Einleitung und Säulen der Reanimation#
Als Reanimation werden Wiederbelebungsmaßnahmen im Falles eines Kreislaufstillstands verstanden. Die korrekte und routinierte Durchführung der Reanimation hat großen Einfluss auf das Überleben des Patienten bzw. seine Lebensqualität nach der Entlassung aus der Spitalsbehandlung. Dennoch ist die Überlebensrate bis zur Krankenhausentlassung nach rettungsdienstlichen Reanimationen mit ungefähr 10 % sehr gering.
Üblicherweise werden die Reanimationsmaßnahmen lose nach ihrer Invasivität und dem Anwender (Laie, nicht-ärztliches und ärztliches Fachpersonal) in Basic Life Support (BLS) und Advanced Life Support (ALS), und nach der Altersgruppe (Erwachsene, Kinder, Neugeborene) unterschieden, von dieser GLiederung möchten wir hier absehen und einen integrativen Ansatz wählen. Ausgehend von der Reanimation eines erwachsenen Patienten werden wir die Reanimation auf Basis der grundsätzlichen Säulen der Reanimationstherapie besprechen. Die Besonderheiten einzelner Patientengruppen (Kinder, Neugeborene) und die Notwendigen Abweichungen werden basierend darauf in eigenen Kapiteln behandelt.
Hintergrund: ERC-Leitlinien#
Die für die Reanimation in Europa maßgebliche Fachgesellschaft ist das *European Resuscitation Council (ERC). Das ERC veröffentlicht alle fünf Jahre aktualisierte Guidelines zur Reanimation und verwandter Gebiete (ERC-Guidelines). Die Guidelines definieren nicht den einzig richtigen Weg wie eine Reanimation ablaufen muss, allerdings sind sie als weithin akzeptierte Ansicht zu verstehen, wie diese sicher und effektiv durchgeführt werden kann. Jeder neuen Auflage geht ein aufwendiger Forschungs- und Diskussionsprozess voraus: Es werden hunderte Studien mit vielen verschiedenen Fragestellungen an vielen Forschungszentren auf der ganzen Welt durchgeführt, die Ergebnisse ausgewertet und anschließend diskutiert. Die derzeit aktuelle Version der ERC-Guidelines wurde, aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie um ein Jahr verspätet, im Jahr 2021 veröffentlicht (ERC 2020/2021, ♛ ERC 2021 01), die nächste Aktualisierung ist im Jahr 2025 zu erwarten.
Die ERC-Leitlinien werden im Journal Resuscitation publiziert und können sowohl von der Homepage des Journals als auch der ERC kostenlos heruntergeladen werden. Eine deutsche Übersetzung ist auf den Homepages der deutschen und der österreichischen Fachgesellschaften verfügbar[1].
Die ERC-Guidelines sind in zwölf Sektionen unterteilt:
Kurzdarstellung ♛ ERC 2021 01
Epidemiologie ♛ ERC 2021 02
Systems saving lives ♛ ERC 2021 03
Basic Life Support ♛ ERC 2021 04
Erweiterte Reanimationsmaßnahmen für Erwachsene (“Adult Advanced Life Support”) ♛ ERC 2021 05
Kreislaufstillstand in besonderen Situationen ♛ ERC 2021 06
Postreanimationsbehandlung ♛ ERC 2021 07
Erste Hilfe ♛ ERC 2021 08
Die Versorgung und Reanimation des Neugeborenen ♛ ERC 2021 09
Lebensrettende Maßnahmen bei Kindern (“Paediatric Life Support”) ♛ ERC 2021 10
Ausbildung ♛ ERC 2021 11
Ethik der Reanimation und Entscheidungen am Lebensende ♛ ERC 2021 12
Neu oder alt?
Da alle fünf Jahre eine neue Version der Richtlinien erscheint, kommt es gerade in der Übergangszeit regelmäßig zu Verwirrungen, welche Versionen oder Varianten in der Praxis angewendet werden sollen.
Grundsätzlich muss das gesamte Personal einer Organisation das von der eigenen Organisation empfohlene oder angepasste Schema kompetent im Team anwenden können. Das behandelnde Fachpersonal kann jedoch davon im Rahmen der Eigenverantwortung abweichen, sofern die dazu notwendigen Voraussetzungen gegeben sind. Dabei ist ganz besonders zu beachten, dass das gesamte Team mit der anderen oder neueren Version vertraut und die entsprechende Routine besitzen muss. Darüber hinaus müssen auch z. B. technische Gegebenheiten bedacht werden (Programmierung der AEDs, etc.). I. d. R. trifft der Teamleiter als Letztverantwortlicher die Entscheidung, er muss daher auch genau über die jeweilige Qualifikation und Routine seiner Teammitglieder Bescheid wissen. Ist die Durchführung einer anderen Variante als die von der Organisation empfohlene aufgrund der Ausbildung, des Trainings und der Routine von Team-Mitgliedern oder der vorhandenen Ausstattung fragwürdig, so ist im Zweifel im Sinne eines reibungslosen Ablaufes das empfohlene Schema zu verwenden.
Bemerkung
Die Publikation einer neuen Ausgabe der Guidelines bedeutet nicht, dass die bisherigen Methoden unsicher oder ineffektiv sind.
Säulen der Reanimation#
Die Reanimation besteht, je nach Kompetenzniveau, aus drei bis sieben Säulen:
Erkennen der Reanimationspflichtigkeit
Mechanische Therapie (Herzdruckmassage) zur Aufrechterhaltung eines Minimalkreislaufes
Ventilation zur Oxygenierung und Decarboxylierung
Elektrotherapie zur Normalisierung des Herzrhythmus, wenn indiziert
Pharmakologische Therapie
Kausale Therapie reversibler Ursachen
Postreanimationsversorgung
Fig. 123 Die drei Könige der Basisreanimation [© Lena Hirtler, ℓ MfG]#