Amiodaron#
- Haupt- und Nebenwirkungen
Antiarrhythmikum
⚠: Proarrhythmikum, Hypotonie, Hyperthyreose, Hypokaliämie, Lungenfibrose, Leberversagen, schwere Hautreaktionen
- ⚙ Pharmakodynamik
Klasse III-Antiarrhythmikum: Verlängert durch Blockade der K⁺-Kanäle im Herzen die Dauer des kardialen Aktionspotentials in atrialen und ventrikulären Myozyten. Dadurch kommt es zu einer Verlängerung der Refraktärzeit des Aktionspotentials und zu einer Suppression der Ektopien und Re-Entry-Arrhythmien ebenso wie zu einer Verlängerung des QTc-Intervalls. Außerdem blockt Amiodaron auch die Na⁺-Herzströme (Klasse-I-Effekt) und die Ca²⁺-Ströme im Herzen (Klasse-IV-Effekt). Wirkung auf den AV-Knoten: Der Klasse-IV-Effekt kann zu einer Verlangsamung der Erregungsleitung durch sinu-atriale und AV-Knoten führen! 🗎 FI AmiodaronHameln 2020
- Indikation(en)
Atriale Arrhythmien, einschließlich Vorhofflimmern und -flattern
AV-Knoten-Arrhythmien
⚠ fraglich ⚔ Re-Entry-AV-Tachykardie, z. B. bei der Manifestation des Wolff-Parkinson-White-Syndroms Akzessorische Leitungsbahn und FBI-Tachykardie: Siehe Kontraindikationen
Ventrikuläre Arrhythmien, inkl. ventrikuläre Tachykardie oder Kammerflimmern
- ℞ Dosierungen
Reanimation, schockbarer Rhythmus:
Bolusgabe 300 mg i.v. nach dem 3. Schock, evtl. einmalig 150 mg i.v. repetitieren
Sonstige AV- oder ventrikuläre tachykarde Rhythmusstörung: 5 mg / kg Körpergewicht i.v. Infusion über 20–120 min (verdünnt in 250 ml 5 %iger Glukoselösung). Danach ggf. wiederholte Infusion bis zu 1.200 mg / 24 h (ca. 15 mg / kg KG) (Perfusor). Im Notfall langsame i.v.-Injektion 150–300 mg in 10–20 mL 5 %iger Glukoselösung über mind. 3 min möglich (Monitoring!) Ggfs. Umstellung auf orale Therapie
Kinder und Jugendliche: Off-label. Für Neugeborene i.v. kontraindiziert (Benzylalkohol), sonst:
Initialdosis: 5 mg / kg KG über 20 Minuten bis zu 2 Stunden
Erhaltungsdosis: 10–15 mg / kg / d nach einigen Stunden bis zu mehreren Tagen
- Anwendungshinweise
I.v.-Anwendung nur unter Monitoring. Aufgrund hämodynamischer Effekte wenn möglich keine Bolus-Gabe, sondern Kurzinfusion.
Lösungsmittel: Glukose 5 %
- Spezielle Patientengruppen
Leberinsuffizienz: keine Anpassung der Dosis
Niereninsuffizienz: keine Anpassung der Dosis
Schwangerschaft, Stillzeit: Amiodaron und Benzylalkohol treten über Plazenta und in Muttermilch über. Strenge Indikationsstellung!
Kinder: Off-label. Für Neugeborene i.v. kontraindiziert (Benzylalkohol)
- Kontraindikation(en)
Reanimation: keine, sonst:
Jod-Unverträglichkeit (eine Ampulle enthält ca. 56 mg Jod)
Neugeborene (Benzylalkohol)
Bolus: schwere arterielle Hypotonie, Herzversagen und Kardiomyopathie
Schilddrüsenfunktionsstörungen
Sinusbradykardie, sino-atriale Herzblockade und Sinusknotensyndrom ohne Herzschrittmacher
Relativ: Überleitungsstörungen (hochgradiger AV-Block, bifaszikulärer oder trifaszikulärer Block) oder Sick-Sinus-Syndrom
Schwangerschaft und Stillzeit
QT-Intervall-Verlängerung, insb. Kombination mit:
Ia-Antiarrhythmika: Chinidin, Procainamid, Disopyramid
III-Antiarrhythmika: Sotalol, Bretylium
i.v. Erythromycin, Cotrimoxazol, Pentamidin
Antipsychotika: Chlorpromazin, Thioridazin, Fluphenazin, Pimozid, Haloperidol, Amisulprid, Sertindol; Lithium und trizyklische Antidepressiva: Doxepin, Maprotilin, Amitriptylin
Antihistamine: Terfenadin, Astemizol, Mizolastin
Antimalariamittel: Chinin, Mefloquin, Chloroquin, Halofantrin
Moxifloxacin
Gefahr
⚠ Amiodaron und akzessorische Leitungsbahnen
Bei der Anwendung von Amiodaron bei einer Tachykardie aufgrund einer akzessorischen Leitungsbahn (Hinweis: FBI-Tachykardie – Fast, Broad, Irregular) kann die AV-blockierende Wirkung gegenüber der Verlängerung der Refraktärzeit überwiegen. Dadurch entfällt die bremsende Wirkung der AV-Überleitung, was zu einem therapierefraktären Kammerflimmern führen kann. Ziehe alternativ Ajmalin in Betracht.
- Pharmakokinetik
Langsame Eliminationsrate, ausgeprägte Gewebeaffinität, lange HWZ (20–100 Tage)
Elimination: über Leber und Galle (10 % renal)
Wirkungseintritt: nach 15 min, Plasmakonzentrationsabfall in 4 h, Steady State nach Wochen
Sättigungsdosis empfohlen zur schnelleren Wirkung
Hemmt: CYP1A1, CYP1A2, CYP3A4, CYP2C9, CYP2D6, P-Glykoprotein
- Wechselwirkungen
QT-Verlängerung: Warfarin, Digoxin, Phenytoin u.a.
Betablocker, Ca²⁺-Antagonisten (Verapamil, Diltiazem), Laxantien → Hypokaliämie
Erhöhte Plasmaspiegel: Flecainid, Digoxin
Hypokaliämie, Hypomagnesiämie durch Diuretika, Kortikosteroide, Amphotericin B
- Intoxikation
Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Schwitzen, Bradykardie, QT-Verlängerung, Hypotonie, Herzblock, TdP, Hyperthyreose
Behandlung: ICU, Volumen, Vasopressoren, Adrenergika, Pacing
Nicht dialysierbar
Quellen