressdrangs oder Blasensprungs kann man den Fortschritt der Geburt einschätzen. Bei Mehrgebärenden ist der Geburtsverlauf oft rascher. Befindet sich die Mutter noch in der Eröffnungsphase, wird ein schnellstmöglicher, schonender Transport ins Krankenhaus angestrebt. Grundsätzlich soll die Gebärende in, zumindest leichter, Seitenlage transportiert werden um ein Vena-cava-Kompressionssyndroms (vgl. Vena-cava-Kompressionssyndrom) zu vermeiden. Idealerweise wird in Linksseitenlage gelagert, doch ist das nicht zwingend. Ab dem erfolgtem Blasensprung darf die werdende Mutter jedenfalls nur mehr liegend transportiert werden, um einen Nabelschnurvorfall vorzubeugen. Sollte die Mutter stehend angetroffen werden, muss dies dokumentiert werden.
Der Geburtsvorgang und Versorgung des Neugeborenen#
Ab Beginn der Presswehen bzw. wenn der Kindskopf oder -teile (Nabelschnur, Hand, …) zwischen den Schamlippen sichtbar sind, ist der weitere Transport zu unterlassen und das Fachpersonal muss bei der Geburt Hilfestellung leisten.
Maßnahmen: Spontangeburt#
- Vorbereitung
(Not-)Arzt hinzuziehen
Fahrzeug/Umgebung einheizen
Vorbereiten des Geburtenset
Lagerung: Z. B. erhöhter Oberkörper, angewinkelte Beine; Wunsch der Mutter berücksichtigen!
- Geburt
Stuhlschutz
Versorgung des Neugeborenen (Maßnahmen: Versorgung des Neugeborenen)
Nachdem die Nabelschnur durchgeschnitten wurde, mütterliche Seite an Oberschenkel fixieren und vor Zug schützen
Dokumentation von Geburtszeit und Geburtsort
Maßnahmen: Versorgung des Neugeborenen#
Neugeborenes abrubbeln
Erstbeurteilung:
Muskeltonus
Atemweg
Bei Atemwegsverlegung: Mittels Oro-Sauger absaugen
Absaugen ist nur notwendig, wenn die Atemwege verlegt sind. Eine solche Verlegung kann aufgrund von Mekonium[2], auch wenn das Neugeborene keine Mekoniumablagerungen auf der Haut zeigt, aber auch Blutkoageln, zähem Schleim oder Vernix bestehen. Wird abgesaugt, ist zu bedenken, dass zu heftiges oropharyngeales Absaugen das Einsetzen einer suffizienten Spontanatmung verzögern und zu einem Laryngospasmus sowie zu einer vagalen Bradykardie führen kann. Das Vorhandensein von zähflüssigem Mekonium beim schlaffen, avitalen Neugeborenen ist die einzige Situation, in der ein sofortiges Absaugen des Oropharynx zu erwägen ist.
Atmung
Bei Schnappatmung oder fehlender Atmung: Atemwege öffnen 5 initiale Beatmungen
Kreislauf: HF messen (durch Auskultation an der Herzspitze (nur geübtes Personal) oder an Oberarmarterie) [3]. Wenn ein geeignetes Pulsoxymeter vorhanden ist, kann auch dieses verwendet werden.
Kräftiges Schreien/suffiziente Atmung |
Insuffiziente Spontanatmung, Atemstillstand oder Bradykardie |
|---|---|
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Fig. 211 Set für eine Geburt (Partus-Set)Verbandsmaterial, saugstarke Tücher, Nabelklemmen (2 Stk.), Orosauger, Aluminiumdecke, Klebeband, Schere, Verbandspäckchen#
© Ch. Pallinger ℓ MfG
Apgar-Score#
Der Apgar-Score ist nach Virginia Apgar benannt und ist ein Punkteschema zur Beurteilung von Neugeborenenen. Die Bestimmung erfolgt 1, 5 und 10 Minuten nach der Geburt. Die optimale Punktzahl für Neugeborene sind 9—10 Punkte. Bei Wertungen zwischen 5—8 gilt das Neugeborene als gefährdet, unter 5 als akut lebensgefährdet. Für die weitere Behandlung ist jedoch der klinische Zustand entscheidend, nicht der Apgar-Score.
Die Versorgung des Neugeborenen hat absoluten Vorrang vor der Erhebung des Apgar-Score!
Punkteschema zur Beurteilung von Neugeborenenen
Max. 9—10 Punkte
Kriterium |
0 Punkte |
1 Punkt |
2 Punkte |
|---|---|---|---|
Herzfrequenz |
unter 60 / min |
60–99 / min |
über 100 / min |
Atemanstrengung |
keine |
unregelmäßig, flach |
regelmäßig, Kind schreit |
Reflexe |
keine |
Grimassieren |
kräftiges Schreien |
Muskeltonus |
schlaff |
leichte Beugung der Extremitäten |
aktive Bewegung der Extremitäten |
(Haut-) Farbe |
blau, blass |
Stamm rosig, Extremitäten blau |
gesamter Körper rosig |
Nach der Geburt#
Nach dem Ende der Geburt müssen die Geburtszeit und der Geburtsort (Straße mit Hausnummer; Kreuzung; Autobahn mit km-Angabe, etc.) dokumentiert werden. Der Geburtsort ist insofern wichtig, da für die Ausstellung der Geburtsurkunde das für den Geburtsort zuständige Bezirksamt verantwortlich ist. Wenn Mutter und Kind wohlauf sind, kann der Transport in ein Krankenhaus fortgesetzt werden.
Es soll nicht auf die Nachgeburt gewartet werden. Sollte die Plazenta vor Eintreffen im Krankenhaus geboren werden, ist diese unbedingt sicherzustellen und mitzunehmen. Sie wird im Krankenhaus auf Vollständigkeit und Reife untersucht.