9.3.4. Persistierender Ductus arteriosus botalli (PDAB)#
Der Ductus arteriosus botalli verbindet im fetalen Kreislauf die A. pulmonalis mit der Aorta descendens und umgeht die noch nicht belüftete Lunge. Normalerweise verschließt er sich nach der Geburt funktionell und später anatomisch. Ein über die postnatale Übergangsphase hinaus offener Ductus wird als persistierender Ductus arteriosus botalli (PDAB) bezeichnet (♛ DGPK PDA 2020).
- Physiologie
Intrauterin halten ein niedriger Sauerstoffpartialdruck und insbesondere Prostaglandin E₂ den Ductus offen. Postnatal fördern der Anstieg des Sauerstoffpartialdrucks und die Abnahme der Prostaglandinwirkung den Verschluss. Bei Frühgeborenen kann sich dieser verzögern (🗎 Ambalavanan 2025).
- Hämodynamik
Links-rechts-Shunt: Bei isoliertem PDAB typischerweise pulmonale Mehrdurchblutung, Volumenbelastung des linken Herzens und gegebenenfalls Herzinsuffizienz
Erhöhter pulmonalvaskulärer Widerstand: Bidirektionaler oder Rechts-links-Shunt möglich; bei ausgeprägtem Rechts-links-Shunt gegebenenfalls Differentialzyanose
Ductusabhängiger Herzfehler: Die Ductusdurchgängigkeit ist für die systemische oder pulmonale Perfusion beziehungsweise die Durchmischung des Blutes erforderlich (♛ DGPK PDA 2020)
- Klinik und Diagnostik
Ein kleiner PDAB ist häufig asymptomatisch. Charakteristisch ist ein kontinuierliches systolisch-diastolisches Maschinengeräusch links infraklavikulär; insbesondere bei hohem pulmonalarteriellem Druck kann es fehlen. Ein hämodynamisch relevanter PDAB kann zu Tachypnoe, Lungenstauung und Herzinsuffizienz führen. Die Echokardiografie mit Doppler beurteilt Shuntrichtung, hämodynamische Relevanz, Ventrikelfunktion und pulmonale Druckverhältnisse (♛ DGPK PDA 2020).
- Ductusabhängige Herzfehler
Beispiele sind das hypoplastische Linksherzsyndrom, die kritische Aortenisthmusstenose und die Pulmonalatresie. Bis zur definitiven Versorgung kann die Durchgängigkeit des Ductus durch eine kontinuierliche Infusion von Prostaglandin E₁ (Alprostadil) aufrechterhalten werden. Apnoe und Hypotonie sind relevante Nebenwirkungen; die laufende Infusion darf nicht versehentlich unterbrochen werden. Ein Ductusverschluss kann bei ductusabhängiger Zirkulation lebensbedrohlich sein (♛ DGPK PDA 2020).
- Therapie des isolierten PDAB
Die Verschlussindikation richtet sich nach hämodynamischer Relevanz, Alter und pulmonalvaskulärem Widerstand. Bei Frühgeborenen ist häufig ein zunächst beobachtendes Vorgehen möglich; ein medikamentöser Verschluss mit Ibuprofen oder Indometacin und gegebenenfalls Paracetamol wird neonatologisch individuell entschieden (♛ GNPI PDA Frühgeborene 2026, 🗎 Ambalavanan 2025). Bei entsprechender Indikation kommen ein katheterinterventioneller Verschluss mittels Okkluder oder eine chirurgische Ductusligatur infrage. Bei Eisenmenger-Physiologie mit fixiert erhöhtem pulmonalvaskulärem Widerstand ist ein Verschluss kontraindiziert (♛ DGPK PDA 2020).
- Anästhesiologische Aspekte
Vor der Anästhesie: Shuntrichtung, Ventrikelfunktion, pulmonalvaskulären Widerstand und gegebenenfalls Ductusabhängigkeit klären
Links-rechts-Shunt: Zusätzliche pulmonale Überflutung und Volumenbelastung vermeiden
Pulmonale Hypertonie: Hypoxie, Hyperkapnie und Azidose als Auslöser einer weiteren Widerstandserhöhung vermeiden
Ductusabhängige Zirkulation: Prostaglandininfusion sicherstellen und das Verhältnis von pulmonaler zu systemischer Perfusion berücksichtigen
Monitoring: In Abhängigkeit von Shuntphysiologie und Eingriff gegebenenfalls prä- und postduktale Sauerstoffsättigung erfassen