Mundhöhle (Cavitas oris)

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Mundhöhle (Cavitas oris)#

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Fig. 205 Die Mundhöhle#

© Lena Hirtler, ℓ MfG

In der Mundhöhle wird die Nahrung über den Mund aufgenommen und durch die Zähne zerkleinert. Über Geruch und Geschmack wird die Nahrung in der Mundhöhle bereits einer Kontrolle unterzogen. Die zerkleinerte Nahrung wird über die Speicheldrüsen eingebreit und bereits durch den Speichel mit seinen Enzymen angedaut. Im Speichel ist insbesondere Amylase enthalten, das Kohlenhydrate spaltet.

Begrenzungen der Mundhöhle:

  • vorne: Lippen

  • seitlich: Wangen

  • unten: Mundboden

  • oben: harter (Palatum durum = Maxilla und Os palatinum) und weicher Gaumen (Palatum molle)

  • hinten: Übergang in den Pharynx (Rachenenge: Isthmus faucium)

Die Mundhöhle kann in den Mundvorhof (Vestibulum oris), der Bereich zwischen Lippen und Zähnen, sowie in die eigentliche Mundhöhle (Cavitas oris propria) unterteilt werden. Diese geht dann im Schlund (Fauces) mit der Rachenenge (Isthmus faucium) in den Rachen (Pharynx) über. Die Rachenenge (Isthmus faucium) wird seitlich von zwei Gaumenbögen (Arcus palatoglossus, Arcus palatopharyngeus) mit der in ihrer Mitte liegenden Uvula (Zäpfchen) begrenzt. Zwischen diesen beiden Bögen liegen die Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae).

Der Mundboden wird aus den suprahyoidalen Muskeln[1] gebildet. Sie sind beteiligt beim Öffnen des Mundes und beim Schlucken.

Zunge#

Die Zunge besteht aus quergestreiftem Muskel[2]. Neben ihrer Rolle als Sinnesorgan für Geschmacks- und Tastempfindungen spielt die Zunge auch eine wichtige Rolle beim Sprechen und Schlucken von Nahrung und Speichel. Ihre Muskeln können grob in innere und äußere Zungenmuskeln eingeteilt werden und ermöglichen Zungenbewegungen in allen drei Raumebenen. Um alle feinen Bewegungen der Zunge zu ermöglichen, gibt es die meisten Zungenmuskeln paarig — in der Mitte werden die beiden Zungenhälften durch eine Zwischensehne (Septum linguale) getrennt.

Die Innervation der Zunge erfolg über Hirnnerven, speziell motorisch über den N. hypoglossus (XII), sensibel über N. glossopharyngeus (IX) und N. vagus (X) im hinteren Drittel sowie über den N. trigeminus (V) in den vorderen zwei Dritteln.

Der Zungengrund bezeichnet die Zungenwurzel. In ihrem Bereich befindet sich die Tonsilla lingualis, ein Teil des Waldeyerschen Rachenrings.

Neben Tast-, Tiefen-, Temperatur- und Schmerzrezeptoren besitzt die Zunge zahlreiche Papillen[3], welche zuständig sind für Geschmack, Tast-, Tiefen-, Temperatur- und Schmerzempfinden. In diesen Papillen werden die einzelnen Geschmacksqualitäten (sauer, salzig, süß, bitter, Umami) wahrgenommen. Jeder Zungenregion kann eine Qualitätspräferenz (außer Umami: Geschmack von Glutamat) zugewiesen werden.

Zähne#

Die Zähne sind auf 4 Quadranten, jeweils rechts—links im Ober- und Unterkiefer, verteilt. Nach den Milchzähnen (20 Stück) im Kindesalter zerkleinern die bleibenden Zähne (32 Stück) die zugeführte Nahrung. Abhängig von der jeweiligen Form und Aufgabe unterscheidet man pro Quadrant:

  • 2 Schneidezähne (Dens incisivus): Abbeißen

  • 1 Eckzahn (Dens caninus): Reißen, Festhalten

  • 2 Backenzähne (“Premolare”, Dens premolaris): Mahlen

  • 3 Mahlzähne (“Molare”, Dens molaris): Mahlen

Zahnformel

                                Milchgebiss

rechts oben
            1x | 2x                5x | 6x
            ---+---                ---+---
            4x | 3x                8x | 7x
                                        links unten
Oberkiefer   18, 17, 16, 15, 14, 13, 12, 11 | 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28
            --------------------------------+--------------------------------
Unterkiefer  48, 47, 46, 45, 44, 43, 42 41  | 31, 32, 33 ,34, 35, 36, 37, 38

Die Schneidezähne und die Eckzähne werden als Frontzähne bezeichnet, die Prämolaren und die Molaren als Seitenzähne. Das menschliche Gebiss ist heterodont - d.h. es gibt Zahngruppen, die unterschiedlich geformt und eine unterschiedliche Aufgabe haben - und diphyodont - d.h. die Zähne wechseln von einem Milchgebiss zu einem permanenten Gebiss (Zahnwechsel).

Die ersten Zähne, die durchbrechen, sind die medialen Schneidezähne (6. bis 12. Lebensmonat), bis zum 2. Lebensjahr sollten die Milchzähne vollständig ausgebildet sein. Der erste Molar - der erste Zahn des bleibenden Gebisses - entwickelt sich dann mit dem 6. Lebensjahr. Daraufhin folgt der Zahnwechsel: Medialer Schneidezahn mit 7, lateraler Schneidezahn mit 8, erster Prämolar mit 9, zweiter Prämolar mit 10 Eckzahn mit 11, zweiter Molar mit 12. Der dritte Molar ist meist sehr unterschiedlich ausgeprägt - falls er durchbricht, passiert das ab dem 18. Lebensjahr (→ Weisheitszahn).

Der Dens (Zahn) besteht aus der Zahnkrone (Corona dentis), dem Zahnhals (Cervix dentis) und der Zahnwurzel (Radix dentis). Drei knochenähnliche Substanzen — Zahnbein (Dentin), Zahnschmelz (Enamelum) und Zement (Cementum) — bauen den Zahn auf. Über die Wurzelhaut (Desmodontium) ist der Zahn federnd im Wurzelfach (Alveole) des Kiefers befestigt. Eigene Kollagenfasern (Sharpey-Fasern) durchziehen das Desmodontium. Das Zahnbein ist schmerzempfindlich. Der Zahnhals und die beiden Kieferbögen sind von Zahnfleisch (Gingiva) bedeckt.

Der Zahnhalteapparat besteht aus:

  • Alveole

  • Zahnfleischrand

  • Desmodontium

  • Cementum

Speichel#

Der bereits erwähnte Speichel wird von exokrinen Drüsen gebildet. Die Mundhöhle besitzt kleine Speicheldrüsen mit kurzen Ausführungsgängen in Lippe, Wange, Zunge und Gaumen. Große Speicheldrüsen sind:

  • Glandula parotis (Ohrspeicheldrüse): Mündung auf Höhe des 2. Mahlzahns des Oberkiefers

  • Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse): Mündung auf Caruncula sublingualis unterhalb der Zungenspitze

  • Glandula sublingualis (Unterzungenspeicheldrüse): Mündung gemeinsam mit Unterkieferspeicheldrüse

Die Speicheldrüsen bilden pro Tag ungefähr 1—1,5 L Speichel. Es gibt einen mukösen (schleimig) und einen serösen (flüssig) Speichel. Die Sekretion wird durch das vegetative Nervensystem gesteuert – Parasympathikus fördert, Sympathikus hemmt die Speichelbildung.

Im Mundspeichel befinden sich:

  • Elektrolyte

  • Muzine: Schleimsubstanzen

  • a-Amylase: zur Verdauung von Stärke

  • andere: IgA, Laktoferrin, Lysozym, Blutgruppenantigene, Wachstumsfaktoren etc.