8.1.2. Mechanische Reanimationstherapie#
Herzdruckmassage#
Die Herzdruckmassage (HDM) simuliert die mechanische Herzaktion und soll einen Minimalkreislauf erzeugen. Dabei wird das Herz von außen rhythmisch durch einen Helfer komprimiert, jeweils gefolgt von einer Entlastungsphase. Dadurch wird die natürliche mechanische Herzaktion simuliert und eine Zirkulation des Blutes erwirkt. Die möglichst ununterbrochene HDM ist neben einer kausalen Therapie die wichtigste Maßnahme im Rahmen der Reanimation und hat sehr großen Einfluss auf das Patienten-Outcome.
Die Herzdruckmassage muss daher so rasch als möglich beginnen und so unterbrechungsfrei wie möglich durchgeführt werden. Ebenso muss nach Abgabe eines Schocks durch den Defibrillator die Herzdruckmassage sofort weitergeführt werden: Auch wenn eine Defibrillation erfolgreich war, d. h. lt. EKG ein ordnungsgemäßer Herzrhythmus wiederhergestellt wurde, kann es einige Zeit dauern, bis das Herz wieder eine ausreichende mechanische Tätigkeit aufweist und ein ausreichender Spontankreislauf einsetzt 🗎 Sandroni 2008 🗎 Skhirtladze 2010.
Bemerkung
Die Unterbrechung der HDM durch den AED/Defibrillator soll insgesamt unter 5 s betragen!
Durchführung
Der Patient muss auf einer harten Unterlage (Reanimationsbrett, Boden, …) liegen, der Helfer kniet seitlich neben dem Thorax des Patienten und beugt sich über den Patienten. Der Brustkorb wird frei gemacht und der Druckpunkt für die Herzdruckmassage aufgesucht, dieser liegt in der Mitte des Brustbeins zwischen den Mamillen (beim Mann). Auf diesem Punkt wird ein Handballen gelegt, der Handballen der anderen Hand liegt am Handrücken der ersten Hand, direkt über dem Druckpunkt, die Finger werden ineinander verschränkt. Die Arme des Helfers sind durchstreckt und er drückt mit Hilfe seines eigenen Gewichts gerade nach unten mit einer Eindrücktiefe von 5—6 cm.[1]
Nach der Kompression erfolgt die passive vollständige Entlastung des Brustkorbs, ehe eine neuerliche Kompression beginnt.[2] Die Kompressions- und Entlastungsphasen sollen in etwa gleich lange dauern und nicht ruckartig ablaufen. Die Zielfrequenz der Herzdruckmassage beträgt 100 / min (bis max. 120 / min).
Fig. 136 Bilderserie: Herzdruckmassage [© Lena Hirtler, ℓ MfG]#
Fehlerquellen#
Leerlauf: Die HDM muss möglichst ohne vermeidbare Unterbrechungen durchgeführt werden. Kritische Situationen sind üblicherweise:
Nach der Defibrillation
Nach Beatmungsversuchen
Bei Personalwechsel
Intubationsversuche
Ein herkömmliches Bett ist keine feste Unterlage.
Vermeidbare Verletzungen durch den Helfer, insbesonders wenn der Druck nicht direkt am korrekten Druckpunkt von oben ausgeübt wird; die Schultern des Helfers müssen sich direkt über dem Brustbein des Patienten befinden.
Grundsätzlich sind aber manche Verletzungen, insbesonders Rippenfrakturen, auch bei korrekt durchgeführter Reanimation, meist unvermeidbar.
Ruckartiger Druck: Zu kurze Auswurfphase
Alternativen#
Thoraxkompressionsgeräte#
Die manuelle Herzdruckmassage kann auch automatisiert mittels eines Thoraxkompressionsgeräts durchgeführt werden. Studienmäßig konnte zwar kein klarer Vorteil bei der routinemäßigen Verwendung automatischer Thoraxkompressionsgeräte nachgewiesen werden, jedoch kann die Verwendung aus organisatorischen und logistischen Gründen sinnvoll sein (protrahierte Reanimation nach Lyse-Therapie, laufende Reanimation während Bergung, Reanimation im fahrenden Fahrzeug bzw. im Hubschrauber, Reanimation während Verlegung auf eine Intensivstation oder Katheterlabor, …). Dies ist inbesonders auch aus der Perspektive des Mitarbeiterschutz zu sehen. Das ERC sieht diese Geräte als sinnvolle Möglichkeit an wenn die Durchführung einer anhaltend guten Herzdruckmassage nicht praktikabel ist oder die Sicherheit der Helfer gefährdet.
Extrakorporale Verfahren – ECPR#
Extrakorporale Verfahren (Herz-Lungen-Maschine, Extra-Corporal Membrane Oxygenation (ECMO)) können mittels eines Gefäßzugangs, einer Pumpe und eines Oxygenators sowohl einen adäquaten Kreislauf, als auch eine adäquate Oxygenierung sicherstellen und somit die Funktion des Herzens und der Lunge übernehmen. Diese Technik ist jedoch sehr schulungs- und ressourcenintensiv. Die Extrakorporale CPR (ECPR) kann bei ausgewählten Erwachsenen mit IHCA oder OHCA als Rescue-Therapie erwogen werden, wenn unter konventioneller CPR kein ROSC erreicht wird und ein entsprechend erfahrenes System mit geeigneter Infrastruktur verfügbar ist. ECPR ist keine Routineintervention für alle Reanimationspatienten, sondern eine hochspezialisierte Maßnahme für selektionierte Fälle und etablierte Zentren. Wenn eine ECPR-Strategie etabliert werden soll, muss die Entscheidung hierzu frühzeitig erfolgen. Inbesondere in Systemen, wo vor Ort keine ECPR-Möglichkeit besteht und der Patient erst einem Zentrum zugeführt werden muss, ist eine nahezu perfekte Transportlogistik und mechanische CPR bis zur ECPR notwendig.