Intoxikationen – Allgemein#

Eine Vergiftung ist eine (meist dosisabhängige) organische Funktionsbeeinträchtigung bzw. Schädigung des Organismus durch eine aufgenommene Substanz.

Vergiftungen sind eine interessante Sache: Ein an sich nützlicher Stoff kann sich in eine todbringende Waffe verwandeln, wenn er im Übermaß zugeführt wird. So ist zum Beispiel ein Überleben ohne Salz nicht möglich. Führt man jedoch 200 g zu, endet das meist tödlich. Sonst nützliche Medikamente können schon bei einer Dosisabweichung im Mikrogramm-Bereich eine fatale Wirkung haben.

Andererseits können Vergiftung in Abhängigkeit vom ursächlichen Stoff so ziemlich alle Erscheinungsformen darbieten. Oft findet man nur unspezifische Symptome vor, wie z. B. Erbrechen, Durchfall, Schmerzen im Magen-Darm-Trakt, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder Entgleisung der Vitalparameter. Es ist weder möglich, noch sinnvoll, auf sämtliche mögliche Vergiftungen im Detail einzugehen. Im Folgenden werden einige häufig anzutreffende Vergiftungen sowie Herangehensweisen für andere, weniger häufige, vorgestellt und besprochen.

Der Weg in den Körper – Aufnahme des Giftes#

Die Aufnahme der Substanz kann über verschiedene Wege erfolgen:

  • Oral: über den Mund

  • Inhalativ: Einatmen

  • Stechen, spritzen: in die Vene (intravenös, z. B. Drogenkonsum), in den Muskel, in die Haut (z. B. Insektenstich, Bisswunden)

  • Über die Haut: transkutan; fettlösliche Substanz kann Hautbarriere durchdringen (z. B.: organische Lösungsmittel, Insektenschutzmittel etc.). Die schließt auch Schleimhäute und Verätzungen ein.

Vergiftungsinformationszentrale#

Bei der Vergiftungsinformationszentrale kann Expertenrat eingeholt werden, sofern der verantwortliche Stoff bekannt ist. Unter Umständen kann wird hier auch bei der Identifizierung des Stoffes geholfen.

  • Expertenrat

    • Vergiftungsinformationszentrale: 01 / 406 43 43

Gegen die meisten Vergiftungen kann man präklinisch, ursächlich wenig unternehmen. Das Hauptaugenmerk liegt daher auf der Sicherung der Vitalfunktionen und symptomatischer Therapie.

Maßnahmen: Vergiftungen, allgemein#

⛑ Basismaßnahmen
  • Selbstschutz

  • Beendigung des Giftkontaktes

  • Evtl. Dekontamination bei Gefahrstoffen (z. B. Insektizide, Lösungsmittel in der chemischen Industrie, …)

  • Sicherung der Vitalfunktionen

  • Entscheidung, ob es sich um einen akut vital bedrohten Patienten handelt

  • Quellenforschung (Mistkübel durchsuchen)

  • Nüchtern lassen

  • NICHT absichtlich Erbrechen herbeiführen

  • Asservierung (Packungen, Erbrochenes in Nierentasse mitnehmen!)

  • Anamnese, Besonderheiten:

    1. Wer? (Alter, KG, Vorerkrankungen, … → Risikoabschätzung!)

    2. Was? (Art des Giftes → evt. zu erwartende Symptome)

    3. Wann? (Zeit seit Einnahme)

    4. Wie? (inhalativ, oral, perkutan, intravenös etc.)

    5. Wieviel? (Dosisabschätzung)

    6. Warum? (Ursachenforschung: Selbstmordversuch, Unfall, Fremdverschulden, Vorsatz?)

  • Ggfs. Expertenrat einholen und Entscheidung bezüglich des weiteren Vorgehens:

    1. Gegenmittel verfügbar?

    2. “Normales” Spitalsbett?

    3. Intensivüberwachung?

    4. Intensivüberwachung mit Entgiftungseinheit?

    5. Dialyse?

    6. Druckkammer?

    7. Sonstige Spezialbehandlungseinheit?