Knochenverbindungen#
Knochenverbindungen (Juncturen) können in Synarthrosen (kontinuierliche / unbewegliche Knochenverbindungen, Fugen / Haften) und Diarthrosen (diskontinuierliche / bewegliche Knochenverbindungen, Gelenke) unterteilt werden.
Fig. 191 Ein Gelenk im Querschnitt#
© Lena Hirtler, ℓ MfG
Synarthrosen#
Bei Synarthrosen können unterschieden werden:
Bandhafte Verbindung über Bindegewebe (Syndesmose): Z. B. Membrana interossea (Zwischenknochenmembran) zwischen Ulna (Elle) und Radius (Speiche), Fontanellen, Suturen (Schädelnähte), Gomphosis („Einzapfung“ der Zähne).
Knorpelhafte Verbindung (Synchondrose): Z. B. Discus intervertebralis (Bandscheibe), Symphys (Schambeinfuge), Wachstumsfugen.
Knochenhaft (Synostose): immer eine sekundäre Verbindung, basierend auf den beiden bereits genannten, Verbindung über Knochen, z.B. Kreuzbein (Os sacrum), Hüftbein (Os coxae), Verknöcherung der Wachstumsfugen nach Wachstumsabschluss.
Klassische Gelenke: Diarthrosen#
Diarthrosen, die umgangssprachlich “klassischen” Gelenke (Articulationes, Art.), haben verschiedene definierte Kennzeichen: Die Knochenenden sind durch einen Gelenkspalt getrennt und mit hyalinem Knorpel überzogen. Die Gelenkkapsel ist die äußere Begrenzung des Gelenks und schließt die Gelenkflüssigkeit (Synovia) ein. In manchen Gelenken gibt es Gelenkkörper (Discus, Labrum, Meniscus, z.B. Kniegelenk). Die Gelenkkapsel besteht aus zwei Schichten: Eine derbe bindegewebige Schicht (Membrana fibrosa; straff, bestehend aus Kollagenfasern) ist außen und meist durch Ligamenta (Bänder) verstärkt. Die Gelenkinnenhaut (Membrana synovialis; Gefäß- und Nervenreich) sorgt für die Produktion der Gelenkflüssigkeit, die für die Nährstoffversorgung des Knorpels von großer Bedeutung ist.
Der Gelenkknorpel besteht in den meisten Gelenken aus hyalinem Knorpel. Abgesehen von den Knorpelzellen (Chondrozyten) besteht dieser Knorpel aus Extrazellulärmatrix (Kollagenmatrix, Makromoleküle (Proteoglykane) und Wasser). Durchschnittlich ist er ca. 2—3 mm dick, kann aber an Einzelstellen, wie z.B. an der Gelenksflächen der Kniescheibe (Patella, 8 mm), dicker sein. Er ist auch aufgrund des mangelndem Knorpelhaut (Perichondrium, enthält Nerven und und Blutgefäße) und der abwesenden Blutgefäßen von der Nährstoffversorgung über das Blut abgegrenzt und muss über die Gelenksflüssigkeit versorgt werden. Dies ist der Grund, warum die Regeneration von Knorpelschäden in Gelenken auch eine so große Herausforderung ist.
Die besonderen Einrichtungen der Gelenke umfassen alles, was nicht zur “Basisausstattung” der Gelenke dazugehört: Verstärkungsbänder (Ligamentum), Zwischenscheiben (Discus articularis), Gelenklippen (Labrum), Gleitbeutel (Recessus; dies sind keine Schleimbeutel!).
Die Gelenke werden je nach Ausstattung unterschiedlich gesichert und in exzessiver Bewegung gehemmt. Es gibt daher die Bandhemmung (Bewegungshemmung durch Bänder, z. B. Kniegelenk), die Knochenhemmung (Bewegungshemmung durch Knochen, z. B. Ellenbogengelenk), die Muskelhemmung (Bewegungshemmung durch Muskeln, z.B. Handgelenk, Hüftgelenk) und die Weichteilhemmung (Bewegungshemmung durch sonstige Weichteile, z. B. Ellenbogengelenk, Kniegelenk).
Die Bänder der Gelenke haben jedoch nicht nur eine hemmende Funktion. Es gibt
Verstärkungsbänder (für die Gelenkkapsel)
Führungsbänder (für Bewegungen)
Hemmungsbänder (für Bewegungseinschränkungen)
Gelenksformen#
Nach ihrer Form und ihrer Bewegungsfreiheit bzw. der Anzahl der Bewegungsachsen werden verschiedene Gelenksformen unterschieden, vgl. Tab. 110:
Gelenkart |
Freiheitsgrade |
Beispiele |
|
|---|---|---|---|
Kugelgelenk |
Art. sphaeroidea |
3 |
Schultergelenk |
Nussgekenk |
Enarthrosis |
3 |
Hüftgelenk |
Eigelenk |
Art. ellipsoidea |
2 |
proximales Handgelenk |
Sattelgelenk |
Art. sellaris |
2 |
Daumensattelgelenk (Art. carpometacarpale I) |
planes Gelenk |
Art. plana |
2 |
Zwischenwirbelgelenke |
Rad- bzw. Zapfengelenk |
Art. trochoidea |
1 |
proximales Radio-Ulnargelenk |
Scharniergelenk |
Ginglymus |
1 |
distale Finger- und Zehengelenke |
Straffes Gelenk |
Amphiarthrose |
durch Bänder stark eingeschränkt |
Gelenke zwischen den Handwurzelknochen |
Der Freiheitsgrad beschreibt die unterschiedlichen Bewegungen in einer Raumebene. Bei drei Freiheitsgraden (maximal möglich), kann man mit diesem Gelenk Bewegungen in allen drei Raumebenen durchführen. Bei einem Freiheitsgrad kann nur eine bestimmte Bewegung ausgeführt werden.
Fig. 192 Gelenksformen: A Kugelgelenk (3 Achse; z. B. Hüftgelenk), B Eigelenk (2 Achsen; z. B. Handwurzelgelenk), C Sattelgelenk (2 Achsen; z. B. Daumengrundgelenk), D Scharniergelenk (1 Achse; z. B. Fingergliedgelenke, Elle–Oberarmknochen), E Zapfengelenk (1 Achse; z. B. Elle–Speiche)#
© Lena Hirtler, ℓ MfG
Gelenksarten#
Zusätzlich muss man noch folgende unterschiedliche Gelenksarten unterscheiden:
Einfaches Gelenk (Art. simplex): Ein einfaches Gelenk verbindet, wie bei der allgemeinen Beschreibung der Kennzeichen der Diarthrose angeführt, zwei Knochen miteinander (z.B. Fingergelenk). Davon zu unterscheiden ist das
Zusammengesetzte Gelenk (Art. composita): Hier sind nicht nur zwei, sondern mehr Knochen in einer einzigen Gelenkshöhle d.h. durch eine gemeinsame Kapsel zusammengefasst. Hierdurch gibt es dann auch nicht nur eine Gelenksform, die die Beweglichkeit des Gelenkes bestimmt, sondern mehrere,z.B. Ellenbogengelenk:
Oberarmknochen–Elle (Scharniergelenk)
Oberarmknochen–Speiche (Kugelgelenk)
Elle–Speiche (Zapfengelenk)
Komplexes Gelenk (Art. complexa): Zusätzlich zu zwei oder mehr Knochen gibt es hier innerhalb der Gelenkshöhle noch Gelenkskörper (Discus bzw. Meniscus articularis), die für die Funktion des Gelenks eine wichtige Rolle spielen (z.B. Kniegelenk).