Untere Extremität (Membrum inferius)#
Das Bein gilt als freie untere Extremität und kann in mehrere Bereiche eingeteilt werden - Oberschenkel (Femur), Unterschenkel (Crus) und Fuß (Pes). Beim Fuß unterscheidet man weiters die Fußwurzel (Tarsus), den Mittelfuß (Metatarsus) und die Zehen (Digiti).
Fig. 198 Der Beckengürtel und die untere Extremität#
© Mariana Ruiz Villarreal ℓ Public domain
Zur unteren Extremität gehören folgende Skelett-Anteile:
Pelvis (Beckenring): s. u.
Femur (Oberschenkelknochen): längster und stärkster Knochen des menschlichen Körpers, CCD-Winkel (Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel)
Patella (Kniescheibe): größtes Sesambein des menschlichen Körpers
Tibia (Schienbein)
Fibula (Wadenbein)
Fußskelett:
Ossa tarsi (Fußwurzelknochen): 7
Talus (Sprungbein)
Calcaneus (Fersenbein)
Os naviculare (Kahnbein)
Os cuneiforme mediale, intermedium, laterale (Keilbeine)
Os cuboideum (Würfelbein)
Ossa metatarsi (Mittelfußknochen) I-V
Ossa digitorum (Zehenknochen): Phalanx proximalis, distalis I-V; media nur II-V (insg. 14 Ossa digitorum)!
Knochen#
Beckenknochen (Os coxae)#
Das Os coxae besteht aus drei verschiedenen Knochenteilen:
Os ilium (Darmbein)
Corpus, Ala mit Facies glutea und Fossa iliaca, Crista iliaca mit der Spina iliaca anterior superior und der Spina iliaca anterior inferior, Spina iliaca posterior superior und der Spina iliaca posterior inferior.
Os pubis (Schambein)
Corpus, Ramus superior und inferior.
Os ischii (Sitzbein)
Corpus, Spina ischiadica, Ramus ischiadicum mit dem Tuber ischiadicum.
Diese teile treffen im Bereich des Acetabulums (Hüftgelenkpfanne) aufeinander. Dort verknöchert zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr die Wachstumsfuge (Y-Fuge).
- Strukturen des Acetabulum
Limbus acetabuli, Fossa acetabuli, Fascies lunata, Incisura acetabuli verschlossen durch das Lig. transversum acetabuli (bildet somit einen Teil der Gelänksfläche des Hüftgelenks!)
Foramen obturatorium
Femur#
Der Femur (Oberschenkelknochen) bildet als einziger Knochen den Oberschenkel. Er ist gekenzeichnet durch einen ausgeprägten Schenkelhals mit “Knick” zwischen Kopf-Hals-Bereich und Körper. Proximal ist der Femur am Hüftgelenk beteiligt, distal endet er im Kniegelenk.
Veränderungen im Winkel zwischen Collum und Corpus (CCD) - beim Kind ca. 150°, beim Erwachsenen ca. 126° und beim alten Menschen unter 126°.
Strukturen:
Extremitas proximalis: Caput femoris, Fovea capitis femoris, Collum femoris, Trochanter major, Trochanter minor, Linea intertrochanterica (ventral), Crista intertrochanterica (dorsal)
Corpus femoris: Linea aspera (dorsal)
Extremitas distalis: Condylus medialis, Condylus lateralis, Facies patellaris (ventral), Fossa intercondylaris (dorsal), Epicondylus medialis, Epicondylus lateralis.
Patella#
Die Patella (Kniescheibe) für eine bessere Kraftübertragung des Kniestreckers.
Basis patellae
Apex patellae
Facies anterioris patellae
Facies posterioris patellae mit der Gelenkfläche
Unterschenkel: Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula)#
Der Unterschenkel wird von der Tibia[1] (Schienbein) und der Fibula [2] (Wadenbein) gebildet. Sie gehen im Sprunggelenk in den Fuß über und bilden dort den Innen- (Tibia, Malleolus medialis) und den Außenknöchel (Fibula, Malleolus lateralis). Die Tibia und Fibula sind über die Zwischenknochenmembran (Membrana interossea) verbunden.
Ossa tarsi#
Der Fuß zeigt 2 Gewölbe - das Längsgewölbe und das Quergewölbe
fibularer / lateraler Strahl: Clacaneus, Os cuboideum.
tibialer / medialer Strahl: Talus, Os naviculare, Os cuneiforme mediale, intermedium und laterale
Ossa metatarsi#
Zeigen jeweils ein Caput, ein Corpus und eine Basis.
Ossa digiti#
mit Phalanx proximalis und distalis:
Hallux
mit Phalanx proximalis, media und distalis:
Digitus secundus
Digitus tertius
Digitus quartus
Digitus quintus
Pelvis (Beckenring)#
Das Becken ist ein ringförmiger Knochenverbund bestehend aus den beiden Ossa coxae (Hüftknochen) sowie dem Os sacrum. Sie sind über die Artt. sacroiliacae (Iliosakralgelenke) sowie über die Symphyse (Symphysis pubica, Schambeinfuge) zum Beckenring verbunden. Die Symphyse stellt eine straffe Knorpelverbindung vorne zwischen den beiden Beckenknochen dar (Dehnungsfuge, für Geburtsvorgang notwendig). Dieser ist normalerweise um 60° geneigt.
Dieser Ring wird durch mehrere Bänder stabilisiert: Lig. sacroiliacae ant., Ligg. sacroiliacae interossea, Lig. sacroiliacae post., Lig. iliolumbale, Lig. sacrotuberale, Lig. sacrospinale.
Im Beckenraum kann man zwei Bereiche unterscheiden. Das große Becken wird von den Beckenschaufeln eingefasst. Dieser Bereich wird noch zum Abdomen gerechnet. Die Linea terminalis grenzt das große vom kleinen Becken ab. Sie führt vom Promontorium über die Linea arcuata und die Crista pubica zur Symphyse und umrahmt die Apertura pelvis superior (Beckeneingangsebene). Die Beckenausgangsebene (Apertura pelvis inferior) wird vom muskulären Beckenboden verschlossen.
Im Vergleich zwischen Mann und Frau weist das Becken spezifische Geschlechtsunterschiede auf. In seiner Gesamtform ist das Becken der Frau eher breiter als hoch, beim Mann eher höher als breit, das kleine Becken ist in Vorbereitung auf die Geburt bei der Frau geräumiger. Die Beckeneingangsebene hat bei der Frau eine querovale Form, beim Mann eher längsoval. Das Foramen obturatorium ist beim Mann rundlich, bei der Frau queroval. Der augenscheinlichste Unterschied beim knöchernen Becken ist der Arcus pubicus (bei der Frau, 90—100°) bzw. Angulus subpubicus (beim Mann, kleiner als 70°).
Das Becken wird nach kaudal durch den Beckenboden — mehrere Schichten von Bindegewebe und Muskulatur — verschlossen. Von superficial nach profund unterscheidet man:
Diaphragma pelvis: trichterförmig, wichtig für Bauchpresse, trägt Last der Beckeneingeweide, haben somit eine Schutzfunktion, wirken dynamisch beim Verschluss des Rektums mit.
M. levator ani: M. puborectalis, M. pubococcygeus, M. iliococcygeus
M. ischiococcygeus
Diaphragma urogenitale:
M. transversus perinei profundus
M. transversus perinei superficialis
Centrum perinei
Sphinkter- und Schwellkörpermuskulatur:
M. sphincter ani externus
M. bulbospongiosus
M. isciocavernosus
Gelenke#
Articulatio coxae (Hüftgelenk)#
Das Hüftgelenk verbindet Acetabulum und Caput femoris gelenkig. Es ist ein Kugelgelenk (Nussgelenk) und ermöglicht folgende Gelenke: Flexion - Extension, Abduktion - Adduktion, Rotation.
Das Labrum acetabuli (Gelenklippe) vergrößert wie beim Schultergelenk die Gelenkfläche.
Folgende Bänder stabilisieren das Gelenk:
Lig. iliofemorale: stärkstes Band des menschlichen Körpers (ca. 350 kg)
Lig. pubofemorale
Lig. ischiofemorale
Zona orbicularis
Lig. capitis femoris: intrakapsulär, in diesem Band verläuft die A. capitis femoris, wichtig für die Blutversorgung des Caput femoris.
Articulatio genus (Kniegelenk)#
Das Kniegelenk verbindet den Ober- und Unterschenkel und wird aus dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein (Unterschenkel) gebildet. Es ist kein reines Scharniergelenk, Drehungen sind bei gebeugtem Knie möglich. Das Kniegelenk weist einige Besonderheiten auf: Jeweils zwei Kreuzbänder, Seitenbänder sowie Menisken sorgen für die Stabilität in diesem Gelenk[3]. Weiters sorgt die Patella (Kniescheibe) für eine bessere Kraftübertragung des Kniestreckers. 🗎 Schabus 1
Durch die Beteiligung der Menisken[4] (Gelenkskörper) ist das Kniegelenk ein komplexes Gelenk, welches die Art. femorotibialis (Femur + Tibia) und die Art. femoropatellaris (Femur + Patella) in einer Gelenkkapsel zusammenfasst. Von seiner Form und Funktion ist das Kniegelenk ein Drehscharniergelenk (Trochoginglymus), welches folgende Bewegungen ausführen kann: Flexion — Extension, Rotation (nur in Flexion!).
Sprunggelenk#
Im Sprunggelenk gibt es, ähnlich wie bei der Hand, \(1** (7), **\)1 (5) und 5 Zehen mit jeweils 2 (Großzehe) bis 3 Gliedern.
Als Knöchel bezeichnet man die Knochengabel, welche aus Schien- und Wadenbein auf Höhe des Sprunggelenks gebildet wird. Es gibt einen Innen- und einen Außenknöchel (jeweils körperfernes Ende von Schien- bzw. Wadenbein).
Das Sprunggelenk kann in zwei verschiedene Ebenen eingeteilt werden:
Art. talocruralis (oberes Sprunggelenk):
zwischen Tibia, Fibula und Talus
Scharniergelenk, Dorsalflexion - Plantarflexion, durch Außen- und Innenbänder gesichert
unteres Sprunggelenk (Art. subtalaris und Art. talocalcaneonavicularis):
zwischen Talus, Calcaneus und Os naviculare
Radgelenk, schräge Bewegungsachse, Pronation - Supination
Weitere Gelenke#
Artt.intertarsales: zwischen den restlichen Fußwurzelknochen » Amphiarthrose
Artt. metatarsophalangeae: zwischen den Ossa metatarsales und den dazugehörigen Ossa phalanges proximales. » der Form nach Kugelgelenke, durch die Bandsicherung funktionelle Scharniergelenke.
Artt. intermetatarsales: zwischen den einzelnen Mittelfußknochen » Amphiarthrose
Artt. interphalangeales: zwischen den einzelnen Zehengliedern » Scharniergelenke
Wichtige Muskeln der unteren Extremität#
Muskel (-gruppe) |
Verlauf, Funktion |
Innervation |
|---|---|---|
M. glutaeus maximus |
Vom Os ilium und Os sacrum zur Tuberositas glutea, Extension und Außenrotation in der Hüfte; |
N. gluteus inf. |
M. glutaeus medius |
Vom Os ilium zum Trochanter major, Abduktion in der Hüfte; |
N. gluteus superior. |
M. gluteus minimus |
Vom Os ilium zum Trochanter major, Abduktion in der Hüfte; |
N. gluteus superior |
M. biceps femoris |
Vom Tuber ischiadicum bzw. vom Femur zum lateralen Tibiakondyl, Extension in der Hüfte, Flexion und Außenrotation im Knie; |
N. ischiadicus |
M. semitendinosus |
Vom Tuber ischiadicum zum Pes anserinus superficialis, Extension in der Hüfte, Flexion und Innenrotation im Knie; |
N. ischiadicus |
M. semimembranosus |
Vom Tuber ischiadicum zum Pes anserinus profundus, Extension in der Hüfte, Flexion und Innenrotation im Knie; |
N. ischiadicus |
Adduktoren |
Vom Ramus superior bzw. inferior ossis pubis zum Femur, Adduktion in der Hüfte; |
N. obturatorius |
M. triceps surae |
Bestehend aus M. gastrocnemius und M. soleus, vom lateralen und medialen Femurkondyl bzw. der Tibia und Fibula über die Achillessehne zum Calcaneus, Flexion im Knie, Plantarflexion im oberen Sprunggelenk |
|
M. tibialis posterior |
Von Tibia und Fibula zu den Fußwurzelknochen dorsal, Plantarflexion und Supination; |
N. tibialis |
M. flexor digitorum longus |
Von Tibia zu den Endphalangen II-V, Flexion der Zehen; |
N. tibialis |
M. flexor hallucis longus |
Von Fibula zur Endphalanx der Großzehe, Flexion der Großzehe; |
N. tibialis |
M. tibialis anterior |
Von Tibia zum medialen Os cuneiforme, Dorsalflexion, Supination; |
N. peroneus profundus |
M. extensor digitorum longus | |
Von Tibiakondyl und Fibula zu den Zehen II-V, Dorsalflexion der Zehen II-V; |
N. peroneus profundus |
M. extensor hallucis longus |
Von Fibula zur Großzehe, Dorsalflexion der Großzehe; |
N. peroneus profundus |
M. peroneus longus |
Von Fibula zum medialen Os cuneiforme, Pronation und Plantarflexion; |
N. peroneus superficialis |
M. peroneus brevis |
Von Fibula zum Os metatarsale V, Pronation und Plantarflexion; |
N. peroneus superficialis |