Zentral-venöser-Druck (ZVD; CVP)

Zentral-venöser-Druck (ZVD; CVP)#

Engl: Central Venous Pressure, CVP

Indikationen#

Mit eingeschränkter Beurteilbarkeit: Patientin mit Notwendigkeit für ein erweitertes Volumenmanagement, Rechtsherzinsuffizienz; Verdacht auf sich entwickelnde Perikardtamponade, Risiko für Pulmonalembolie.

Da eine ZVD-Messung bei liegendem ZVK relativ günstig und risikoarm ist, kann die Indikation recht weit gefasst werden.

Kontraindikationen#

  • Kein liegender zentraler Zugang mit Schenkel in Herznähe, kein freier dedizierter Schenkel am ZVK

Komplikationen#

  • Fehlinterpretation

Methodik und Interpretation#

Der zentralvenöse Druck (ZVD) wird über einen Schenkel eines zentralvenösen Katheters (ZVK) mit einem Druckabnahmesystem analog zum invasiven arteriellen Blutdruck gemessen. Er ist ein Indikator v. a. für die rechtsventrikuläre Vorlast und spiegelt das Ausmaß des venösen Rückflusses und die Funktion des rechten Ventrikels wider. Er ist dabei im Wesentlichen abhängig vom venösen Rückfluss, der Rechtsherzleistung pzw. -passage, sowie den intrathorakalen und intraabdominellen Druckverhältnissen:

  • Erhöhter venöser Rückfluss erhöht ZVD

  • Reduzierte kardiale Pumpleistung erhöht ZVD

  • Intrathorakaler und intraperitonealer Druck erhöht den ZVD

  • Erhöhter Systemisch-Vasculärer Widerstand (SVR) erhöht ZVD

Man sollte annehmen, der ZVD wäre somit der ideale Parameter, um die Volumsbelastung bzw. -bedarf abzuschätzen. Leider hat sich das als Fehlglaube herausgestellt 🗎 Marik 2013 – im Gegenteil, der ZVD hat eine schlechte Aussagekraft hinsichtlich Blutvolumen und Volumsbedarf. 🗎 Marik 2008

Somit ist der ZVD hinsichtlich seiner Limitationen und seiner Aussagekraft kritisch, aber auch nicht völlig ablehnend zu bewerten:

  • Das Vorhandensein extremer ZVD-Werte kann hilfreich sein, um die Flüssigkeitszufuhr zu steuern. 🗎 De Backer 2018

  • Beurteilung im Verlauf und zusammen mit anderen Parametern: Der Anstieg des ZVD spiegelt per se keine Änderungen des Herzzeitvolumens wider! Dementsprechend sollten Änderungen des ZVD bei Flüssigkeitsgabe zusammen mit Änderungen des Herzzeitvolumens analysiert werden; ein starker Anstieg des ZVD bei minimaler Änderung des Herzzeitvolumens kann auf eine schlechte Verträglichkeit gegenüber Flüssigkeiten hinweisen, während eine minimale Änderung des ZVD zusammen mit einem Anstieg des Herzzeitvolumens eher auf einen Flüssigkeitsbedarf hinweist. 🗎 De Backer 2018

    Weiters kann ein plötzlicher ZVD-Anstieg ein Hinweis auf bestimmte Pathologien (restriktiv z. B. Perikardtamponade, obstruktiv z. B. Pulmonalembolie) sein. Auch hier ist der Verlauf, und nicht ein singulärer Messwert diagnostisch verwertbar.

  • Der ZVD gibt eine gute Aussage bezüglich einer extrathorakalen Organstauung bzw. des Risikos von Endorganschäden durch diese Stauung 🗎 Smyrniotis 2004 🗎 Mullens 2009

  • Darüber hinaus ist der ZVD hinsichtlich des Flüssigkeitsmanagements aber nicht als der Weisheit letzter Schluss anzusehen. Insbesonders die Betrachtung singulärer Messwerte oder die Vorgabe bestimmter ZVD-Werte als Ziel findet sich noch häufig in der Literatur (🗎 Rivers 2001, 🗎 SurvSepsisCpg 2012), sollte jedoch in Anbetracht der Datenlage nicht mehr zur Anwendung kommen (🗎 Eskesen 2016, 🗎 Marik 2013, ♛ SurvSepsisCpg 2021).

Zu tun

#18 FOTO: Screenshot ZVD

Prüfung

  • ZVD ist nicht Volumen!

  • Gute Korrelation zum intravasalen Volumen und myokardialer Funktion ist nur beim Gesunden!

(Für die Prüfung ZVD-Kurve in Gegenüberstellung zum EKG und zur Pulswelle zeichnen! + Pathologische ZVD-Kurven bei TI, TS, Tamponade, VHF!)