5.10.12. Auflichtmikroskopie#
Die Auflichtmikroskopie ermöglicht die direkte Darstellung der MikrozirkulationMikrozirkulation und erlaubt damit eine Beurteilung der tatsächlichen Gewebeperfusion auf Kapillarebene (🗎 Ince 2005, 🗎 Vincent 2009, 🗎 Taccone 2010). Im Gegensatz zu hämodynamischen Parametern wie Blutdruck oder Herzzeitvolumen, welche die Makrozirkulation beschreiben, können mit der Auflichtmikroskopie Perfusionsstörungen der Mikrozirkulation sichtbar gemacht werden, die trotz scheinbar stabiler Makrohämodynamik bestehen. Insbesondere bei septischem Schock kann trotz normalisiertem Blutdruck und ausreichendem Herzzeitvolumen eine ausgeprägte mikrovaskuläre Perfusionsstörung bestehen (Verlust der hämodynamischen Kohärenz). Die Auflichtmikroskopie verdeutlicht somit eindrucksvoll, dass eine Normalisierung makrohämodynamischer Parameter nicht zwangsläufig mit einer ausreichenden Organperfusion einhergeht.
Zum Einsatz kommen heute vor allem Verfahren des Sidestream Dark Field Imaging (SDF, 🗎 Petersen 2014) sowie des Incident Dark Field Imaging (IDF). Hierbei wird grünes Licht verwendet, welches vom Hämoglobin der Erythrozyten absorbiert wird. Dadurch erscheinen die Blutkörperchen als dunkle Strukturen innerhalb der kleinen Gefäße und können in Echtzeit beobachtet werden.
Fig. 99 Blutgefäße, dargestellt mit sidestream dark field imaging#
[© Fabio Silvio Taccone et al. in: 🗎 Taccone 2010, ℓ CC BY 2.0]
Die Untersuchung erfolgt meist sublingualsublingual da die Schleimhaut unter der Zunge leicht zugänglich ist und die dortige Mikrozirkulation häufig repräsentativ für die systemische Mikrozirkulation ist (Cave: Surrogatmarker!).
Die Interpretation erfolgt stets gemeinsam mit den klinischen Befunden sowie Parametern der Makrozirkulation.
Mit der Auflichtmikroskopie können unter anderem beurteilt werden:
Kapillardichte
Anteil perfundierter Gefäße
Flussgeschwindigkeit
Flussqualität (kontinuierlich, intermittierend oder fehlend)
Heterogenität der Gewebeperfusion
Die Auflichtmikroskopie besitzt derzeit vor allem theoretisch-wissenschaftliche Bedeutungtheoretisch-wissenschaftliche Bedeutung. Obwohl sie wertvolle Informationen über die Mikrozirkulation liefert, ist ihr routinemäßiger Einsatz im klinischen Alltag bislang aufgrund begrenzter Verfügbarkeit, fehlender Standardisierung und des hohen Untersucheraufwandes nur in spezialisierten Zentren etabliert.