Hepar (Leber)#

Die Leber ist ein solides Organ, liegt unter der rechten Zwerchfellkuppel im rechten Oberbauch und wird vollständig von den Rippen bedeckt. Mit einem Gewicht von 1,5 bis 2 kg ist sie die größte Drüse des menschlichen Körpers. Anatomisch werden vier Lappen unterschieden:

  • Lobus sinister (linker Leberlappen)

  • Lobus dexter (rechter Leberlappen)

  • Lobus caudatus

  • Lobus quadratus (quadratischer Lappen)

Der rechte und linke Leberlappen wird vom Lig. falciforme hepatis getrennt. In seinem freien Rand verläuft das Lig. teres hepatis. Es zieht vom Nabel bis zur Leberpforte und ist der obliterierte Rest der V. umbilicalis (Nabelvene) des fetalen Kreislaufs.

An der Porta hepatis (Leberpforte) treten die Gefäße der Leber ein bzw. aus: Die V. portae hepatis (Pfortader), die A. hepatica propria und der Ductus hepaticus. Basierend auf der Aufteilung der Portalvene kann die Leber chirurgisch in 8 Segmente unterteilt werden. Diese Aufteilung wird bei Teilentfernungen der Leber berücksichtigt.

Mikroskopisch kann die Leber in Leberläppchen von 1-2 mm Durchmesser eingeteilt werden. Sie haben die sechseckige Form einer Bienenwabe mit einer Zentralvene in der Mitte. An den Grenzen der Leberläppchen befinden sich Äste der A. hepatica propria, der V. portae und ein Gallengänge. Von dort fließen die Flüssigkeiten über die Lebersinusoide in Richtung der Zentralvenen.

Leber, Gallenblase und Pankreas. © WMC ℓ ??? Leber, Gallenblase und Pankreas. © WMC ℓ ???
Gallengang, Gallenblase und Einmündung in den Zwölffingerdarm. © Lena Hirtler, Gallengang, Gallenblase und Einmündung in den Zwölffingerdarm. © Lena Hirtler,
Lage des Pankreas zum Zwöffingerdarm. Deutlich zu erkennen ist die Einmündung des Pankreas- und des Gallenganges in den Darm. © Lena Hirtler, Lage des Pankreas zum Zwöffingerdarm. Deutlich zu erkennen ist die Einmündung des Pankreas- und des Gallenganges in den Darm. © Lena Hirtler,

Fig. 207 Bilderserie: Leber, Gallenblase und Pankreas#

Funktionen und Aufgaben der Leber#

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan und gleichzeitig die größte Drüse des Körpers. Die wichtigsten Aufgaben sind die Produktion von Proteinen, die Metabolisierung, Verwertung und Entgiftung von im Blut zirkulierenden Nahrungsbestandteilen, Giftstoffen und Medikamenten, die Speicherung von Zucker in Form von Glykogen und die Ausscheidung durch Produktion und Aussonderung von Gallenflüssigkeit.

Dementsprechend erhält die Leber das venöse Blut mit den resorbierten Stoffen von großen Teilen des gastrointestinalen Systems über die Pfortader, bevor es in den Körperkreislauf gelangt (“First-Pass-Effekt”).

Übersichtsmäßig hat die Leber folgende Aufgaben:

  • Kohlenhydratstoffwechsel: Speicherung von Zucker in Form von Glykogen

  • Aminosäuren- und Proteinstoffwechsel

  • Fettstoffwechsel

  • Abwehrfunktion

  • Speicherfunktion

  • Regulation des Säuren-Basen-Haushalts

  • pränatale Blutbildung

  • Bildung der Gallensäuren und der Galle

  • Abbbau und Entgiftung

Gallenflüssigkeit#

Als exokrine Drüse produziert die Leber die Gallenflüssigkeit (Gallensäure, Bilirubin (Endprodukt des Hämoglobin), Ausscheidungsstoffe), die über die Gallengänge in die Gallenblase geleitet und dort gespeichert wird.

Ihre Farbe erhält die Galle durch das rote Bilirubin und das grünliche Biliverdin, je nach ihrer Zusammensetzung kann sie gelblich-grünlich bis bräunlich aussehen, dies kann unter Umständen als “galliger Reflux” bei Störungen der Magen-Darm-Passage beobachtet werden. Weiters enthält die Galle Gallensäuren bzw. Gallensalze, welche für die Fettverdauung und Fettresorption wichtig sind: Sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab und ermöglichen damit eine Emulgierung der Fette und damit die Resorption im Jejunum. Teile der Gallensalze werden im Darm wieder resorbiert und zur Leber zurücktransferiert, dies wird enterohepatischer Kreislauf genannt.

Neben anderen Stoffen enthält die Gallenflüssigkeit auch Ausscheidungsprodukte, welche über den Darm aus dem Körper entfernt werden.

Proteinproduktion#

Die Leber bildet eine Vielzahl von Proteinen, es seien hier exemplarisch einige klinisch besonders Relevante speziell erwähnt:

  • Albumin (wichtig für die Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks)

  • Gerinnungsfaktoren

  • Akut-Phase-Proteine der unspezifischen Immunreaktion (Akute-Phase-Reaktion; z. B. C-reaktives Protein (CRP))

Bei schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen können dementsprechend oft auch Störungen in diesen Systemen beobachtet werden.

Abbau und Entgiftung#

  • Abbau von alten Erythrozyten durch Lebermarkophagen (Kupfer’sche Zellen)

  • Abbau von Hämoglobin zu Bilirubin und Ausscheidung über die Gallenflüssigkeit

  • Abbau von toxischem Ammoniak zu Harnstoff, welcher über die Nieren ausgeschieden werden kann

  • Ab- bzw. Umbau von Steroidhormonen, Giften und Medikamenten.

    Bei manchen Medikamenten ist der Umbau durch die Leber zur eigentlich wirksamen Form des Wirkstoffes erwünscht und Voraussetzung für die Wirksamkeit (“Pro-Drug”)

Wesentlich für die Metabolisierung von Stoffen ist die Familie der Cytochrome P450 (CYP). Dies ist eine große Gruppe von Enzymen und hat unter anderem wesentliche Auswirkungen auf Medikamentenhaupt- und Wechselwirkungen.

Diagnostische Leberenzyme#

Bei Schädigung von Leberzellen können bestimmte Enzyme, die sonst innerhalb der Leberzellen vorkommen, im Blut mit erhöhten Spiegeln nachgewiesen werden.

Bei Schädigung von Leberzellen können bestimmte Enzyme, die sonst innerhalb der Leberzellen vorkommen, im Blut mit erhöhten Spiegeln nachgewiesen werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass diese Enzyme auch in anderen Zellen des Körpers vorkommen, und daher Leber-typisch, aber nicht Leber-spezifisch sind.

Die klinisch relevantesten sind:

  • GOT (AST, ASAT[1]): kommt vorwiegend in Mitochondrien vor.

    Hinweis auf akute Lebererkrankung, Alkoholintoxikation, Entzündung und Leberstauung

  • GPT (ALT, ALAT[1]):

  • Gamma-GT (γ-GT[1]): Hinweis auf Intoxikation, Gallenstau

  • Alkalische Phosphatase (AP): Hinweis auf Leberzirrhose, Hepatitis, Gallenstau, Malignom

Der De-Ritis-Quotient aus GOT und GPT gibt Hinweise auf die zellulären Schädigungen:

\[ {\rm De-Ritis-Quotient} = \frac{\rm GOT}{\rm GPT}= \frac{\rm ASAT}{\rm ALAT} \]

Bewertung:

  • < 1: geringer Leberschaden

  • > 1: schwerwiegender Leberschaden (z. B. Leberzirrhose, Alkoholismus)