4.6.2. Blutgasanalyse, respiratorischer Aspekt#

Syn.: Astrup, Abkz.: BGA; Engl: Arterial Blood Gas Test (ABG)

Die Blutgasanalyse ist ein Verfahren zur Messung von Gas-Partialdrücken sowie des pH-Wertes im Blut. Basierend darauf können bestimmte Werte berechnet werden. Darüber hinaus verfügen moderne BGA-Geräte oft auch über umfangreiche andere Mess- und Berechnungsmethoden im Sinne eines Ponit-of-Care-Labors, z. B. für Hämoglobin, Elektrolyte und Laktat.

Gemessen werden die Gas-Partialdrücke pO₂, pCO₂ und der pH[1]. Berechnet wird u. a. das Standardbikarbonat, Basenüberschuss (Base Excess, BE) und die SpO₂.

Abhängig davon, welches Blut untersucht wird (arteriell, venös, gemischt- oder zentralvenös) lassen sich unterschiedliche Aussagen treffen, vgl. Hämodynamisches Monitoring / BGA.

Was fange ich mit den Messwerten an?#

Tab. 12 BGA-Referenzbereiche (Erwachsene)#

pH

7,36–7,44

paO₂

75–97

mm Hg

10–12,9

kPa

paCO₂

35–40–45

mm Hg

4,6–6,0

kPa

HCO₃⁻ (std)

23–24–27

mmol/l

Siehe auch

  • Sauerstoff-im-Blut

CO₂ und der Säure-Basen-Haushalt#

Weiters spielt das pCO₂ eine wichtige Rolle: Die H⁺-Konzentration wird durch das Gleichgewicht zwischen pCO₂ und HCO₃⁻ bestimmt. Eine Änderung der H⁺-Konzentration, also des pH-Wertes, ist auf eine Änderung von pCO₂ oder der HCO₃⁻-Konzentration zurückzuführen, Stichwort Bikarbonat-Puffer:

(5)#\[ \begin{align}\begin{aligned} \rm {\color{brown} Bikarbonat } + {\color{red} Säure } \rightleftarrows {\color{purple} CO₂ } + {\color{blue} Wasser }\\\rm {\color{brown} HCO_3^- } + {\color{red} H^+ } \rightleftarrows {\color{gray} H_2CO_3 } \rightleftarrows {\color{purple} CO_2 } + {\color{blue} H_2O } \end{aligned}\end{align} \]

Dies ist die konkrete Ableitung der Henderson-Hasselbalch’schen Puffergleichung für den Bikarbonatpuffer.

Das CO₂ wird normalerweise über die Lunge abgeatmet. Daraus folgt:

  • Hypoventilation: Atmet der Patient nicht (genug), staut sich das CO₂ auf der rechten Seite der Gleichung und Säure wird auf der anderen Seite nicht abgebaut. Es entsteht eine respiratorische Azidose.

  • Hyperventilation: Atmet der Patient zu viel (\(V_\text{min}\) ↑: zu schnell und zu tief!), wird zu viel CO₂ abgeatmet und das Reaktionsgleichgewicht verschiebt sich. Es wird vermehrt H⁺ mit Bikarbonat zu CO₂ umgewandelt. Da nun Säure fehlt, kommt es zu einer respiratorischen Alkalose.

  • Umgekehrt können metabolische Prozesse Einfluss auf die Atmung haben: Fällt zu viel Säure im Körper an (metabolisch bedingte Azidose), wird es zu CO₂ (und Wasser) umgewandelt und stimuliert dadurch den Atemantrieb. Das CO₂ wird abgeatmet und es kann zu einer tiefen, schnellen Atmung kommen (Kussmaul’sche Atmung).

Dictum

CO₂, pH und Bikarbonat stehen in einer engen Verbindung. Sowohl respiratorische, als auch metabolische Faktoren können diese beeinflussen.

Beurteilung#

Wir haben gesehen, dass sowohl respiratorische, als auch metabolische Faktoren unsere BGA beieinflussen können. Es ist nun wichtig die Ursache einer Störung zuordnen zu können.

Analyse hinsichtlich SB-Haushalt#

Zu tun

#10 BGA

SCHINNERL: So hab ich die BGA noch nie betrachtet… Mir fehlen Begriffe wie „metabolisch kompensierte resp. Azidose“ (Kann man dann in allen 4 Varianten spielen)

Zuerst erfolgt die Identifizierung der primären SB-Störung, anschließend der sekundären Antworten um andere Einflüsse abzugrenzen und zwischen einer akuten und chronischen Störung zu unterscheiden. Bedenke: Neben dem schnellen Bikarbonatpuffer hat auch die Niere einen großen, aber zeitverzögerten, Einfluss auf den Säure-Basen.Haushalt.

  1. Eine SB-Störung liegt vor, wenn paCO₂ oder pH-Wert ausserhalb der Norm liegen

  2. Weichen sowohl paCO₂ als auch pH ab, untersucht man die Richtung der Veränderung:

    1. Richtungsgleiche Veränderung von paCO₂ und pH: primär metabolische Störung (“metabolisch miteinander”)[2]. Sekundäre Antworten:

      • Ist die paCO₂ höher als erwartet, liegt zudem eine sekundäre respiratorische Azidose vor;

      • Ist die paCO₂ niedriger aus als erwartet, besteht eine sekundäre respiratorische Alkalose.

    2. Gegenläufige Veränderung von paCO₂ und pH: primär respiratorische Störung

      Interessant sind nun die sekundären Antworten um eine akute von einer chronischen Störung zu unterscheiden und metabolische Einflüsse aufzuzeigen:

      • Eine normale HCO₃⁻-Konzentration gilt als Hinweis für eine akute Störung.

      • Bei HCO₃⁻-Abweichung soll die erwartete HCO₃⁻-Konzentration bestimmt werden.

        • Chronische respiratorische Azidose:

        • Ist das HCO₃⁻ niedriger als erwartet, ist die renale Antwort unvollständig,

        • ist es höher, liegt eine sekundäre metabolische Alkalose vor.

        • Chronische respiratorische Alkalose:

        • Ist das HCO₃⁻ > erwartet, dann ist renale Antwort unvollständig;

        • wenn < erwartet, dann sekundäre metabolische Azidose.

  3. Weicht nur eine der beiden Komponenten von der Norm ab, handelt es sich um eine gemischt metabolisch-respiratorische Störung. Ist dabei der pH im Normbereich, spricht man von einer durch den Konterpart kompensierten Störung.

    1. Weicht nur der paCO₂ ab, lassen sich die Art der respiratorischen Störung und die entgegengesetzte metabolische Störung anhand der Veränderung des paCO₂ identifizieren.

    2. Weicht nur der pH-Wert ab, lassen sich analog die metabolische Störung und die gegenläufige respiratorische Störung durch die Richtungsänderung des pH identifizieren (z. B. niedriger pH: metabolische Azidose).

Bemerkung

“Metabolisch miteinander” (paCO₂ und pH)

Analyse hinsichtlich Oxygenation und Gasaustausch#

Die Aussagekraft hinsichtlich der Respiration der BGA:

  • Respiratorische Beeinflussung des Säure-Basen-Haushalts, s. o.

  • Beeinflussung des Säure-Basen-Haushalts auf die Respiration, s. o.

  • Unterscheidung zwischen:

    • hypoxische Insuffizienz: Die pO₂ is erniedrigt, die pCO₂ normal (oder erniedrigt; Partialinsuffizienz)

    • hyperkapnische Insuffizienz: pO₂ ist erniedrigt und pCO₂ erhöht(Globalinsuffizienz)

  • Beurteilung des Gasaustausches (Diffusionsstörung) in Abhängigkeit von der inspiratorischen Sauerstoffkonzentration (FiO₂; Horovitz-Index).

    Eine Diffusionsstörung ist anzunehmen, wenn das Verhältnis zwischen der Luft-Gaskonzentration (FiO₂, aber auch etCO₂, vgl. Kapnometrie) zu den korrespondierenden Blutgasen gestört ist. Beachte: Eine Diffusionsstörung kann auch sekundär durch eine Perfusions- oder Ventilationsstörung bedingt sein!

Horovitz-Quotient#

Der Horovitz-Quotient oder Horovitz-Index beschreibt die Oxygenierung im Verhältnis zum Sauerstoffangebot: Er ist das Verhältnis von paO₂ und der eingeatmeten Sauerstoffkonzentration (FiO₂). Er zeigt eine primäre oder sekundäre Diffusionsstörung an und ist nützlich, um das Ausmaß einer Lungenschädigung zu beurteilen und den Sauerstoffbedarf zu quantifizieren.

(6)#\[ \rm Horovitz-Quotient = \frac{p_{a}O_2 [mm\,Hg]}{FiO_2} \]

Z. B. Gesunder Patient mit paO₂ = 100 mm Hg bei Raumluft:

(7)#\[ \frac{100}{0,21} \approx 476 \]

Bei Gesunden ist der Horovitz-Index altersabhängig und liegt zwischen 350-450. Ein Wert unter 300 gilt als Schwelle für eine leichte Lungenschädigung, unter 200 weist er auf eine mittelschwere, unter 100 auf eine schwere Lungenschädigung hin.

Zu tun

#11 BGA: Bild bearbeiten (FiO₂ rot markieren)

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Fig. 40 BGAs in Serie#

Patient mit COVID-19-Pneumonie und schwerer Oxygenationsstörung in Bauchlage (BL) und nach Zurückdrehen in Rückenlage (RL). Der Horovitz-Quotient ist zuletzt 45.

© GaSe ℓ MfG

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Fig. 41 Patient mit respiratorischer Verschlechterung#