Propofol

Propofol#

Disoprivan®, Diprivan®

Propofol ist gegenwärtig DAS Hypnotikum schlechthin und kann quasi als Goldstandard betrachtet werden. Es zeichnet sich durch die kurze und allein hypnotische Wirkdauer (5-8 min) aus. Es stimuliert GABA-Rezeptor und damit Freisetzung von Glutamat, sowie den Natriumkanal-abhängigen Natriumeinstrom in die Zelle. Es ist stark lipophil, nicht wasserlöslich und wird in einer Öl-in-Wasser-Emulsion (10 % Sojaöl (Sojaallergie!!), dadurch die weiße Farbe), Lecithin, Glycerin und Eiphosphatid (Eiallergie?) verabreicht (Fettzufuhr: 1 ml 1 % = 0,1 g Fett!). Um Bakterienwachstum zu verhindern ist EDTA oder Sulfit zugesetzt, welche Allergien und Bronchospasmus auslösen können.

Propofol ist ein kurzwirksames Hypnotikum ohne analgetische Eigenschaften.

Indikation(en)

Narkoseeinleitung,

hypnotische Komponente bei der TIVA oder balancierten Anästhesie

Nebenwirkungen
  • Atmung: Atemdepression bis zur Apnoe

    • Apnoe (> 60sec) nach AN-Einleitung durch Verminderten Atemantrieb auf Hypoxie und CO₂,

    • setzt die Reaktivität der Atemwege (Husten, Glottisschluss) herab.

    • Bronchodilatatorisch ab 2,5 mg / kg,

  • Kreislauf: Abnahme von MAP, CO, SVR (Vasodilatation, vermind. SVR, neg. inotrop, vermindert Barorezeptorenreflex, HF unverändert oder Bradykardie bis AV-Block sind möglich.):

    • Negativ-inotrope Wirkung;

    • HF-Anstieg,

    • Blutdruckabfall (besonders ausgeprägt bei Koronarkranken und Älteren),

    • HMV-Abfall

  • Zerebral Senkung der zerebralen Durchblutung, Senkung des zerebralen Sauerstoffbedarfs, Hirndrucksenkung

  • Injektionsschmerz (Gefäßwandreizungen)

  • Erregungsphänomene (spontane Bewegungen, Myoklonien)

  • Antiemetisch (unspezifische Wirkung auf 5HT3-Rezeptor und verminderte Serotoninfreisetzung im ZNS), daher Einsatz bei PONV

  • EEG-Veränderungen, Leberverfettung, Pankreatitis

  • Propofolinfusionssyndrom (speziell Kinder, > 48 h Sed mit > 5 mg / kg / h + > 5h Narkose)

Kinetik

Kurz wirksam, Konjugation in der Leber, Ausscheidung der Metaboliten über die Nieren

Wirkungseintritt 15—45 s, bei langer Kreislaufzeit auch länger

Wirkdauer 4-6min, HWZ 55min (2 % länger! Größeres Verteilungsvolumen),

Dauer der hypn. Wirkung: 5—10 min

Ausgeprägter Firstpass-Effekt in der Lunge.

Elim.-HWZ ca. 1 h

Elimination: Konjugation zu wasserlöslichen Metaboliten (Glukuronide und Sulfate) in der Leber und zu 88 % über die Niere ausgeschieden. Clearance (2l/min) übersteigt den Leberfluss und ist auch bei Leberzirrhose und CNI nicht wesentlich beeinflusst, daher besteht wahrscheinlich auch ein extrahepatischer Mechanismus?

Kontraindikation(en)

relativ: Hypovolämie, Gravidität, Stillen, Fettstoffwechselstörung, Alter <1 Mon (1 %) bzw. <3a (2 %)

Dosierung

Siehe Tab. 99 Propofol: Dosierung

Narkoseinduktion: Erw. 1,5-2,5 mg / kg, Kind < 8Lj 2,5-4 mg / kg, Kind > 8Lj 2,5 mg / kg

Einleitung: 2 mg / kg. Erhaltung: 2—6 mg / kg / h

Kinder 3-5 mg / kg KG, Erwachsene 1-2,5 mg / kg KG, Geriatrische Patienten 1-1,75 mg / kg KG langsam injizieren!

(Prämedizierte Patienten und Ältere brauchen weniger)

  • TIVA: 3-9 mg / kg / h

  • TCI[1] (Target Controlled Infusion): Zielplasmakonzentration = durchschnittlich 3 µg / ml

  • Manuelles Propofol-Infusions-Regime: Bolus 1 mg / kg + 10-8-6 (für 10 Minuten 10 mg / kg, für weiter 10 Minuten 8 mg / kg, danach 6 mg / kg / h; nicht ideal Zielplasmakonzentration wird erst nach ca. 30 Minuten erreicht.)

  • Sedierung: 1,5-4,5 mg / kg / h

  • Antiemetisch: 10-20 mg Bolus alle 5-10 Minuten, 0,6 mg / kg / h

  • Injektionsschmerz: 20 ml Lidocain zu 20 ml Propofol, Fentanyl Vorgabe.

Tab. 99 Propofol: Dosierung#

Bolus

Repetition

70 kg

100 kg

Einleitung

2–5 mg / kg

Erwachsene

2–3 mg / kg

140–210 mg

200–300 mg

Ältere

1–1,5 mg / kg

70–105 mg

100–150 mg

TIVA

Beginn 12 mg / kg / h danach 6–10 mg / kg / h

Sedierung

1–4 mg / kg / h

Bemerkung

Narkosetiefe Unzuverlässige Zeichen: Blutdruck und HF, Somatische Zeichen (Tränenfluss, Schwitzen,…) PRST (Pressure, Heartrate, Sweat, Tears)-Score Bedingt zuverlässige Zeichen: unwillkürliche Abwehrbewegungen beim nicht relaxierten Patienten.

Warnung

CAVE: