Opiat-Intoxikation#

Heroin und Morphium gehören zur Gruppe der Opiate und sind im Drogenmilieu weit verbreitet. Die Applikation erfolgt in der Regel intravenös. Opiate werden jedoch auch therapeutisch eingesetzt. Extramural sind sie häufig als Transkutanpflaster („Schmerzpflaster“) zu finden, hier kommt es durch Überdosierung (alte Pflaster werden nicht entfernt, setzen aber weiterhin Wirkstoff frei) immer wieder zu Intoxikationen. Intramural werden Opiate in der Anästhesie- und Intensivmedizin zur Analgesie und Sedierung eingesetzt, manche Wirkung, die als Vergiftungssymptom beschrieben wird, ist hierbei sogar erwünscht (z. B. Atemdepression, Vigilanzminderung).

Symptome der Opiatvergiftung#

Durch unsauberes oder getauschtes Spritzbesteck besteht ein erhöhtes Risiko für HIV und Hepatitis C. Zusätzlich besteht Verletzungsgefahr durch herumliegendes Spritzbesteck (Nadelstichverletzung).

Pathophysiologie

Opiate führen zu einer zentralen Dämpfung mit herabgesetzter Sensitivität der Chemorezeptoren auf CO₂ und O₂. Dies resultiert in einer Bradypnoe und schließlich Atemdepression.

Klinik

Leitsymptom ist die Atemdepression.

  • Atemdepression mit Bradypnoe < 10/min ohne Dyspnoe, dosisabhängig bis hin zum Atemstillstand

  • Zyanose

  • Sedierung → Somnolenz → Koma

  • Miosis (stecknadelkopfgroße Pupillen)

  • Hypotonie

  • Bradykardie

  • Harnverhalt

  • Nebenbefund: Häufig finden sich Einstichstellen in der Armbeuge

Komplikationen
  • Hypoxisches Hirnödem

  • Evakuationslungenödem bei tiefen bradypnoischen Atemzügen mit massiv negativem intrathorakalem Druck

    • Therapie: CPAP, kein Furosemid

  • Crush-Niere bei Kompartmentsyndrom mit erhöhtem Kalium und erhöhter CK

    • Cave: Lagerungsschäden inspizieren

    • Therapie: Fasziotomie, Nekrosektomie

  • Herzstillstand durch Hyperkaliämie

Antidot#

Das spezifische Antidot ist Naloxon [1]. Es wirkt rasch und effektiv, jedoch kürzer als viele Opiate, sodass es nach initialer Besserung erneut zu einer Atemdepression kommen kann.

Zu beachten ist, dass die Naloxon-Gabe einen akuten Entzug auslösen kann. Der Patient ist dann oft unkooperativ und zeigt Symptome eines Opiatentzugs. Eine Atemwegssicherung und Beatmungstherapie ist daher häufig die sinnvollere Strategie.

Maßnahmen: Vergiftung mit Opiaten#

⛑ Basismaßnahmen
🕏 Pharmakotherapie
  • Naloxon

    • 1 Ampulle = 0,4 mg

    • Titration nach Atemfrequenz

    • Bei Atemfrequenz > 10/min keine Gabe erforderlich

    • Cave: fulminante Entzugssymptomatik mit Grand-mal-Krampfanfällen

    • Initial maximal 2 Ampullen