Anlage eines ZVK#

Ein zentraler Venenkatheter (ZVK) ist ein Katheter, der in eine große Vene eingeführt wird und dessen Ende in der V. cava zu liegen kommt. ZVKs werden eingesetzt um einen zuverlässigen Gefäßzugang sicherzustellen oder um Medikamente zu verabreichen, die verdünnt werden müssen, um die Venenschädigung möglichst gering zu halten. Ferner erlaubt der ein ZVK die Messung des zentralvenösen Drucks (ZVD).

Die verwendeten Katheter sind üblicherweise 15–20 cm lang, bestehen aus Silikon oder Polyurethan und haben ein oder mehrere Lumen. Übliche Gefäßzugänge sind die Vena jugularis interna und die Vena subclavia, der Zugang über die Vena femoralis ist grundsätzlich auch möglich, birgt jedoch einige Nachteile (Hygiene, Mobilisierung). Die Auswahl der Punktionsstelle richtet sich nach den patientenindividuellen Risikofaktoren, Vorerkrankungen und geplanten Eingriffen und anderen medizinischen Erfordernissen. Daraus ergeben sich folgende Weisheiten:

Hinweis

Wo steche ich meinen ZVK? Ratschläge für die Praxis:

  • Vena jugularis interna nicht bei neurochirurgischen Patienten, oder Patienten mit erhöhtem Hirndruck.

  • Vena subclavia nicht

    • bei Patienten mit eingeschränkter Gerinnung

    • wenn keine Möglichkeit zur raschen Entlastung eines Pneumothorax besteht (z.B. im OP aufgrund der Abdeckung)

  • Punktion nach Möglichkeit auf der Seite eines (drainierten) Pneumothorax bzw. auf der Seite eines thoraxchirurgischen Eingriffs

  • Punktion nicht im Gebiet von operierten oder gestenteten Gefäßen oder Infektionen

  • Punktion nicht in thrombosierte Gefäße

  • Prüfe den Gefäßstatus vor der Entscheidung mittels Ultraschall (Anatomie, Thromben, …?)

Die regelrechte Lage der Katheterspitze (von cranial kommend) befindet sich 2cm vor dem rechten Vorhof (bzw. 3. ICR, nicht tiefer als Carina).

Tab. 45 Zugänge für den ZVK: Vor- und Nachteile#

Zugang

Vorteile

Nachteile

Vena jugularis interna

  • gute Darstellbarkeit im Ultraschall

  • rechts: gerader Weg

  • geringes Pneumothoraxrisiko

  • gut komprimierbar bei Blutung

  • sehr variable Anatomie (Carotis!)

  • kollabiert bei Hypovolämie

  • geringer Patientenkomfort bei Punktion

  • beim wachen Patienten mechanische Beanspruchung

  • zerebrales Abflusshindernis, Cave Hirndruck

  • Punktion bei kurzem Hals erschwert

  • Cave Gefäß-Patches oder Stents!

Vena subclavia

  • Vene “aufgespannt”, kollabiert weniger leicht bei Hypovolämie

  • kein zerebrales Abflusshindernis

  • höherer Patientenkomfort

  • schlechte Darstellbarkeit im Ultraschall

  • höheres Pneumothoraxrisiko

  • schlecht (nicht) komprimierbar bei Blutung, hoher Blutverlust nach intrathorakal möglich

Vena femoralis

  • gute Darstellbarkeit im Ultraschall

  • relativ einfach punktierbar

  • gut komprimierbar bei Blutung

  • hygienisch problematisch (Stuhl, Harn, Intertrigo)

  • Mobilisierung erschwert

  • Cave Gefäß-Patches oder Stents!

Indikationen#

  • Venen-reizende Medikamente: parenterale (hyperosmolare) Ernährung, hochdosierte Katecholamine, …

  • Konstanter, zuverlässiger Fluss notwendig: hochdosierte Katecholamine

  • schlechter Venenstatus

  • parallele Gabe von vielen miteinander inkompatiblen Medikamenten

  • ZVD-Messung

  • ScvO₂-Messung

Sonderfall großlumiger ZVK (“Hämofiltrationskatheter”):

  • schnelle Volumengabe

  • Hämofiltration

Kontraindikationen#

Kontraindikationen für einen zentralen Venenzugang sind immer relativ und hängen von der Dringlichkeit und dem alternativen Venenzugang ab:

  • Gerinnungsstörungen (relativ, technik- und lokalisationsabhängig)

  • Lokalisationsabhängig:

    • Stents

    • Thrombosen

    • Gefäßmalformationen

    • Lokale Infektionen o. ä.

Komplikationen#

Die Gesamtkomplikationsrate bei der Platzierung zentraler Venenkatheter liegt bei etwa 15 % [🗎 McGee 2003, 🗎 Sznajder 1986]. Zu den typischen Komplikationen bei der Platzierung gehören Arterienpunktion, Katheterfehlstellung, Hämato- und Pneumothorax, ventrikuläre Arrhythmien, subkutanes Hämatom. Die Ultraschall-gezielte Punktion kann die Komplikationsrate erheblich senken.

Neben den anlageassoziierten Komplikationen müssen aber auch auf die Komplikationen während der gesamten Verweildauer und bei Entfernung des Katheters bedacht werden.

  • Pneumothorax

  • Infektionen

  • Blutungen

  • Nervenplexusläsion mit Horner, Phrenicusparese, Plexus-brachialis-Läsion

  • intraarterielle Anlage

  • Katheterfehllage

  • Luftembolie

  • Nervenschäden

  • Punktionbedinkte Komplikationen

    • arterielle Fehlpunktion

    • Blutung an der Punktionsstelle

    • postinterventionelle Neuropathie

    • Pneumothorax

    • Luftembolie

  • Katheterbedingte Komplikationen

    • Katheterassoziierte Blutstrominfektionen (CR-BSI) und katheterassoziierte Sepsis

    • Thrombophlebitis (venöse Thrombose)

    • muraler Thrombus

    • endokardiale oder Klappenvegitationen, Endokarditis

    • schwere Rhythmusstörungen

  • Abflusshindernis (ICP!)

Gefahr

Katheterassoziierte Blutstrominfektionen (CR-BSI) sind bekannte Komplikationen dieses Verfahrens und gehen mit erhöhter Morbidität und Mortalität für den Patienten einher. Kritische Risikofaktoren sind die Verweildauer und die Anzahl der Lumina.

Maßnahmen bei arterieller Kanülierung#

  1. Wenn vor Dilatation bemerkt: Kanüle entfernen, Kompression

  2. Wenn nach Dilatation: Katheter an Ort und Stelle belassen und endovaskuläre Behandlung bzw. gefäßchirurgischen Expertenrat einholen.

Anlage#

… am Beispiel am Zugang über die V. iug. interna dext nach 🗎 StatPearls CLP.

Material#

Steriles Basis-Set:

  • Schale für Desinfektionsmittel

  • Schale für Kochsalzlösung

  • 3 Schwämme

  • Tupfer

  • Abdecktücher

  • Steriler Mantel

Steriles ZVK-Material:

  • Spritze und Nadel für Lokalanästhetikum

  • Überzug für Ultraschallsonde

  • Ultraschallgel

  • Ampulle mit 1 % Lidocain

  • Spritze und Aufziehkanüle für Lokalanästhetikum

  • Subkutankanüle

  • Spülspritze (10 ml)

  • Aspirationsspritze

  • BGA-Spritze

  • Punktions-Spritze und Einführkanüle

  • Skalpell

  • Führungsdraht

  • Dilatator

  • Katheter mit Verschlusskappen

  • Nahtmaterial und Nadel

  • BGA-Spritze

  • ZVK: Länge beim Erwachsenen 16 cm rechts, 20 cm links

Nicht steril:

  • Gefärbtes Hautdesinfektionsmittel

  • Ungefärbtes Desinfektionsmittel mit remmanenter Wirkung (z.B. Octenidin-hältig)

  • Verband

  • Mund-Nasen-Maske

  • OP-Haube

  • Sterile Handschuhe

  • EKG-Monitor

  • Ultraschallgerät mit Linearschallkopf

Durchführung#

Prüfungsrelevanz

☑ Praktikum | ☑ Schriftliche Prüfung | ☐ PJ-Reife | ☐ PJ Tertialprüfung

Beim Zugang über die Vena iugularis interna sollte die Nadel an der Spitze des Dreiecks eingeführt werden, das durch die beiden Köpfe des Musculus sternocleidomastoideus oberhalb des medialen Schlüsselbeins gebildet wird und sich normalerweise 5 cm oberhalb des Schlüsselbeins befindet. Dies sollte seitlich zur Karotispulsation erfolgen und die Nadel sollte seitlich in der Sagittalebene in Richtung der ipsilateralen Brustwarze gerichtet sein. Das Drehen des Kopfes des Patienten zur kontralateralen Seite hebt Orientierungspunkte hervor und erleichtert die Platzierung des ZVK. [🗎 StatPearls CLP]

  1. OP-Haube und Mund-Nasen-Maske anlegen

  2. Händedesinfektion

  3. Patient monitieren

  4. Patient lagern

  5. Positionierung Ultraschallgerät

  6. Sono-Pre-Check: Ultraschall des vorgesehenen Punktionsgebiets: Gefäßsituation, Thromben?

  7. Händedesinfektion

  8. Sterile Handschuhe anlegen

  9. Punktionsgebiet großzügig mit gefärbten alkoholischen Hautantiseptikum desinfizieren:

    • Mindestens 3 mal von innen nach aussen

    • Einwirkzeit gemäß Fachinformation beachten

  10. Schale für Desinfektionsmittel verwerfen

  11. Sterilen Kittel anlegen

  12. Material auf sterilen Tisch ordnen

  13. Assistenz füllt Schale für Kochsalzlösung

  14. Spül-Spritze mit Kochsalzlösung füllen

  15. Katheterlumina spülen

  16. Abdecktücher vorbereiten

  17. Abdecken

  18. Spritze mit Lokalanästhetikum vorbereiten

  19. Punktionsmaterial vorbereiten:

    1. Verschlusskappe des Führungsdrahts abnehmen, Führungsdraht bereitlegen

    2. Punktionsspritze mit ca 2-3 ml Kochsalzlösung füllen, Punktionsnadel aufsetzen, Kappe lösen

    3. Ultraschallgel: Verschluss öffnen

  20. Assistenz reicht Ultraschallsonde zu, Anlegen des sterilen Ultraschall-Überzugs

  21. Auftragen des Ultraschallgels

  22. Darstellung des Zielgefäßes: Die Vene erscheint rund mit einer schwarzen Mitte, die unter Druck auf die Sonde leicht kollabiert. Die angrenzende Arterie (Karotis oder Femoralarterie) weist sichtbare Pulsationen und minimale Kollabierbarkeit auf.

  23. Lokalanästhesie, Wirkeintritt abwarten

  24. Punktion der Haut, ab Hauteintritt ständige Aspiration. Die Nadel sollte in einem Winkel von 30 bis 45 Grad in die Haut eingeführt werden.

  25. Einführen der Kanüle, Navigation nach Ultraschall (Darstellen der Kanülenspitze!)

  26. Punktion des Gefäßes, Aspiration von dunkelrotem Blut. Sobald venöses Blut angesaugt wird stoppen

  27. Ultraschallsonde ablegen

  28. Spritze von Kanüle lösen

    • Es soll dunkelrotes Blut langsam aus der Kanüle tropfen

    • Wenn arterielle Punktion vermutet (hellrotes, spritzendes Blut) oder im Zweifel: BGA-Kontrolle

  29. Wenn venöse Punktion gesichert: Führungsdraht ansetzen und einführen

    • Stopp wenn Widerstand!

    • Der Führungsdraht sollte nur über die erwartete Katheterlänge hinaus eingeführt werden, um ein Vordringen ins Herz zu vermeiden.

    • Wenn Führungsdraht den rechten Vorhof erreicht können häufig Extrasystolen ausgelöst werden. Wenn eine Arrhythmie auftritt, sollte der Führungsdraht zurückgezogen werden, bis sie sich auflöst.

  30. Kanüle über Führungsdraht ausfädeln

  31. Führungsdraht mittels Ultraschall im Gefäß darstellen

  32. Wenn venöse Punktion gesichert: Einstichstelle mittels Skalpell erweitern und Dilatator mittels Drehbewegung einführen

  33. Dilatator ausfädeln und ZVK auf Führungsdraht auffädeln

    • Führungsdraht zurückziehen bis er am ZVK an der Konnektionsstelle hinten retour kommt

  34. Führungsdraht distal fassen und ZVK über Führungsdraht einführen

  35. Führungsdraht entfernen

  36. Ein Lumen aspirieren, BGA-Probe abnehmen, Lumen spülen und verschliessen

  37. Restliche Lumina aspirieren, spülen und verschliessen

  38. Katheter im Gefäß mittels Ultraschall darstellen: Richtiges Gefäß?

  39. Einstichstelle mittels Tupfer und remmanent wirksamen Desinfektionsmittel desinfizierend reinigen

  40. ZVK annähen

  41. Wenn nötig mit Tupfer und remmanent wirksamen Desinfektionsmittel desinfizierend reinigen

  42. Abdecktücher abnehmen

  43. Verband anlegen

  44. Spitzes Material in Sharp-Box entsorgen

  45. restliches Material entsorgen

  46. PSA ablegen

  47. Händedesinfektion

  48. BGA-Ergebnis kontrollieren

  49. Je nach Hausstandard ev. Thoraxsonographie zum Pneumothorax-Ausschluss

  50. Thoraxröntgen durchführen

    • Fragestellung: “Lagekontrolle, Pneumothorax?”

  51. Dokumentation

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Fig. 119 ZVK in der V. iug. int. dext.#

Weiterführende Ressourcen