Tonsillotomie und Tonsillektomie

12.18.3. Tonsillotomie und Tonsillektomie#

Tonsillotomie und Tonsillektomie unterscheiden sich im Ausmaß der Entfernung des Tonsillengewebes. Eine Nachblutung ist ein potenziell lebensbedrohlicher HNO-Notfall.

Varianten
  • Tonsillotomie: partielle Entfernung des Tonsillengewebes

  • Tonsillektomie: vollständige Entfernung der Gaumenmandeln

Beschreibung, Pathophysiologie

Operationen an den Gaumenmandeln; je nach Indikation wegen rezidivierender Erkrankung oder obstruktiver Symptomatik

Dringlichkeit

In der Regel elektiv; operative Blutstillung bei Nachblutung dringlich beziehungsweise notfallmäßig

Dauer (S/N)

keine Angabe

Präanästhesie, Aufklärung
  • Blutungsanamnese und gegebenenfalls obstruktive Schlafapnoe berücksichtigen

  • Über das Risiko primärer und sekundärer Nachblutungen aufklären

  • Bei Peritonsillarabszess zusätzlich eingeschränkte Mundöffnung, mögliche Abszessruptur und erhöhtes Aspirationsrisiko berücksichtigen

Prä-OP-Diagnostik

keine Besonderheiten

Blutmanagement
  • Elektive Tonsillektomie: 0 EK

  • Aktive Nachblutung: Blutverlust einschließlich verschluckten Blutes einschätzen, frühzeitig Blutgruppenbestimmung und Verträglichkeitsprobe veranlassen und EK entsprechend Blutungsschwere und klinischer Situation bereitstellen

Antibiotika

nein

Anästhesieverfahren

Allgemeinanästhesie

Airway
  • Gesicherter Atemweg für den gemeinsam genutzten Operationsbereich

  • Bei Nachblutung potenziell schwieriger, blutgefüllter Atemweg und nicht nüchterner Patient

  • Anatomisch vorgeformter oder flexibler Tubus kann den Operationszugang erleichtern; nach Einlegen des Spatels Tubuslage und Beatmung kontrollieren

Invasivitäten, Zugänge

keine Besonderheiten

Narkoseführung
  • Husten, Pressen und Erbrechen nach Möglichkeit vermeiden

  • Bei Blutungsrevision Kreislaufstabilisierung und Atemwegssicherung im Team koordinieren

Lagerung

Rückenlage, Gelring, Kopf rekliniert

Aufstellung

Operateur am Kopfende

Geräte

keine Besonderheiten

Peri-OP-Diagnostik, Monitoring

keine Besonderheiten

OP-Ablauf
  • Entfernung beziehungsweise Teilentfernung des Tonsillengewebes

  • Sorgfältige Blutstillung vor Beendigung des Eingriffs

Gefahren
  • Nachblutung und Aspiration

  • Hypovolämie bis zum hämorrhagischen Schock bei ausgeprägter Blutung

  • Bei Nachblutung kann verschlucktes Blut den tatsächlichen Blutverlust verschleiern und den Magen füllen; Hypovolämie und schwierigen blutgefüllten Atemweg einplanen

Typische Komplikationen
  • Primäre Blutung besonders innerhalb der ersten 24 h

  • Sekundäre Blutung nach mehreren Tagen während der Wundheilung (Schorf löst sich)

  • Respiratorische Obstruktion

Postoperatives Management
  • Achte auf Nachblutung